Das Risc-Modul Seit April 1992 ist nun (endlich) das auf der Spielwarenmesse in Nürnberg vorgestellte RISC-Modul-Set von Mephisto erhältlich, welches ein verbessertes Programm der bekannten RISC-Maschine enthält. Nach Absprache wurde mir freundlicherweise ein Testgerät von der Firma Eurochess zu Verfügung gestellt. So, das war der Werbeblock. Die Erwartungen waren groß, liest sich doch das Lastenheft des neuen Moduls wie die Wunschliste eines Freaks: 32-Bit-ARM 2-RISC-Prozessor mit flotten 14 MHz Taktfrequenz, ein 128 KByte groes Schachprogramm mit einem vollen Megabyte Hash-Tables, die verbesserte Version des Weltmeister-Programmes von Vancouver 1991 GIDEON mit einer Eröffnungsbibliothek von 80.000 Halbzügen der aktuellsten Theorie und schlielich einsetzbar in jedes Exclusive-oder München-Brett! Endlich wieder zu Hause bekam ich leichte Bedenken, ob das funkelnagelneue Modul-Set denn überhaupt in meinem alten Exclusive-Brett (noch mit viertem Modulschacht hinten!) laufen würde. Mitbekommen hatte ich auch noch einen neuen Adapter, der, so mußte ich mich belehren lassen, unbedingt erforderlich wäre! Weder der gute alte HGN 5001/5002 der 8-Bit-Geräte noch der HGN 5004 für die bisherigen Weltmeistermodule liefern passenden Saft für den RISC-Prozessor! Bei einem empfohlenen Verkaufspreis von 1998,- DM für das dreiteilige Modul-Set auch noch den Adapter für 98,- weitere Märker kaufen zu müssen, empfinde ich schon als Zumutung. Einen entsprechenden Spannungsregler einzubauen wäre sicherlich die weitaus verbraucherfreundlichere Alternative gewesen, aber so verkauft man halt seine Adapter gleich mit! Die nächste unliebsame Überraschung war die , daß der Geräte- Stecker nicht in der Gehäuse-Buchse plaziert werden kann, sondern nur im Adapter-Modul. Dieses wird aber mitgeliefert. Zum ersten Mal war ich froh noch ein altes Brett ohne Multi-Spannungsbuchse, aber dafür mit dem eben schon erwähnten vierten Modulschacht zu besitzen, so kann ich wenigstens meinen alten Mephisto III mit Eröffnungsmodul HG 170 laufen lassen, während alle Besitzer eines Brettes mit besagter segensreicher Multi-Spannungsbuchse auf den weiteren Zugang verzichten müssen und trotzdem vorne den Kontakt zur Steckdose herstellen müssen, wenn sie das RISC-Modul-Set einsetzen. Immerhin wird die Verbindung nun endlich über einen Winkelstecker hergestellt, der dafür aber etwas kurz geraten ist, was Wackelkontakte bei Berührung zur Normalität werden läßt! Und schon sind wir bei der Ausstattung des Moduls: Wer nun blind den Ausführungen des Prospekt und der Bedienungsanleitung vertraut und denkt, "ha, was kümmert einen ein gelegentlicher Wackler, wenn man stolzer Besitzer eines Moduls mit Stellungsspeicher ist...", so wird man spätestens beim ersten Ausfall während des Spiels ganz fürchterlich rot anlaufen!! Der Stellungsspeicher wird nämlich genau wie beim Milano nur aktiviert, wenn man vorher die MEM-Taste gedrückt hat. Ansonsten fühlt dieser sich nämlich nicht zuständig für die Erhaltung der laufenden Partie! Welchen Sinn das hat, soll mir mal einer erklären. Bei FIDELITY kann man wenigstens zwischendurch eine andere Partie spielen und dann die abgelegte Partie zurückrufen, wodurch der nicht selbsttätig operierende Speicher immerhin einen Sinn erhält, aber nicht so beim RISC-Modul oder beim Milano! Zur übrigen Ausstattung ist zu sagen, daß die Bedienung des RISC-Moduls fast identisch ist mit der des Milano, lediglich die Partie-Analyse fehlt, dafür kann aber weiterhin die ELO-Zahl aufgrund der gespielten Partie errechnet, die sechs Spielstufen frei editiert, die Sprache gewählt, der Zufallsgenerator ausgeschaltet und natürlich die Partie vor-und zurückgespielt werden. Immerhin zwei neue Features, zumindest für die Schröder-Programme des modularen Systems gibt es: Es besteht die Möglichkeit die selektiven Vertiefungen auf Schach-und Schlagzüge zu begrenzen, mit anderen Worten also, das Programm auf Brute-Force umzustellen und der Rechner gibt Kaffeehausspielern die Möglichkeit sich mit ihm im 'aggressiven' Spiel zu messen. Der Info-Modus wurde um weitere 6 Halbzüge Hauptvariante bereichert. Der wissensbedürftige Spieler kann nun also 11 Halbzüge tief in die Analyse des Computers hinutersteigen. Die Kommunikation mit dem Modul läuft über das bekannte 32 stellige, zweizeilige Graphik-Display, wie es seit dem Almeria bekannt ist. Nun, nach der Feststellung dieser etwas ärgerlichen Kleinigkeiten begann ich mich dem Schachprogramm zu widmen: Zunächst spielte ich ein paar Blitzpartien, die ich übrigens nicht alle verlor! Ich hatte vorher nicht die Gelegenheit gehabt, mich länger mit der RISC-Maschine zu beschäftigen, so daß ich völlig unbefangen an das eigentliche Testen heranging. Auf der Spielwarenmesse hatte Jeroen Noomen so von der neuen 80.000 Halbzüge umfassenden Eröffnungsbibliothek des RISC-Moduls geschwärmt und ich beschloß daher zunächst diese unter die Lupe zu nehmen: Der erste Eindruck ist, daß für die Größe erschreckend wenig Varianten aktiv gespielt werden. Auch Geräte mit wesentlich kleineren Eröffnungsrepertoires spielen regelmäig Sizialianisch, Caro-Kann, Damengambit, Spanisch und Nimzo-Indisch. Leider ist auch keine Option vorhanden, mittels derer man die Anzahl der vom Modul aktiv zu spielenden Züge vergrößern kann, wie etwa eine Gambitbibliothek. Stattdessen kann man die aktiven Antwortzüge weiter einschränken, indem man die Turnierbibliothek zuschaltet, was übrigens die einzige Möglichkeit ist, auf das Repertoire, das der Computer benutzt, Einfluß zu nehmen. Nicht einmal eigene Eröffnungen kann man hinzufügen, was angesicht der Lücken im Repertoire aber dringend erforderlich wäre! So kennt das RISC-Modul zum Beispiel die Entgegnung 2. ...b6 auf die Zugfolge 1.d4 Sf6 2.c4 nicht. Zwar wird dieser Antwortzug in der Literatur einhellig als nicht empfehlenswert eingestuft, aber man sollte es kennen! Gegen Holländisch spielt das Programm nur 2.Lg5, der Nimzowitsch-Verteidigung 1. ...Sc6 gegen 1.e4 weicht das Programm mit 2.Sf3 aus, Ungarisch ist nicht im Programm enthalten, das abgelehnte Königsgambit und Falkbeers Gegengambit kennt es ebenfalls nicht...usw. Na, immerhin werden Zugumstellungen erkannt, leider aber auch weiterhin keine Farbvertauschungen. Da kann man nur sagen: "Das war wohl nix, Jerry! Um den Bedürfnissen tausender von Benutzern gerecht zu werden, muß man mehr können." Wenigstens kann man die Varianten, die das RISC-Modul gut kennt, ausgiebig mit dem vom Milano bekannten Trainingsmodus üben. In diesem Modus zeigt der Computer alle Varianten im Display an, die er kennt und später kann man die gerade gespielte Variante selbst gegen den Computer probieren, wobei bei Abweichungen ein strenger Ton anzeigt, da man 'gefehlert' hat. Übrigens ist es mir einmal doch tatsächlich gelungen, den Computer dazu zu bringen, alle Züge, die er kennt aktiv zu spielen! Leider weiß ich nicht mehr, wie mir dies Husarenstück gelang. Ich war im Trainingsmodus, rief dort Alternativzüge ab, nahm sie wieder zurück, spielte sie vor, wechselte in den gewöhnlichen PLAY-Modus und wieder zurück...etc. Nun, etwas herumprobieren kann also in dem Teilgebiet der Eröffnungen zu deutlich mehr Spielspaß führen. Ein kleiner Programmfehler ist mir übrigens noch aufgefallen: Beim Abrufen von Alternativzügen im Eröffnungsrepertoire wird gelegentlich nicht der neue Zug im Display angezeigt (er wird nur auf dem Brett angezeigt), sondern es erscheint die Uhr in der unteren Zeile. Kein schlimmer Fehler, aber großes Vertrauen weckt so etwas wahrlich nicht, zumal es auch nicht der letzte Fehler bleiben sollte, aber dazu später mehr! Nach diesen etwas enttäuschenden Ergebnissen nahm ich mir das Mittelspiel vor und wurde hier für das mißglückte Eröffnungsrepertoire voll entschädigt! In den 29 schwierigen Stellungen des Buches SCHACHCOMPUTER - Was sie wirklich können erreichte das RISC-Modul fantastische 1519,24 Punkte, was nach einer von mir selbst entwickelten Formel 2219 ELO bedeutet! Zum Vergleich: Der Milano erkämpfte sich beachtliche 894,41 Punkte, was auch noch 2101 ELO ergab. Wirklich bemerkenswert ist aber nicht nur das Endergebnis an sich, sondern auch was der Computer letztlich selektiv so alles sieht! Neugierig geworden jagte ich den Computer noch einmal durch die Aufgaben, diesmal aber Brute Force! Das Ergebnis überraschte ein wenig: 1494,2 Punkte = 2214 ELO. Also praktisch kein Unterschied. Viele weitere Stellungen zeigten das gleiche Bild. Im Detail große Unterschiede, aber daß der Computer auf einer der Einstellungen nun deutlich stärker spielt kann man nicht behaupten! Hier ein Beispiel: Diagramm 37 W:Kh1,Dg3,Ta1,Lb3,Ba2,c3,e5 f1 f4,g2,h2 S: Kh8,Dc7,Ta8,Sg6,Ba7,b5,c6 e8 f5,g7,h7 Eine typische Stellung für Brute-Force-Programme: Der Lösungszug 1.Dxg6 und der zweite Zug 2.Tf3 werden Selektiv in 13'20'' gefunden, Brute Force braucht das RISC-Modul nur 10 Sekunden! Den umgekehrte Fall zeigt Diagramm 71: W:Kg2,Dc1,Th1,Ld3,Ba2,b2,d4 h4 f6 f2,f3 S:Kg8,Dc7,Td7,Ld6,Sf4,Ba7,b5,c6 e8 , f7,g6,h5 in nur 2'11'' fand das Programm den Lösungszug 1.Dxf4 und das nachfolgende 2.Txh5 mit der Einstellung Selektiv, Brute Force erschien der Zug nicht innerhalb der vorgeschriebenen 15 Minuten! Sehr schnell werden auch Stellungen gelöst, bei denen nur Schachgebote zum Matt führen. Meistens werden die Lösungszüge sofort angezeigt! Bei der Stellungseingabe gibt es übrigens einige kleine Ärgerlichkeiten, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen: Geht man in den Eingabe-Modus und löscht dort das Brett, so beschränkt sich dies auf die Reihen 3-6. Steht eine Figur auf den ersten beiden oder den beiden letzten Reihen, so nimmt der Computer an, daß dort eine der Figuren der Grundstellung steht. Vergißt man diese also vom Brett zu nehmen oder zu versetzen, bleibt sie im Speicher des Rechners. Eine Fehlermeldung gibt es nicht! Außerdem sollte der Spieler wirklich gute Augen haben oder nur im Winter spielen! Während die Brett-LEDs im Spiel noch gerade hell genug leuchten, sind sie bei Stellungseingabe wirklich kaum noch auszumachen. Auch besitzt das RISC-Modul nicht die feine Stellungseingabe des Vancouver, das bedeutet, daß man für jede Figurenart die entsprechende Taste drücken muß und nicht einfach auf dem Brett befindliche versetzen kann. Wirklich schade. Doch nun zurück zun den spielerischen Fähigkeiten des Computers: Das strategische Spiel des RISC-Moduls ist wohl das beste aller Computer. Solche Fähigkeiten auszutesten ist nur schwer möglich, aber im Spiel gegen den Vancouver zum Beispiel merkt man, daß dieser doch häufig planloser spielt, unnötige Tempoverluste einfährt und weniger druckvoll spielt. Trotzdem ist der Vancouver nach wie vor das ausgereifteste Programm auf dem Markt, aber gerade im Mittelspiel verliert er seine Partien gegen das RISC-Modul. Demgegenüber stehen beim RISC-Modul leider doch häufig positionell völlig unangemessene Züge und sogar dicke Fehler auf diesem Gebiet, die man zum Beispiel vom Vancouver nicht kennt. Dennoch kann der Vancouver noch am ehesten strategisch mithalten, was sehr anschaulich die zweite von mir gespielte Partie belegt, in der der Vancouver mit einem (meiner Meinung nach zweifelhaften) positionellen Qualitätsopfer aufwartet, wonach ich keine müde Mark mehr auf das Lang-Programm gesetzt hätte. Aber das RISC-Modul vermag keinen Nutzen aus dem materiellen Vorteil zu ziehen: Mephisto RISC 1 MB - Vancouver 32 Bit (40 in 2h,Tu-Bibi) (40 in 2h,Aktiv,Tu-Bibi) 1. e4 e5 2. Sf3 Sf6 3. Sxe5 d6 4. Sf3 Sxe4 5. d4 d5 6. Ld3 Sc6 7. O-O Le7 8. c4 Sb4 9. Le2 O-O 10. Sc3 Le6 11. a3 Sxc3 12. bxc Sc6 13. cxd Mit diesem Zug schmeißt das RISC-Modul den Vancouver aus seiner Bibliothek. ... Lxd5 14. Tb1 b6 15. Sd2 La2 Was hat sich der Vancouver denn bei diesem Zug gedacht?! 16. Tb5 a6 17. Th5 g6 18. Th3 Le6 19. Te3 Wie man sieht pflegt das Schröder-Programm schon frühzeitig alle seine Figuren ins Kampfgetümmel zu schmeißen, auch wenn, wie in diesem Fall, das einige Tempoverluste durch Angriffe von Figuren geringeren Wertes zur Folge hat. Der Vancouver ist da vorsichtiger, aber vielleicht macht das den Vorsprung des RISC-Moduls in der ELO-Liste aus!? ... Dd7 20. Te1 Tfd8 48'00'' 28'27'' 21. Lf3 Das RISC-Modul bewertet übrigens die durch die vielen Bauernzüge geschwächte schwarze Stellung mit 0.54 für sich, während der Vancouver noch keinen Anlaß zur Beunruhigung sieht und sich nur -0.15 Punkte schlechter fühlt. Lg5 22. T3e2 Lh6 23. Se4 Lg7 RISC: +0.94, Vancouver: -0.51 24. Lg5 DIAGRAMM Nun schwingt sich der Vancouver zu einem wirklich bemerkenswerten Qualitätsopfer auf !! ... Se5 25. Lxd8 Sxf3+ 26. gxf Dxd8 27. Da4 Ld7 28. Db3 Le6 29. Db4 Lf8 30. Da4 Lg7 31. f4 Dieser Bauer geht bald flöten, weil er auf f4 nicht gedeckt werden kann. Es gibt doch einiges, was Schachcomputer noch lernen müssen! ... Dd5 32. Dc2 Df5 33. Sg3 Dxf4 34. De4 Dxe4 35. Sxe4 h6 36. f4 Td8 37. Kf2 Lf8 38. a4 Kg7 39. Ta1 Td5 40. Tc2 Wie man sieht, tut sich das RISC-Modul gegen das schwarze Läuferpaar sehr schwer. ... Th5 Zeiten: W:1h37'00'' S:1h42'00'' 41. Kf3 Th3+ 42. Sg3 Ld6 43. Tf2 g5 44. fxg hxg 45. Kg2 g4 46. Sf5+ Der nächste Bauernverlust war schon nicht mehr aufzuhalten, es drohte Ld5+ ... Lxf5 47. Txf5 Txh2+ 48. Kg1 Th6 49. Taf1 f6 50. c4 g3 51. a5 Dieser Bauernvorstoß knackt die schwarze Phalanx am Damenflügel! ... Th4 52. axb cxb 53. Td5 Lf4 54. Tf3 Kg6 55. c5 bxc 56. Txc5 f5 57. Tc6+ Kg5 58. Txa6 Kg4 DIAGRAMM Das entstandene Endspiel ist sehr unklar, aber ich hätte lieber die weißen Steine geführt 59. Td3 Th8 60. Tg6+ Lg5 61. d5 f4 62. Tg7 Kf5 63. d6 Lf6 64. Tf7 Ke6 65. Tc7 Ld8 66. Tg7 Ke5 67. d7 Ke4 68. Tb3 Lf6 69. Tb4+ Kf5 70. Tb5+ Ke4 71. Tb4+ Kf5 72. Tb5+ Ke4 73. Tb4+ Remis nach der 3-Züge-Regel Der Vergleich mit dem Vancouver 32 Bit bietet sich natürlich an, da dessen Modul-Set zum selben Preis wie das des RISC-Modul-Set angeboten wird und, wie man hört, verkaufen sich beide Programme nach wie vor in etwa gleichen Mengen. Leider war es mir nicht möglich mehr als drei Partien auf Turnierstufe gegen den Vancouver 32 Bit zu spielen, die alle drei Remis ausgingen. In diesen Partien zeigte sich aber noch eine Sache: Das Endspiel des RISC-Programmes ist zwar wirklich beeindruckend gut, aber der Vancouver spielt hier besser! Während das RISC-Modul viele Endspiele aufgrund seiner enormen Rechentiefe korrekt spielt, braucht der Vancouver viele Dinge gar nicht erst zu errechnen, weil er sie einfach weiß. Dazu ein Beispiel aus der dritten Partie: Vancouver 32 Bit - Mephisto RISC 1 MB 40in2h,Aktiv,Tu-Bibi 40in2h,Tu-Bibi 1. c4 Sf6 2. Sc3 e6 3. Sf3 d5 4. d4 dxc 5. e4 Es ist sehr begrüßenswert, daß mittlerweile selbst in den Turnierbibliotheken einige scharfe Varianten zu finden sind! ... Lb4 6. Lg5 c5 7. e5 cxd 8. Da4+ Sc6 9.0-0-0 Ld7 10. Se4 Le7 11. exf gxf 12. Lh4 Tc8 13. Kb1 Sa5 14. Dc2 e5 15. Sxd4 exd 16. Txd4 Db6 17.Sxf6+ Lxf6 18. De4+ Kf8 19. Lxf6 Dxf6 20. Txd7 Te8 Bis hierher spielten beide Programme aus ihren Bibliotheken. 21. Dd4 Te1+ 22. Kc2 Kg7 23.Dxf6+ Kxf6 24. g3 The8 25. Lg2 T1e2+ 26. Td2 b5 27. Thd1 b4 28. Lf3 Txd2+ 29. Kxd2 Te5 Der Vancouver steht ein wenig in der Ecke, aber beide Rechner zeigen noch Stellungsbewertungen um 0.00 30. Tc1 Te6 31. h4 Td6+ 32. Ke3 Td3+ 33. Ke2 Td4 34. Lg2 Ke6 35. Td1 Txd1 Dieser Turmtausch mit dem nachfolgenden aktiven König kostet fast die Partie! 36. Kxd1 Ke5 37. Kc2 Kd4 38. Lf3 c3 39. Lh5 f5 40. Lf7 Sc4 Die Zeiten: W:1h38'00'' S:1h21'08'' 41. Lg8 h6 42. bxc bxc 43. Le6 Sd6 44. Ld7 a6 45. g4 fxg 46. Lxg4 Sb5 47. Le2 Sc7 48. Lf3 Se6 49. Lg4 Sf4 50. Lf5 a5 51. a3 Kc4 52. Lg4 Sg2 Hier springen die Bewertungen der beiden Spitzenprogramme zum ersten Mal auf über einen Bauern 53.Lxe2+ Kd4 54. h5 Sf4 55. Lg4 Sd3 56. Le6 Sxf2 57. Lf5 Se4 Hier schaute ich zum ersten Mal in der Partie genauer hin: Die Frage ist doch, ob ein möglicher Tausch der Leichtfiguren trotz des nachfolgenden Bauernverlustes auf der h-Linie nicht durch Einsperrung des schwarzen Königs zum Remis führen würde. Die beiden Computer waren hier gänzlich unterschiedlicher Meinung. Das RISC-Modul hätte den (nicht notwendigen) Tausch sicher vermieden, wenn es eine Ahnung vom Remis gehabt hätte! Der Vancouver jedoch zweifelt keine Sekunde am Friedenschluß und schlägt den Springer, wobei seine Bewertung von -1.30 bei 57.Lf5 auf nur noch -0.60 bei 58.Lxe4 fiel!! Das ist es, was ich mit "Wissen" beim Vancouver meine! 58. Lxe4 Kxe4 59. Kxc3 Interessanterweise spielte der Vancouver diesen Zug mit einer Bewertung von -2.24. Offensichtlich wußte der Computer wirklich, daß die Stellung nach dem Tausch Remis werden würde! Der Rest ist "Sache der Technik". ... Kf4 60. Kd3 Kf3 61. a4 Kg4 62. Ke4 Kg5 63. Ke5 Kxh5 64. Kf4 Kh4 65. Kf5 h5 66. Kf4 Kh3 67. Kf3 h4 68. Kf2 Kg4 69. Kg2 Kf4 70. Kh3 Kg5 71. Kh2 Kf5 72. Kh3 Ke4 73. Kxh4 Kd4 74. Kg3 Kc5 75. Kf3 Kb4 76. Ke2 Kxa4 77. Kd2 Kb3 78. Kc1 a4 79. Kb1 Remis Prinzipiell ist aber das Endspiel ebenfalls eine Stärke des Schröder-Programmes. Mußten die 8-Bit-Geräte aufgrund der kleinen Speichermengen, die Ed Schröder zu Verfügung standen immer auf profunde Endspielkenntnisse verzichten, kann er bei seinen RISC-Programmen voll zeigen, was er kann. Komplizierte Endspiel-Studien oder technische Endspiele werden einigermaßen fehlerfrei und schnell gespielt. Bei der ersten Version der Chess-Maschine bemängelten die Besitzer noch, daß die Läufer/Springer-Mattführung und das Endspiel König/Dame gegen König/Bauer auf der siebten Reihe nicht beherrscht wurden. Diese Dinge stellen nun schon auf der Blitzstufe (fast) kein Problem mehr dar. Fast deshalb, weil ich glaube, daß der Algorithmus für die Läufer/Springer-Mattführung noch einen Fehler enthält! DIAGRAMM: W:Kf6,Lf5,Sf7 S:Kf8 In dieser "Grundstellung" für die L/S-Mattführung wird der Gewinnzug 1.Lh7 und das nachfolgende 'W-Manöver' des Springers völlig richtig gespielt. Aber bei einem Versuch aus einer anderen Stellung heraus, drängte mich das Programm zwar an den Rand des Brettes, hielt mich dann jedoch auf den Feldern d1 und e1 gefangen und machte keine Anstalten ihn von dort weiter Richtung Ecke zu treiben. Dies ging etwa 30 Züge lang so, bis eine Mattführung nicht mehr möglich war bei Beachtung der 50-Züge-Regel. Vielleicht hätte das Programm den Gewinnweg auf einem höheren Level (ich spielte auf der Blitzstufe) gefunden, dennoch scheint diese Mattführung noch nicht vollständig korrekt programmiert zu sein. In meinem eigenen Endspieltest, der bislang bei etwa 45 getesteten Geräten immer zuverlässig die jeweiligen Fähigkeiten des Gerätes einstufte erreicht das RISC-Modul übrigens 5540 Punkte. Zum Vergleich: Vancouver 32 Bit: 5832 Punkte Vancouver 16 Bit: 5544 Punkte Milano : 3792 Punkte MM V : 3116 Punkte Diese Ergebnisse entsprechen auch ziemlich genau meinem subjektiven Eindruck von den Endspielfähigkeiten des Computers aufgrund gespielter Partien. Weniger positiv sind dagegen die Leistungen im Problemschach: Bei mir wurde nicht ein Problem korrekt gelöst!! Es traten verschiedene Fehler auf, die sich von fehlerhaften Mattankündigungen bis zu völlig falschen Lösungen spannten. Als Beispiel möchte ich das folgende Problem anführen, das zumindest die beiden oben angeführten Programm-Fehler bloßlegt: W: Ke5,Dc7,Th7 S: Ke8,Ta8,Lb5,Bb6,d7,e4,f2 Matt in vier Zügen Dr. Erich Zeppler Die Schwalbe 1929 Auf sofort Dd6 kann Schwarz noch rochieren, deshalb muß zunächst die gegnerische Rochade verhindert werden. 1.Kd4 Ta4+ 2.Ke5 Ta8 3.Dd6 nebst Matt. Das RISC-Programm zieht 1.Th8 und schreibt zusätzlich MATT ins Display! Verblüfft probierte ich 1....Kf7, worauf der Computer mit 2.Th7+ Matt in zwei Zügen ankündigt! Wiederum stutzte ich und zog 2....Kg6, worauf der Rechner mich freudig piepsend mit 3.Th6 MATT setzte(!) und ich die Waffen streckte, denn wie erklärt man einem Verrückten, daß nur er verrückt ist und nicht alle anderen um ihn herum! Überdies kann man selbst bei korrektem ersten Zug, entgegen den Angaben des neuesten Prospekts aus dem Hause Hegener+Glaser, nicht nach Nebenlösungen geschweige denn Dualen suchen lassen. Hier wurde ganz offensichtlich geschlampt bei der Entwicklung! Nun, wenn wir schon beim Meckern sind: Die Tasten CL und ENT liegen zu dicht beisammen! Erblickt man im Display endlich die Lösung seiner eingegebenen Stellung und will den Zug dann mittels ENTER abrufen, passiert es gelegentlich, daß man beide Tasten drückt, was das Programm als NEUE PARTIE interpretiert! Wirklich ärgerlich! Wenn die Tasten weniger leichtgängig wären, würde der leichte Druck auf die nebenliegende Taste vielleicht gar keine Auswirkungen haben, aber der Druckpunkt ist praktisch nicht definiert. Und noch eine Kleinigkeit: Das Display und die Feld-Dioden leuchten sehr schwach. Subjektiv würde ich sogar sagen, noch schwächer als beim Vancouver! Auch bleibt abzuwarten, ob es auch für das RISC-Modul einen Update-Service geben wird?! Den Vancouver wird man auf jeden Fall noch mindestens einmal umprogrammieren können. Was bleibt ist aber die Gewißheit, daß man mit dem RISC-Modul den im Augenblick spielstärksten Schachcomputer im Mikroformat kaufen kann, aber es bleibt für Mephisto noch einiges zu tun, bis der Computer wirklich ausgereift ist! FAZIT: Angesichts der mageren Ausstattung und der vielen Fehler kann man das RISC-Modul nicht bedingungslos empfehlen. Der potentielle Käufer sollte sich genau überlegen, ob er nur Partieschach spielen, oder auch gelegentlich experimentieren beziehungsweise ein Problem lösen möchte. Ich wüßte im Augenblick jedenfalls nicht, ob ich mich für das spielstärkere RISC-Modul-Set oder für das ausgereiftere Vancouver-Programm entscheiden würde, wenn ich schon so viel Geld für einen Schachcomputer auszugeben bereit wäre. EPILOG: Mittlerweile hat man bei Hegener & Glaser reagiert und eine neue Version 1,2 des RISC-Moduls auf den Markt gebracht, die sich gefrustete Besitzer kostenlos umbrennen lassen können! Wie gehabt wird bei den Schröder-Programmen über MEM + INFO die aktuelle Versionsnummer angezeigt, so daß niemand im Unklaren über seine Programm-Version bleiben muß. Natürlich mußte ich sofort ausprobieren, ob die neue Version endlich fehlerfrei zu den Freaks gelangt. Erste Tests galten jedoch dem praktischen Spiel, wären doch bei einer umfangreicheren Überarbeitung des Programmes die 3500 Worte zur alten Version schlagartig zur Makulatur verkommen. Doch so schnell arbeitet nicht einmal Ed Schröder! Im Klartext heißt das, daß die Version 1,2 KEINE UNTERSCHIEDE IM PRAKTISCHEN SPIEL zur Version 1,0 aufweist! Sämtliche Lösezeiten sowie Rechentiefen und Stellungsbewertungen lassen sich mit der neuen Version zu 100 % reproduzieren. UFF!! Aber wie sieht es denn nun mit den monierten Fehlern im Programm aus. Hat Ed Schröder es geschafft, sie zu eleminieren? Im oben beschriebenen Zeppler-Problem kündigt das RISC-Modul nun tatsächlich nicht mehr Geistermatts an, aber lösen tut es das Problem dennoch nicht, was aber nicht an einem Bug im Programm liegt, sondern an der Sparsamkeit des Autors beim Programmieren. Denn das Problem wird deshalb nicht gelöst, weil die Stellung nach 2....Ta8 fälschlicherweise als zweimalige Stellung proklamiert wird, obwohl das Rochaderecht sich geändert hat. Diese Schlamperei in der Programmierung weisen übrigens eine Reihe von Programmen auf. In einigen wenigen Fällen führten die fehlerhaften Algorithmen aber auch zu ganz enormen (korrekten!) Lösezeiten: Hier ein Beispiel: Weiß : Ke4 Lb5 Sc6 Ba5,h2 Schwarz : Ka8 Bc7,h5 Manfred Zucker Matt in 7 Zügen Kommt Ihnen dieses Problem bekannt vor? Dann gehören Sie wahrscheinlich zu den Schachcomputerveteranen, denn es hat eine (computerschachliche) Geschichte: 1982 gab der Justitiar Ulrich Auhagen, in seiner Freizeit als Problemkomponist tätig, dieses Problem in einen Schachcomputer zum Lösen ein. Welchem er diese Lebensaufgabe stellte wurde leider nie veröffentlicht. Nun ja, dieser ließ sich auch nicht lange bitten und löste das Problem..., in 48 TAGEN! Einige Jahre später konnten die neuen Rechner es schon wesentlich besser. Ein Mephisto MM II brauchte schon nur noch 38h13', der Vancouver 68020 setzte 1992 die Marke auf fantastische 54'29''. Doch das RISC-Modul, Version 1,0 brauchte nur 1'20''!! Hier merkt man die 10 Jahre Programmier-Fortschritt sehr eindrucksvoll. Die jüngere Version 1,2 brauchte dagegen enttäuschende 6h31', sogar ein Elite Version 2 ist mit 5h52' hier schneller. Aber beruhigenderweise konnte ich nun KEINE fehlerhaften Lösungen mehr feststellen. Auch ließ sich das Eröffnungsrepertoire nicht mehr überlisten, alle seine Kenntnisse zu spielen. Leider stehen aber die Tasten immer noch zu nah beisammen und sind viel zu leicht zu aktivieren! Dies hat mich wieder einige Zeit und Nerven gekostet!! Immerhin kann man das RISC-Modul nun auch dem Schachfreund anbieten, der gelegentlich ein Problem eingibt. Gelegentlich deshalb, weil man das RISC-Modul immer noch nicht nach Nebenlösungen suchen lassen kann. --------------------------------------------------------- Bei der Schachjugend-WM in Duisburg hatte ich dann noch Gelegenheit das RISC-Modul gegen einige starke Jugendliche und deren Betreuer Blitzpartien spielen zu lassen. Wer weiß, vielleicht habe ich ja stellvertretend für den Computer dort einem zukünftigen Weltmeister die Hand gereicht! Das RISC-Modul kämpfte sich durch Vor-und Zwischenrunde und wurde schlielich geteilter 6-7 in der Endrunde. Mein Eindruck war , daß der Computer in etwa die Plazierung erreicht hat, die seiner Blitzspielstärke entspricht, aber die Art wie der Computer gespielt hat, war alles andere als überzeugend, und ich wage die Prognose, daß ein Vancouver besser gespielt und abgeschnitten hätte! Doch nun zu den Modalitäten, ich mußte in den 5 Minuten, die auch dem Computer nur zustanden, immerhin sämtliche Züge auf dem Exclusiv-Brett, und auf dem großen Schachbrett, auf dem gespielt wurde, ausführen. Zusätzlich ging auch ein paar Mal die Stellung wieder verloren, weil ich statt nur der ENTER-Taste auch noch CL-Taste erwischte und mußte sie neu eingeben! Die bequemere Möglichkeit, die Spieler direkt auf Computer spielen zu lassen, hätte sicher zu Protesten und Fehlern in der Blitzphase geführt. So bekam der Computer intern nur 3 Minuten zugebilligt und ich ärgerte mich jedes Mal, daß zwar die Spielstufe gespeichert wurde, aber bei einer neuen Partie wieder 5 Minuten im Display standen. Ein anderes Ärgernis war, daß das Eröffnungsrepertoire sehr variantenarm spielt, so daß ich häufig in den Genuß kam, die gleiche Eröffnung gegen verschiedene Gegner auszuprobieren. Hier nun für alle diejenigen Leser, die gerne Partien nachspielen einige Spiele, die mitnotiert wurden (Warum besitzt das blöde Gerät bloß keinen Spielespeicher?) Alle anderen, die der Meinung sind, daß man Blitzpartien nicht analysiert, können sich jetzt anderen Berichten dieser exorbitanten Zeitschrift zuwenden. Die erste Partie aus der Vorrunde zeigt eindrucksvoll, wie schnell man verlieren kann, wenn man in einer so scharfen Eröffnung, wie der Najdorf-Variante im Sizilianer die Theorie nicht weit genug kennt! Mephisto RISC - N.N. Sizilianisch,Najdorf 1.e2-e4 c7-c5 2.Sg1-f3 d7-d6 3.d2-d4 c5xd4 4.Sf3xd4 Sg8-f6 5.Sb1-c3 a7-a6 6.Lc1-g5 e7-e6 7.f2-f4 Lf8-e7 8.Dd1-f3 Dd8-c7 9.0-0-0 Sb8-d7 10.g2-g4 b7-b5 11.Lg5xf6 Sd7xf6 12.g4-g5 Sf6-d7 13.f4-f5 Sd7-c514.f5-f6 g7xf6 15.g5xf6 Le7-f8 16.Th1-g1 Lc8-b7 17.Lf1-h3 0-0-018.Sc3-d5 Bis hierher hatte der Computer die Eröffnung im Speicher 18.... Lb7xd5 19.e4xd5 Lf8-h6 20.Kc1-b1 Th8-f8 21.d5xe6 f7xe622.Lh3xe6 Kc8-b8 23.Sd4-c6 Kb8-a8 24.Sc6xd8 und Aufgabe drei Züge später. 1-0 Die nächste Partie war die erste der Zwischenrunde, in der der Computer nicht gerade positionell schön spielte, irgendwie aber doch immer alles unter Kontrolle zu haben schien oder auch nicht. Araiza, Joaquin (MEX) - Mephisto RISC Damenbauerspiel Zwischenrunde (1) 1.d2-d4 d7-d5 2.Sg1-f3 Sg8-f6 3.Lc1-g5 Sf6-e4 4.Lg5-h4 c7-c5 5.e2-e3Dd8-b6 6.Dd1-c1 Sb8-c6 7.c2-c3 Lc8-g4 8.Lf1-e2 e7-e6 9.Sb1-d2 f7-f610.0-0 Lf8-d6 11.Dc1-c2 Se4xd2 12.Dc2xd2 0-0 13.h2-h3 Lg4-f514.Le2-d3 Lf5xd3 15.Dd2xd3 g7-g5 16.Lh4-g3 Ld6xg3 17.f2xg3 Ta8-e8 18.h3-h4 g5xh4 19.g3xh4 c5xd4 20.e3xd4 e6-e5 21.Dd3-d2 e5-e4 22.Sf3-h2 Sc6-e5 23.Kg1-h1 Se5-c4 24.Dd2-e2 Db6xb2 25.De2xb2 Sc4xb2 26.Ta1-b1 Sb2-d3 27.Tb1xb7 e4-e3 28.Sh2-f3 Sd3-f2 29.Kh1-g1 Tf8-f7 30.Tb7xf7 Kg8xf7 31.Tf1-b1 Kf7-g6 32.Kg1-f1 Sf2-e4 33.Tb1-b3 Kg6-f5 34.Kf1-e2 Kf5-f4 35.Sf3-e1 Te8-e7 36.Se1-f3 Te7-c7 37.c3-c4 Se4-g3 38.Ke2-e1 Tc7xc4 39.Tb3-b1 Tc4-c2 40.a2-a4 Tc2xg2 0-1 Christian Böhmer ging sehr vorsichtig zu Werke, hatte er doch nach eigenem Bekunden keine oder nur sehr wenig Erfahrung mit Schachcomputern. Umso überraschter war ich, als er den Rechner völlig auf dem falschen Fuß erwischte und zeigte, da Horizontzüge immer noch nicht gänzlich der Vergangenheit angehören! Allerdings sollte man nicht vergessen, daß es sich nur um eine Blitzpartie handelt. Schade für Christian, da er in gewonnener Stellung im 30.Zug die Zeit überschreitet. Ich hätte ihm einen Sieg gegönnt. Böhmer,Christian (GER, Ingo 83) - Mephisto RISC Reti Zwischenrunde (3) 1.Sg1-f3 d7-d5 2.c2-c4 c7-c6 3.b2-b3 Sg8-f6 4.Lc1-b2 Lc8-f5 5.d2-d3 e7-e6 6.g2-g3 Lf8-b4 7.Sb1-d2 Sb8-d7 8.Lf1-g2 0-0 9.a2-a3 Lb4-d6 10.0-0 c6-c5 11.Tf1-e1 Lf5-g6 12.Sf3-h4 Lg6-h5 13.Dd1-c2 Sd7-b6 14.e2-e4 d5xc4 15.e4-e5 DIAGRAMM c4xb3 16.Dc2xb3 g7-g5 17.Sh4-f3 Lh5xf3 18.Sd2xf3 c5-c4 19.d3xc4 g5-g4 20.Sf3-h4 Ld6-c5 21.e5xf6 Dd8-d2 22.Te1-f1 Ta8-d8 23.Db3-c3 Dd2xc3 24.Lb2xc3 Sb6xc4 25.Lg2xb7 Td8-d7 26.Lb7-e4 Tf8-c8 27.Ta1-c1 Lc5xa3 28.Tc1-d1 Td7xd1 29.Tf1xd1 Sc4-d6 Zeitüberschreitung Weiß 0-1 Die nächste Partie war die interessanteste des gesamten Turniers für mich! Der Gegner gab nach dem Spiel an, daß er diese Opfervariante wohl schon einmal kannte, aber die Theorie vergessen hatte und so immens viel Zeit im 15. Zug verbrauchte. Hier gilt: Nachspielen lohnt sich! Mephisto RISC - Istratescu, Andrej (ROM, ELO 2450) Sizil.,Najdorf Zwischenrunde (4) 1.e2-e4 c7-c5 2.Sg1-f3 d7-d6 3.d2-d4 c5xd4 4.Sf3xd4 Sg8-f6 5.Sb1-c3 a7-a6 6.Lc1-g5 e7-e6 7.f2-f4 Dd8-c7 8.Dd1-f3 Sb8-d7 9.0-0-0 b7-b5 10.Lf1xb5 a6xb5 11.Sd4xb5 Dc7-b8 12.e4-e5 Ta8-a5 13.e5xf6 g7xf6 14.Lg5-h6 Lf8xh6 15.Sb5xd6 Ke8-f8 Vermutlich eine Neuerung (15....Ke7 z.B. 16.Kb1 Td8 17.De4 ((17.Sd5+ e6xd5 18.Sf5+)) Sce4) f5!? N, Shmuter - Karpman, Ostrava 1991 - SI 52/246) DIAGRAMM 16.Th1-e1 Th8-g8 17.Kc1-b1 Sd7-b6 18.g2-g4 Sb6-d5 19.Sc3xd5 Ta5xd5 20.Td1xd5 e6xd5 21.Te1-e8 Kf8-g7 22.Sd6-f5 Kg7-h8 23.Df3-c3 Db8-b6 24.Te8xg8 Kh8xg8 25.Dc3xc8 Lh6-f8 26. a2-a3 Db6-e6 27.Dc8-d8 h7-h5 28.Sf5-h6 Kg8-g7 29.g4-g5 f6xg5 30.Dd8xg5 De6-g6 31.Sh6-f5 Kg7-h7 32.Sf5-e3 d5-d4 33.Se3-d5 Dg6xg5 34.f4xg5 Kh7-g6 35.h2-h4 Kg6-f5 36.Sd5-f6 Kf5-f4 37.Sf6xh5 Kf4-g4 Hier streifte ich die ENTER-Taste zusammen mit der CL-Taste und mußte die Stellung neu eingeben, ärgerlich, denn ohne diesen Fehler bei nur noch zwei Minuten auf der Uhr hätte der Computer wohl gewonnen. 38.Sh5-f6 Kg4xh4 39.Kb1-c1 Lf8-d6 40.Sf6-e4 Ld6-c7 41.Kc1-d2 Kh4-g4 42.Kd2-d3 Lc7-b6 43.b2-b4 Kg4-f4 44.a3-a4 Kf4-e5 45.a4-a5 Lb6-a7 46.b4-b5 Ke5-d5 47.b5-b6 La7-b8 48.a5-a6 Kd5-c6 49.a6-a7 Lb8xa7 50.b6xa7 Kc6-b7 Hier waren leider beide Plättchen gefallen, daher ... remis. Mephisto RISC - IM Prie, Eric (FRA, ELO 2460) Königsindisch Zwischenrunde (8) 1.d2-d4 Sg8-f6 2.c2-c4 g7-g6 3.Sb1-c3 Lf8-g7 4.e2-e4 d7-d6 5.Sg1-f30-0 6.Lf1-e2 Sb8-a6 7.Lc1-f4 Wie man sieht, weiß der Computer ohne Eröffnungsbibliothek nicht recht weiter Dd8-e8 8.0-0 e7-e5 9.d4xe5 Sf6-h5 10.Lf4-g3 d6xe5 11.a2-a4 Hier entfuhr mir ein deutlich vernehmbares UFF, als ich diesen Zug ausführen mute, was bei den umstehenden Personen und auch beim Gegner für Heiterkeit sorgte. Aber dieser Zug war so schrecklich! Ich dachte in diesem Augenblick daran. daß Ed Schröder in einem Interview einmal erklärt hatte, da er seine Programme gerne mit der Ein-Ply-Methode teste, bei der Partien mit nur einem Halbzug gespielt werden, weil Schröder der Meinung ist, daß auch bei dieser Rechentiefe ein Zug positionell in Ordnung sein muß! Ich kann mir aber kaum vorstellen, da er jemals diesen Test mit dem RISC-Programm gemacht hat, denn sonst hätte er den Computer wohl nicht mit derartigen Schwächen unter das Volk gebracht...! 11....c7-c6 12.Dd1-d6 Sh5xg3 13.h2xg3 Lc8-e6 14.Tf1-d1 Ta8-d8 15.Dd6-a3 f7-f6 16.Td1xd8 De8xd8 17.Ta1-d1 Dd8-c718.Td1-d6 Le6-f7 19.Sf3-e1 Tf8-d8 20.c4-c5 Lg7-f8 21.Td6xd8 Dc7xd8 22.Le2xa6 b7xa6 23.b2-b4 a6-a5 24.b4-b5 Dd8-d4 25.Se1-c2 Dd4xc5 26.Da3xc5 Lf8xc5 27.b5xc6 Kg8-f8 28.Sc3-d5 Kf8-e8 29.Sd5xf6 Ke8-d8 30.Sf6-d7 Lc5-d6 31.f2-f4 e5xf4 32.e4-e5 Ld6-e7 33.g3xf4 Lf7-b3 34.Sc2-d4 Lb3xa4 35.Kg1-f2 Kd8-c7 36.Sd4-e6 Kc7xc6 37.Sd7-f6 La4-d1 Natürlich nicht der beste Zug, aber Schwarz hatte seine Läufer angefasst und wollte diesen nach b3 ziehen, wo er durch die Springergabel verloren gegangen wäre 38.Kf2-e1 Ld1-a4 39.Sf6xh7 Kc6-d5 40.Sh7-f8 Kd5-e4 41.Sf8xg6 Le7-b4 42.Ke1-f2 Ke4-f5 43.Se6-f8 La4-e8 44.Kf2-f3 Le8xg6 Schwarz hatte geglaubt, nun endlich den Lohn seiner Mühen heimfahren zu können, doch alle Umstehenden hatten gesehen, da der Computer nun mit 45.g2-g4 MATT setzen würde. Eine typische Partie, wie sie tausendfach zwischen Mensch und Maschine gespielt wurde! 1-0 Die schnellste und wohl auch schönste Gewinnpartie gegen den Computer gewann das 13jährige Schachwunderkind Peter Leko aus Ungarn, der übrigens auch dieses Blitzturnier für sich entscheiden konnte. Wieder ein Beweis, daß die Computer sowohl taktisch als auch positionell noch einiges zu lernen haben! Vielleicht hatte Mephisto aber auch nur Respekt vor dem vermeintlich zukünftigen Weltmeister? Leko, Peter (HUN, ELO 2460) - Mephisto RISC Sizilianisch Endrunde (2) 1.e2-e4 c7-c5 2.Sg1-f3 e7-e6 3.d2-d4 c5xd4 4.Sf3xd4 Sg8-f6 5.Sb1-c3 d7-d6 6.f2-f4 Sb8-c6 7.Lc1-e3 Lf8-e7 8.Dd1-f3 Dd8-c7 9.0-0-0 0-010.Th1-g1 Sc6xd4 11.Td1xd4 a7-a5? 12.g2-g4 h7-h6? 13.h2-h4 d6-d5 14.e4-e5 Sf6-d7 15.g4-g5 h6xg5 16.h4xg5 Le7-c5 17.Tg1-h1 Lc5xd4 18.Df3-h5 Ld4xe3(-Matt in 3) 19.Kc1-b1 f7-f5 20.g5-g6 Le3xf4 21.Dh5-h8 Matt 1-0 Eine überaus wilde Partie verlor der junge Kasachstane (Kasernist?) Kotcur gegen den Rechner. Dieser verfiel mehrfach in tiefes Grübeln, das immer wieder von heftigem Kopfschütteln begleitet war. Ich fühlte mich in dieser Partie in die alten Super-Conny-Zeiten zurückversetzt, da dieser auch immer wieder zu forsch nach vorne spielte und seine Züge nur durch taktische Gegendrohungen absicherte, wobei er aber gelegentlich seine Dame exponierte. Hier also nun das RISC-Modul im Stil des alten Veteranen! Mephisto RISC - Kotcur (KAS) Spanisch Endrunde (5) 1.e2-e4 e7-e5 2.Sg1-f3 Sb8-c6 3.Lf1-b5 a7-a6 4.Lb5-a4 Sg8-f6 5.d2-d4 e5xd4 6.0-0 Lf8-e7 7.e4-e5 Sf6-e4 8.Sf3xd4 Se4-c5 9.La4xc6 b7xc6 10.f2-f4 0-0 11.c2-c4 f7-f6 12.b2-b4 Sc5-b7 13.c4-c5 a6-a5 14.Dd1-b3 K8-h8 15.Db3-a3 Ta8-b8 16.e5xf6 Le7xf6 17.Tf1-d1 a5xb4 18.Da3-a7 Dd8-e7 19.Lc1-b2 De7-e3 20.Kg1-h1 De3-f2 21.Da7xb8 Df2xb2 22.Sd4-b3Sb7xc5 23.Db8xb4 d7-d6 24.Td1-d2 Tf8-e8 25.Td2xb2 Sc5-d3 26.Db4-d2 Lf6xb2 27.h2-h3 Lb2xa1 28.Dd2xd3 Lc8-e6 29.Sb3xa1 Le6xa2 30.Kh1-h2 c6-c5 31.Sb1-c3 La2-f7 32.Sa1-c2 Te8-f8 33.Sc2-e3 Lf7-e6 34.Sc3-d5 c7-c6 35.Sd5-c7 Le6-g8 36.Dd3xd6 Tf8-f6 37.Dd6xc5 Tf6xf4 38.Se3-f5 h7-h6 39.Sc7-e6 Tf4-f1 40.Dc5-f8 mit Ansage Matt in 3 1-0 P.S.: Als Ergänzung möchten wir nur darauf hinweisen, daß die RISC 1MB-Modul Version des Gideon-Programms demnächst auch als Gideon 3.0 für die Steck-PC-Karten Besitzer verfügbar sein wird, aller Vorraussicht nach. |
Travel Master Gleichzeitig mit dem Berlin von Mephisto kam bei mir zu Hause der Travelmaster an. Während der Kronprinz unter den Schachcomputern noch in seiner tristen Verpackung ein trostloses und unbeachtetes Dasein fristete, riß ich die Verpackung des Travelmaster auf. Zum Vorschein kam ein schwarzes Lederetui, kleine Figürchen, deren Magnete trotz der Größe sogar noch etwas vorstanden, und die mittlerweile zum Klassenstandart gehörenden Magnetplättchen. Zu guter Letzt noch eine englische Bedienungsanleitung mit einem Ergänzungsblatt, das darauf hinwieß, daß auf der Mattstufe nicht unbedingt die kürzeste Mattführung gemäß der vorgegebenen Rechentiefe gespielt wird, sondern auch eine tiefere Ankündigung und somit eine falsche Lösung vorkommen können. Merkwürdigerweise fehlte in der deutschen Übersetzung ein Hinweis hierauf. Doch wen kümmern kleinliche Bugs auf der Problemstufe, um die Spieleigenschaften geht es ja schlielich in der Regel. Also wurden erstmal ein paar Blitzpartien gespielt, die überwiegend verloren gingen. Während dieser Spielchen spulte mein phänomenales Gedächtnis die schon vorab veröffentlichten Daten des Travelmaster ab: Ein neuer H8-Prozessor mit 10 MHz, der von Franz Morsch besonders fest ins Herz geschlossen wurde. So fest, da er in der niederländischen Zeitschrift Computerschaak 4/91 eine lange Lobeshymne auf dieses neue Stück technischen Hochadels veröffentlichte. Nun, die Daten lassen eine Menge erwarten: Eine RISC-ähnliche Architektur erlaubt dem Single-Chip-Prozessor doch tatsächlich eine Verarbeitungsgeschwindigkeit zu erreichen, die etwa einem 6502 mit 8-9 MHz entspricht. Boah...! Leider müssen dafür beim verfügbaren Speicherplatz Abstriche gemacht werden. So standen auch Franz Morsch, dem "König der Mini-Schachprogramme" nur 16 KByte zu Verfügung. Schade eigentlich, wollte ich doch schon immer mal einen Dominator mit 8 MHz ausprobieren. Nun war es an der Zeit, auch mal zu schauen, was denn die 'Konkurenz' (die Klammern, weil es eigentlich keine echte Konkurenz zur SCW gibt, sondern nur Ergänzungsblätter!) so über den Travelmaster losließ. Die CSS schwieg den Travelmaster bisher beharrlich tot, aber in Deutschland ist er auch erst seit April diesen Jahres erhältlich, weshalb wir ihr das nachsehen wollen. Wie meistens, wesentlich aktueller ist da schon die Modul, die in ihrer Ausgabe 3/91 einen Kurztest des Kleinen brachte, in dem er sich mit REX-Chess auseinandersetzen mußte und mit dem alten Advanced Star Chess um den ehrenvollen Titel des "Asterix unter den Schachcomputern" stechen mute. Dort unterlag der Travelmaster übrigens. Gänzlich anders sieht die Spielstärke allerdings Larry Kaufman, der bereits Anfang 1991 eine Vorversion des Travelmaster zum testen bekam und mittels seines ominösen Stellungs-Tests sowie einiger Testpartien eine Spielstärke ermittelte, die in der Nähe von Polgar oder Super-Forte C liegen sollte (Computer Chess Reports No.1/1991,S.4f). Nochmal boah...!! Ein weites Spektrum, aber umso größer war meine Spannung. Hatte ich doch endlich mal ein Gerät zu testen, bei dem man den Ausgang der Partien nicht vorhersagen konnte. Meine ersten Eindrücke waren sehr positiv, waren doch die meisten Partien geprägt von unbändiger Kampfeslust des Kleinen. Vielleicht hatte man ihm ja mittlerweile doch noch den richtigen Zaubertrunk eingeflößt, den Thomas Mally so vermißt hatte. --------------------------- Der Kleine hat Charakter... --------------------------- Und noch etwas fiel auf: Kurz gesagt..., die enge programmliche Verwandtschaft zum Dominator! Mit anderen Worten. Der Kleine hat Charakter. ------------------- ...und Eigenheiten! ------------------- Konnte auch ich ihm zu diesem Zeitpunkt aufgrund meiner geringen Erfahrungen noch nicht das Prädikat "Asterix der Schachcomputer" zubilligen. So setzte sich bei mir langsam aber unaufhaltsam der Spruch aus der Renault-Werbung durch: "DER KLEINE FREUND". Denn wie auch französische Autos zeigte der Travelmaster eine gewisse Unbeständigkeit. Hatte ich gerade auf einem Zettel vermerkt, daß die Entwicklung grundsätzlich zügig abgeschlossen wird, zog der Travelmaster in der nächsten Partie totsicher und nur um mich lügen zu strafen sechsmal hintereinander mit der Dame übers Feld, während seine übrigen Figürchen (Figuren sind es ja nun wirklich nicht) alle noch in den Startblöcken verharrten. Ein anderes Mal vermerkte ich "positionelles Spiel nicht überragend, zeigt aber eine gewisse Scheu vor schwächenden Bauernzügen", da zog der kleine Trotzkopf in der nächsten Partie unvermittelt seinen g-Bauern zwei Schritte vor, um einen auf f4 postierten Läufer nach g3 abzudrängen. (Folgerichtig verlor er dann diese Partie auch aufgrund der Löcher, die er sich auf dem Königsflügel zuzog!). Eine immer tiefere Beziehung bahnte sich zwischen uns an. Schon Mittags, wenn ich aufstand und ihn mit einem fröhlichen "Moin, wie geht's kleiner Freund" ein wenig aufmuntern wollte, versetzte er mir den ersten Schock: Denn auch er war über der Stellung, die er über Nacht analysieren sollte, "eingeschlafen" bzw. abgestürzt war. Nach einem gehörigen Donnerwetter, das ich nun auf ihn hereinbrechen ließ, zeigte er sich reuig und spielte wieder mit mir! Doch dies war nicht das einzige Mal, daß der kleine Freund "Zündaussetzer" bekam und manchmal für eine halbe Stunde nicht ansprechbar war. Offenbar reicht die Batteriespannung nicht immer, den Travelmaster einwandfrei laufen zu lassen. Glücklicherweise hat man dem in China gefertigten Gerät doch noch einen Adapteranschluß spendiert. Mit einem H+G-Netzteil jedenfalls gab es keine Ausfälle mehr. Überhaupt wurde angekündigt, daß Batterien 200 Stunden halten sollten, weshalb man zunächst erwogen hatte, den Adapteranschluß einzusparen. Die Bedienungsanleitung behauptet in der jetzigen Version , die kleinen Kraftspender würden immerhin noch 150 Stunden halten, doch bei mir hielten selbst beste Alkaline nicht länger als etwa 70 Stunden! Wesentlich mehr Spaß bereitete der kleine Freund immer dann, wenn er lief. Aufgrund der engen Verwandtschaft zum Dominator von CXG wählte ich diesen als ersten Gegner aus. Meine Überlegungen gingen dahin, daß die doppelte Rechenleistung und (der hoffentlich vorhandene) Programmfortschritt die kleine Programmgröße wettmachen würde. Außerdem sollen ja Vorteile in den Programmeigenschaften bei sehr ähnlichen Programmen überproportional durchschlagen. Also beide Computer auf Turnierstufe gestellt und angefangen..., aber halt. Dazu sollte man wissen, daß das Repertoire des Travelmaster nur 2000 Halbzüge umfaßt, aber, man höre und staune, in vier verschiedene Bibliotheken unterteilt ist! Das normale Repertoire ist eher breit als tief und für die Größe erstaunlich abwechslungsreich. So werden etwa Budapester Gambit, Königsgambit und einiges andere mehr aktiv gespielt. Im Gegensatz dazu kann eine Turnierbibliothek angewählt werden, die nur einige wenige Varianten aktiv spielt. Zusätzlich kann aber vom Benutzer eingestellt werden, ob der Computer lieber offene oder geschlossene Partien spielen soll! (Ähnlich dem Vancouver, wo man zwischen MODERN UND KLASSISCH wählen kann) . Auch Zugumstellungen werden erkannt, nicht aber Farbvertauschungen, das ist aber verzeihlich, können dies doch überhaupt nur die Spitzenprogramme von Richard Lang und die Elite-Versionen 1-10 von Fidelity (Jawohl, die auch!!). Ehrlich, ich würde das Rumpfrepertoire meines kleinen Freundes mit den Einstellmöglichkeiten sofort gegen das meines Analyst tauschen! Lange Rede, kurzer Sinn, für die Spiele gegen den Domi und auch später in den Turnierpartien wählte ich stets das Turnierbuch. Nun zur ersten gespielten Partie, der Herausgeforderte bekam Weiß: (* = letzter Zug aus der Eröffnungsbibliothek) Travelmaster - Dominator 2.05 Lv C5, Turnier-Bibi, Selektivität eingeschaltet - Level C5 1.e2-e4 c7-c5 2.Sg1-f3 Sb8-c6 3.d2-d4 c5xd4 4.Sf3xd4 g7-g6 5.Sb1-c3 Lf8-g7 6.Lc1-e3* Sg8-f6* 7.Lf1-e2 d7-d6 8.0-0 Lc8-d7 9.Dd1-d2 Sc6xd4 10.Le3xd4 0-0 11.Ta1-d1 Ld7-c6 12.Le2-f3 Dd8-c7 13.Tf1-e1 Tf8-c8 14.Sc3-d5 Lc6xd5 15.e4xd5 Tc8-e8 16.b2-b3 b7-b5 17.Td1-c1 Ta8-b8 18.c2-c4 b5xc4 19.b3xc4 Sf6-d7 20.Ld4xg7 Kg8xg7 21.Dd2-d4+ Kg7-g8 22.Lf3-d1 Sd7-c5 23.Ld1-c2 e7-e5 24.Dd4-c3 f7-f6 25.a2-a3 f6-f5 26.Dc3-g3 e5-e4 27.Tc1-b1 a7-a6 28.Tb1-b4 a6-a5 29.Tb4-b1 Te8-c8 30.Dg3-e3 Sc5-d7 31.Tb1xb8 Sd7xb8 32.Lc2-b3 Sb8-d7 33.f2-f3 e4xf3 34.De3-e6+ Kg8-g7 35.De6-e7+ Zeitüberschreitung Schwarz!! Ja, der Domi hatte auch viele Fehler. Eigentlich war ich von dieser Partie enttäuscht. Keiner der beiden konnte einen wirklichen Vorteil herausarbeiten. Erst in der Schlustellung kommt ein wenig Spannung auf. Doch einen Punkt galt es zu vermerken: Der Travelmaster hatte bis zum 35. Zug erst 19 Minuten verbraucht!!! Bei so ähnlichen Programmen spielt naturgemäß das Permanent Brain eine wichtige Rolle, aber auch, wenn die Hauptvariante des kleinen Freundes einen ganz anderen Zug als den vom Dominator gespielten als den besten und somit erwarteten auswies, zog dieser blitzschnell! Offensichtlich also noch ein Programmfehler. Um auszuprobieren, ob dies ein einmaliger Fehler ist oder prinzipiell auftritt, ließ ich die beiden eine weitere Partie unter den gleichen Bedingungen spielen. Der Travelmaster spielte mit Schwarz ein Budapester Gambit, machte wiederum 40 Züge in nur 20 Minuten 42 Sekunden und übersah schlielich einen Figurenverlust. Offensichtlich also ein Fehler der Turnierstufe, also erfolgte ab dieser Partie eine Umstellung auf die Stufe B5, die für jeden Zug durchschnittlich 3 Minuten zur Verfügung stellt. Eigentlich ging der Wettkampf jetzt erst richtig los. Schade um die verlorene Zeit, aber man freut sich auch ein wenig, wenn man einen solchen Bug aufspürt, da kommt dann der Entdeckergeist durch!! Die 3. Partie endete schon nach 12 Zügen mit Remis durch dreimalige Stellungswiederholung, im Gegensatz dazu dauerte das vierte Spiel 105 Züge, was am unendschiedenen Ausgang aber nichts änderte. Wesentlich interessanter verlief da schon die fünfte Partie, die aufzeigte, daß Horizontzüge in dieser Klasse noch immer nicht der Vergangenheit angehören: Travelmaster - Dominator 2.05 LV B5, Sel. an, Turnier-Bibi - Level C5 1.d2-d4 d7-d5 2.c2-c4 c7-c6 3.Sg1-f3 e7-e6 4.Sb1-c3 Sg8-f6 5.e2-e3Sb8-d7 6.Lf1-d3 Lf8-d6 7.0-0* 0-0 8.e3-e4 d5xc4 9.Ld3xc4 e6-e5 10.Lc1-g5 Dd8-e7* 11.Ta1-c1 e5xd4 12.Sf3xd4 Sd7-e5 13.Lc4-b3 Tf8-d814.Tf1-e1 bis hierher hatte mein kleiner Freund vernünftig gespielt, doch nun schenkt er den Drohungen des Gegners nicht genügend Beachtung: 14.... Se5-g4 15.f2-f4 (Auf sofort 15.e5 wäre Df6xf4 16.e5xd6 Df4xh2 17.Kg1-f1 Dh2-h1+ 18.Kf1-e2 Dh1xg2+ 19.Ke2-d3 Sg4-f2+ und -+ gekommen) 15....h7-h6 16.Lg5xf6 De7xf6 17.g2-g3 (-3.4) Ld6-e5 18.Sc3-e2 Td8xd4 Zack, die Figur ist weg! 19.Dd1-c2 Td4-d6 20.Te1-d1 Td6xd1 21.Tc1xd1 Le5xb2 22.e4-e5 Lb2xe5 23.h2-h3 Sg4-e3 24.f4xe5 Df6-e7 25.Dc2-d3 Se3xd1 26.Lb3xd1 Lc8xh3 27.Se2-f4 Hier brach ich ab, bevor der Kleine wieder einen Schmollanfall bekam! 0-1 An dieser Stelle vielleicht einige wissenswerte Kleinigkeiten zur Ausstattung des Kleinen. Abgesehen von der vielfältig einzustellenden Eröffnungsbibliothek bietet der Travelmaster noch einige andere nette Zugaben, die den Umgang mit ihm sehr angenehm machen und auf Reisen das große Holzbrett von zu Hause fast vergessen machen: Da wäre zunächst einmal der programmierbare Rolliermodus wie von Fidelity bekannt. Hier lassen sich nach Lust und Laune Rechentiefe, Zeit, Stellungsbewertung, im Augenblick berechneter Zug, drei Halbzüge Hauptvariante und die berechneten Stellungen pro Sekunde einstellen. Übrigens verblüffte mich der Kleine mit bis zu 4100 Stellungen pro Sekunde. Schon wieder Boah! Desweiteren lassen sich die Selektivität, der Zufallsgenerator und das Permanent Brain abstellen und auch die aus dem Milano bekannte "tickende" Schachuhr ist vorhanden. Allerdings arbeitet diese mit der Frequenz der Beine eines olympischen 100-Meter-Läufers, so schnell tickt sie! Spielstufen sind zu hauf vorhanden und auch eine "Easy"-Einstellung für schwächere Spieler ist vorhanden. Leider gibt es auch hier wieder einiges über Programmfehler zu berichten: Die Rechentiefe, die übrigens immer ein oder zwei selektive Züge beinhaltet, wird nur angezeigt während der Computer rechnet, was ja nicht weiter schlimm ist. Aber da die Uhr durch wiederholtes Drücken der Cursor-Tasten zum schnelleren Laufen angeregt werden kann, ist, gelinde gesagt, merkwürdig! Auch die Stellungsbewertung hat so ihre Eigenheiten: Gelegentlich wechselt sie nach Ausführung des Zuges das Vorzeichen, wie um sich zu verstecken. Aber wie da eben so ist, Leuten mit Stil und Charakter verzeiht man so manche Fehler und Animositäten. Für alle Partieliebhaber und Freunde des Travelmaster nun aber endlich die sechste Partie gegen den Domi. Dominator 2.05 - Travelmaster Level C5 - Lv B5, Selektivität an, Turnier-Bibi 1.c2-c4 e7-e5 2.Sb1-c3 Sg8-f6 3.g2-g3 d7-d5 4.c4xd5 Sf6xd5 5.Lf1-g2*Sd5-b6* 6.d2-d3 Lf8-b4 7.Sg1-f3 Sb8-c6 8.0-0 Lc8-g4 9.Lc1-g5 f7-f6 10.Lg5-d2 0-0 11.Dd1-b3 Tf8-f7 Merkwürdig, da eine Reihe von Programmen bei solchen Diagonal-Schachs gerne den Turm vor den König ziehen, anstatt diesen einfach einen Schritt nach rechts zu bewegen?! 12.a2-a3 Lb4-a5 13.Db3-a2 La5xc3 14.b2xc3 Dd8-d7 15.Tf1-d1 Ta8-d8 16.Ta1-c1 a7-a6 17.c3-c4 Lg4xf3 18.Lg2xf3 Sc6-d4 19.Lf3-h5 g7-g6 20.e2-e3 g6xh5 21.e3xd4 Dd7xd4 Der Travelmaster hat nun also seinen Bauern gewonnen, doch um welchen Preis? Der Königsflügel ist zerfleddert, der Damenflügel ohne Schutz und Gegenspiel ist kaum erkennbar! 22.Ld2-e3 Dd4-g4 23.Da2-b3 Dg4-f3 24.c4-c5 Sb6-d7 25.c5-c6 b7xc6 26.Db3-b7 Sd7-b8 27.Le3-a7 Tf7-f8 28.La7xb8 Td8xb8 29.Db7xa6 Tb8-b2 30.Da6-c4+ Kg8-h8 31.Td1-f1 Tf8-d8 32.Dc4-f7 Tb2-d233.Tc1-c3 Td8-a8 34.Df7xc7 Mit diesem Zug stellt der Domi das materielle Gleichgewicht wieder her, doch nun mu auch er um seinen König zittern! ... h5-h4 35.Dc7-b7 Ta8-f8 36.Db7-b4 Tf8-d8 37.d3-d4 Df3-d5 38.d4xe5 h4-h3 39.f2-f3 Td2-g2 40.Kg1-h1 Dd5-a2 41.Db4-f8 Td8xf8 mit Mattankündigung! 42.Tc3-c2 Da2xc2 43.a3-a4 Tg2xh2 44.Kh1-g1 Dc2-g2 Matt 0-1 Jawoll, damit hat er ein 3-3 erreicht, wenn man die zwei unter erschwerten Bedingungen, weil von Programmfehlern beeinflußten, Partien mitzählt. Glücklicherweise mußte der Travelmaster in keiner Partie gegen den Domi ins Endspiel, denn für das Endspiel war wohl kein Speicherplatz mehr vorhanden. Außer das der Computer die elementaren Mattführungen bis zu der mit zwei Läufern beherrscht, gibt es in dieser Phase wenig Positives zu vermelden. Vielleicht doch eine Kleinigkeit: Als erstes Morsch-Programm in einem Schachcomputer beherrscht der Travelmaster SÄMTLICHE Unterverwandlungen. Franz, nur weiter so! Um nun aber entgültig heraus zu bekommen, wie stark der Kleine denn nun wirklich ist, stellte ich ihm einen weiteren Kleinen gegenüber,der aber kein echtes Reisegerät ist, da seine Batteriekapazität zu gering ist. Der MM V von Hegener und Glaser. Dieser ließ auch gar keinen Zweifel daran, wer Chef im Ring ist, so daß ich von weiteren Quälereien meines kleinen Freundes in Form eines längeren Wettkampfes absah. Travelmaster - Mephisto MM V Lv B5,Sel. an, Turnier-Bibi - Level 6 1.d2-d4 Sg8-f6 2.c2-c4 e7-e6 3.Sb1-c3 Lf8-b4 4.e2-e3 0-0 5.Lf1-d3 d7-d5 6.Sg1-f3 c7-c5 7.0-0 Sb8-c6 8.a2-a3 Lb4xc3 9.b2xc3 d5xc4 10.Ld3xc4 Dd8-c7 11.d4xc5 Sc6-a5 12.Lc4-d3 e6-e5 13.Dd1-c2 Tf8-d8 14.Ta1-b1 Er ignoriert einfach die Drohung des MMV! Td8xd3 15.Dc2xd3 e5-e4 16.Dd3-d6 Dc7xd6 17.c5xd6 e4xf3 18.g2xf3 Lc8-d7 19.Tf1-d1 b7-b5 20.e3-e4 Sa5-c4 21.Lc1-g5 Sc4xa3 22.Tb1-a1 Sa3-c4 23.Lg5xf6 g7xf6 24.Ta1-a6 f6-f5 25.Kg1-g2 f7-f6 26.h2-h3 Kg8-f7 27.Td1-a1 Kf7-e6 28.e4xf5 Ke6-e5 29.Ta1-e1 Ke5-d5 30.Kg2-g3 Sc4-e5 31.Te1-d1 Kd5-c4 32.f3-f4 Se5-d3 33.Kg3-f3 Ld7xf5 34.d6-d7 Lf5xd7 35.Td1xd3 Gleiches Motiv, gleiches Feld, doch die Vorzeichen haben sich geändert! Schade eigentlich Kc4xd3 36.Ta6-d6 Kd3xc3 37.Td6xd7 a7-a5 38.Td7xh7 a5-a4 39.Th7-c7 Kc3-b2 40.Tc7-b7 Ta8-a5 41.Tb7-e7 b5-b4 42.Te7-e2 Kb2-a1 43.Te2-e1 Ka1-a2 44.Te1-e2 Ka2-a3 45.h3-h4 b4-b3 46.Te2-e3 Ka3-a2 47.Te3-e2 b3-b2 48.Te2-e1 b2-b1=D 49.Te1xb1 Ka2xb1 50.Kf3-g4 a4-a3 51.Kg4-g3 a3-a2 0-1 Hier ist vielleicht ein wenig Kritik angebracht: Wenn man im Info-Modus herum blättert, während der Computer gerade rechnet, weigert es sich standhaft, den eben gespielten Zug noch einmal im Display anzuzeigen, eine Stellungsüberprüfung ist angesagt! Desweiteren müssen Züge, die der Travelmaster getätigt hat nicht auf dem Feld quittiert werden, auch hier muß hin und wieder die Stellung kontrolliert werden! Auch zum Aufgeben ist der Kleine sich zu fein! Doch nach so viel herber Kritik durfte der Kleine wieder zeigen, was er kann: Natürlich mußte er auch einige Stellungstests über sich ergehen lassen. Die schon so oft veröffentlichte Stellung Karpow-Chandler wurde in (heutzutage) mäßigen 13'47'' gelöst. Die ebenfalls bekannte Stellung Euwe-Aljechin, die in der CSS 1/87 Stellung: W: Ke1 Dd1 Ta1 Ld3 Sc3 Ba2,b2,c4,d4 h1 g1 e3,f2,g2,g3 S: Kg8 Dd8 Ta8 Lc8 Sb8 Ba7,b7,c6,d5 f8 g7 e7,f6,g6,h7 abgedruckt wurde wurde in ordentlichen 3'02'' ihrer Geheimnisse beraubt. Andere sind hier doch schneller. Am schnellsten ist hier wieder einmal der Vancouver 68020, der kaum anfängt zu rechnen und schon die Lösung hat: In Zahlen 0'01'' oder in Worten "eine Sekunde"!! Diese Beispiele zeigen schon, daß die absoluten Spitzenzeiten von anderen erzielt werden, aber für 240,- DM kann man schon mal etwas länger warten. Nur um die Verhältnisse wieder zurecht zu rücken. Der Milano zum Beispiel braucht in diesen beiden Stellungen 0'58'' und 3'05'', also nicht gleich Buh schreien...! Zu guter Letzt stellt sich also die Frage, kann man den Travelmaster empfehlen oder nicht? Antwort laut Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber... Natürlich ist der Kleine nichts für jemand, der einen perfekten Schachcomputer sucht. Auch Leute, die häufig und länger unterwegs spielen werden sich schwarzärgern über die doch häufigen Prgrammabstürze. Gerade angesichts der Tatsache, da in diesen Wochen der Travel Champion von Saitek auf den Markt kommt, der ersten Tests zufolge wahrscheinlich keine Bugs hat, sollte man sich die Wahl überlegen, aber wer einen Schachcomputer mit Herz und Charakter sucht, der liegt mit dem Travelmaster genau richtig, meint Karsten Bauermeister P.S. : Als Ergänzung zu Karstens Bericht möge das Auftauchen des Fidelity Travel Champions in der schwedischen Elo-Liste der letzten CSS 5/92 dienen: Platz 46. gleich hinter dem Turoking II mit immerhin 1869 schwedischen ELO. |
Von einem der auszog das Gruseln zu lehren! von Thorsten Czub Es mag jetzt elf Jahre her sein. Gerade war die Micro-Computer-WM in Travemünde vorbei. Mein bester Freund und Nachbar hatte sich in einem Kaufhaus einen relativ teuren Schachcomputer gekauft. Wieviel war es ? 798 oder gar 898,- DM ? Ich weiß das nicht mehr. Ich weiß nur das dieser Schachcomputer MK (=Mark) V hieß und aus der Schmiede David Levys kommen sollte. Soviel Geld wie mein Nachbar hatte ich nie. Auch schon damals nicht. Aber das bereitete mir keine Sorgen, gab es doch da diesen neuen deutschen Schachcomputer der nur 698,- DM kostete. Sie werden es ahnen, es war Mephisto II. Oft spielten wir Partien zwischen dem WM-Mark V und meinem Mephi II, und siehe da - der kleine Mephisto II gewann gegen den großen Mark V. Mephisto II hatte eine Mischstrategie. Teils erfassend, teils selektiv. Mark V war ein B-Strategie Programm, d.h. er überprüfte die Varianten die er erzeugte und für gut befand nicht durch vergleichen mit allen anderen Varianten die es sonst noch so gab. Deswegen spielte er des öfteren einmal Fehlzüge. Er hatte ganz einfach etwas übersehen. Für die damalige Zeit wohl sehr menschlich - aber das erwarteten wir damals keinesfalls von den die Korrektheit gepachtet habenden Maschinen. Gegen den Mephisto II hatte der Mark V keine Chance. Oft verlor er Turniermatches mit 9,5 zu 0,5 !! Einige Jahre später brachten Nitsche+Henne, die beiden Starprogrammierer von Mephisto ihren Mephisto III heraus. Mephisto III war ein näherer Verwandter des Mark V's als der eigene Vorgänger, der Mephisto II, rechnete der Mephisto III doch nach wenigen Zügen erfassender Komponente, relativ viele Züge tief, nach stark selektierenden Auswahlskriterien. D.h. wie der Mark V gab er sich Mühe möglichst viele Züge gar nicht erst bewerten zu müssen bzw. dem Suchbaum hinzufügen zu müssen. Der Trick lag daran die immer riesiger werdende Menge Müllzüge / Nullzüge (d.h. ersichtlich unsinniger, zum Stellungsproblem nichts beitragender Züge) gleich zu vergessen und niemehr aufzunehmen. Mephisto III war sehr extrem weil das Programm nur ca. 2-4 Stellungen pro Sekunde berechnete. Unglaublich! Doch der Erfolg war dem Mephisto III nicht so beschieden, wie seine komplexe Strategie versprechen sollte. Andere, einfachere Geräte brachten den Mephisto III , genauso wie damals den Mark V, schnell in den Untergang. Der Kittingersche Super-Constellation mit seiner auf A-Strategie fußenden Berechnungen zeigte die Fahne der Zeit auf. Es kam die Zeit der Brute-Force Generation der Schachcomputer, die dann später von den Mischprogrammen wie Rebell und Lang's Variationen vernichtet wurden. Seit Mark V und Mephisto III hat es keine stark selektiven Programme mehr gegeben, die es geschafft hätten, unter den neuesten Geräten mithalten zu können. Ein für alle mal hatte das Prinzip einer flachen auf Rückwärts-Abschneidungen fußenden Brute-Force-Komponente , überwuchert von einer selektiv funktionierenden Spitzenrechentiefe mit vielen taktischen aber auch vereinzelten strategisch begründeten Vertiefungen über die reinen A, B oder C Programme gesiegt. Die A-Strategie (Rathsmann) kam nicht gegen die Exponentialfunk- tion des Suchbaums an, die B-Strategie (Mark V) machte dauernd Fehler, die C-Strategie (Mephi III, Pionier) auch, war dafür aber zusätzlich noch zu langsam und zu komplex als das die Programmierer schnell Fortschritte machen, und Schachspiel weiter in Begriffe fassen konnten. So leben wir heute in einer Welt in der "all chessprograms equal" sind um mit George Orwells verunglimpften Worten zu sprechen. Sowohl die kleinen als auch die professionellen Großen, also angefangen von Nimzo, Polgar, MMV, Super-Forte C, Gideon, The King, M-Chess, Scorpio, Fritz ... alle benutzen sie eine Kombination aus Alpha-Beta-Suche und nach dieser überprüfenden Stategie die auf Verdacht forschende und unüberprüfbare Selektive Spitze (ich vernachlässige dabei die Besonderheiten von FRITZ um nicht zu sehr zu verwirren und en detail gehen zu müssen). Die Programmierer streiten sich nur noch über die Art und Weise der selektiven Spitze, wieviel vertiefen und wieviel nicht (siehe auch letzte MODUL) , von ihrem Gesamtkonzept aber, der A/B-Strategie wollen sie partout nicht ab. Das hat dazu geführt das alle unsere Schachprogramme bis zu einer Rechentiefe von, na sagen wir 6-8 Halbzügen, sehr wasserdicht Schachspielen, d.h. ohne grobe materielle Fehlzüge zu machen. Aufgaben werden entweder sehr vorzeitig gleich durch die selektive Spitze gefunden, was zu guten Lösezeiten führt, oder, je nach Machart, aber auf jeden Fall irgendwann später, dann durch die überprüfende A-Komponente, die nichts unter den Tisch fallen läßt und mit Akribie selbst die schwachsinnigsten Züge gegeneinander aufwiegt und aus dem Vergleich die Lösung finden muß. Über diesen Horizont hinaus vermag die selektive Spitze noch das ein oder andere mal, geleitet durch grandiose Bewertungsansätze einen strategischen Plan finden (oder auch eine taktische Pointe), sie muß es aber nicht. Und für die Brute-Force Komponente ist die Rechentiefe eh entfernte Weite des Universums. So sieht es 8 Jahre vor der Jahrtausendwende aus. Erfolge werden erzielt durch neue Techniken der geschickten und noch geschickteren Vertiefungen, vor allem durch Hardwaresprünge (wie uns demnächst wieder einer ins Haus steht wenn die CISC durch die RISC Rechner ersetzt werden, d.h. Motorola 680x0 und Intel 80x86 durch ARMx und Alpha und wie sie alle heißen) der Industrie. Künstliche Intelligenz, sogenannte KI-Forschung der Universitäten hat bereits in den 70er Jahren unsere Entwicklung auf dem Schachcomputermarkt vorweg genommen, nämlich das die Zeit der KI-Ansätze der B und C-Strategien für immer vorüber ist. Wir Hobbyisten haben uns längst damit arrangiert und es geht uns genauso wie irgendwelchen Auto-Oldie-Sammlern die mit Tränen in den Augen die Vielfalt von Borgwart und Isetta bewundern und mit Zorn die ewig gleichen und nicht mehr unterscheidbaren Scorpio/Passat/Omega/Audi/Carina anschauen müssen. Die letzteren sind ja auch ganz nett, aber... Vor einigen Jahren wurde ich, noch bevor auch bei mir der PC Einzug ins Wohnzimmer hielt, auf einen neuen Programmierer aus England aufmerksam. Chris Whittington verkaufte da ein Programm namens Chess Player 2150. Und dieses Programm für Atari /Amiga spielte doch sehr merkwürdig. Nicht sehr erfolgreich, aber merkwürdig. Das erinnerte mich doch gänzlich an die alten Mark V und Mephisto III Gründer-Jahre der idealistischen KI-Forschung, vor ihrer Aufgabe (mit der End-Moral nach 40 jahren Forschung: "Schach ist für KI wohl doch noch eine Nummer zu groß !"). Bald darauf folgten weitere Kompilate von Herrn Whittington a la Chess Champion 2175 und Chess Simulator (der eigentlich ein Player 2150 mit anderem Etikett war). Doch - der Champion landete sogar noch hinter dem Player 2150 in unserer schwedischen ELO-Liste und noch in der letzten CSS konnte man die beiden bei 1668 ELO (Champion 2175) und 1699 (Chess Player 2150) wiederfinden. Da beide Niveaus noch unter dem eines Excellence 3Mhz oder Forte A's liegen kann man sich die "Leistungen" der beiden Recken gut vorstellen. So hatte die Welt wohl einen talentierten Schachprogrammierer mehr, aber auch denselben gleich wieder, durch die magere Leistung unhaltbar, in unserer Leistungsgesellschaft, gleich wieder verloren (thats living, that business). Woran lags? Nun: die Hash-Tables beim AMIGA /ATARI- Champion funktionierten (noch) nicht wie sie sollten. Die Wahl für die B-Strategie die der Programmierer selbst ausgesucht hatte zog ihre systemimmanten Fehler nach sich: einzügiges vergeben ganzer Partien durch krasse Fehlzüge, Horizontprobleme. Grobe positionelle Fehleinschätzung, passives Spiel. Nachdem auch die von mir 1990 erstrebte Kommunikation mit Herrn Whittington nicht den gewünschten Dialog fruchtete , gab ich die Idee für verloren, schmollte weiter zwischen meinen normalen Schachcomputern/programmen. Doch Whittington gab derweil nicht auf (was ihm hoch anzurechnen ist). Auch wenn in Deutschland und Österreich Leser vom teuren Whittington-Schrott sprachen und von angeblichen Prügeleien des Herrn auf der Lyon WM berichteten, wenn seine Programme auch förderhin nicht in der schwedischen ELO-Liste stiegen und deren gespielte Partien die Feder des einen oder anderen Kommentators zu Hochleistungen beflügelten (Modul 1/91:"In seinem News Sheet meint Eric Hallsworth, der Chess Champion 2175 (praktisch identisch mit dem Simulator) sei durchaus imstande, ein passables Mittelspiel aufs Brett zu legen, verpatze aber dann meist alles im Endspiel. Unter anderem belegt er das mit der folgenden Partie in der der Simulator gegen den Super Vip vorübergehend in eine Gewinnstellung gerät, die er dann doch nicht ausnützen kann:" !! Aha! Tenor: Simulator gerät gegen 1682 ELO-Gerät vorübergehend in eine Gewinnstellung, kann diese aber nicht aushalten ! Welche Aussage, und dabei noch zitiert!! Sehr klug Herr Mally!! Oder ebenda Herr Mally: " die nächste Version (für Atari, Amiga und Macintosh) soll nicht nur ihre Analysen ausdrucken , sondern auch Partien über MODEM spielen können - zwei Computer könnten also (sofern sie dasselbe Modem-Protokoll haben) telefonisch miteinander verbunden werden und auf diese Art und Weise ganz ohne menschliches Zutun ihre Partien abwickeln! Zweifellos eine innovative Idee, die allerdings ohne eine gleichzeitige radikale Verbesserung des Programms eher dem Versuch gleicht, durch eine luxoriöse Verpackung zu verschleiern, daß der Inhalt bereits das Ablaufdatum überschritten hat.") Mehr oder minder der Zufall , oder Unkenntnis ob des längeren Bestehens des Chess Champion 2175 für PC,war es, die vor einigen Monaten dazu führte, daß die Firma Gambit-Soft den Chess- Champion 2175 irrtümlich als "neues" Programm anpries, ohne so recht zu Wissen, welche Geschichte dieses Programm bereits hatte. Es wurde sogar ein CSS-Artikel von mir mit der "Neuerscheinung" eingeplant, und nach meinem Einwurf dann wieder verschoben. Als ich Herrn Seifritz und die anderen Beteiligten dieses gelungenen Auswahlverfahrens auf den Faux pas hinwies fiel mir ein, daß ich ja auch mittlerweile einen PC mein eigen nannte, und, wenn ich das Programm schon einmal per Post erhalten hätte, doch nun trotz des bekannt enttäuschenden Verhaltens der Atari/Amiga - Version doch nun dasselbe Versagen auf PC wenigstens verifizieren und ein für alle mal abhaken und begraben könnte. Wie so häufig wenn selbst bei mir (durch Enttäuschung in der Vergangenheit) sich (derartige) Chauvinismen einschleichen zeitigt das Murphy-Prinzip (denn es kommt garantiert anders als man es erwarten will) wahre Heilwirkung und Wunder: Mein 486-33er PC auf dem ich schon Zarkov und Fritz die eine und andere Partie dumm gegen viel lahmere Gegner (8-Bit Schachcomputer und nicht zuletzt Mephisto Berlin 68000) verlieren sah und mich fragte: warum überhaupt diese Hardware wenn die Software scheinbar zu blöde ist, im Varianten-Müllberg die Stecknadel zu finden. Dieser 486er PC der also schon mit anderer Software bewiesen hatte daß Hardware und seine enorme Geschwindigkeit allein noch keinen Meister machen, wurde nun gefüttert mit dem "neuen" Whittington Programm Chess Champion 2175 Version 1.01, und ich dachte selbst - naja - bei 1800 wird er sich wohl einfinden. Bald stellte sich heraus das die Version 1.01 noch einige Bugs beinhaltete (der Editor liebte es nicht Bauern zu versetzen und En Passant war verkehrt programmiert), weswegen ich mich an einen Leser (Herrn Schüle aus Leutenbach) wandte der , nach Kommunikation mit Whittington und Hinweis auf mindestens 4 Fehler, eine nur für Ihn gemachte Version 1.04 zugesendet bekam. Bereits hier schien meine Intuition Alarm zu schlagen. War es nur der Neid daß Herrn Schüles Kommunikation fruchtbarer war als meine eigenen Versuche vor 2 Jahren? Lag es daran daß meine ersten Erfahrungen mit dem Champion 2175 besser waren als erwartet ? Herr Schüle aus Leutenbach meinte jedenfalls nicht daß das Programm "so gut spiele". Schließlich hätte er einen 80386-33 eingesetzt und der Champion würde manchmal "so merkwürdig spiel'n" so er, und "selbst gewonnene Partien wieder abgeben". Ich schmunzelte ob dieser Feststellungen, waren sie doch gerade der entscheidende Punkt für mein ganzes Interesse überhaupt. Das in unserer Zeit überhaupt noch ein Programmierer mit der B-Strategie seine Erfolge sucht! Klar daß der Champion nicht das 7- 8 Halbzüge wasserdichte Schach seiner Mitbewerber spielte - wie auch ? Also trat ich erneut an und testete den Champion auf 80486-33 mit 2 MB Hash-Tables aus meinen 4MB-Speicher. Hier meine kuriosen und begeisterten Erfahrungen: Zuallerest probierte ich ob die Hash-Tables wirklich funktionierten (was sie z.B. bei der Atari-Verion gar nicht taten). 2 Stellungen waren es die sich anboten: Beide entnahm ich der CSS 5/91. Auf Seite 24 l.o. eine Leser Teststellung in der es Txc7 zu finden galt. Gleich vorweg, der Champion fand den Schlüsselzug nicht. Dennoch gab er mir wichtige Erkenntnisse: ich stoppte die Zeit bis der Champion in den 15.Halbzug gerechnet hatte. Das waren ohne Hash-Tables 2h58'. Mit Hash-Tables immerhin nur 8'!! Das ist ca. Faktor 22 ! Stellung 2 des damals neu vorgestellten BT-Testes (Seite 39) war Meßlatte 2: Lxb6 wurde ohne Hash-Tables nach 13' gefunden, mit Hash-Tables nach 3'6". Immerhin noch Faktor 4. Die Hash-Tables funktionierten also. Jetzt noch schnell überprüft ob der in Version 1.01 vorhandene En Passant-Fehler in 1.04 ausgeräumt war und man den Äußerungen, alle bei 1.01 gefunden Fehler sind ausgebessert halbwegs Glauben schenken durfte, denn legales Schach mußte das Programm schon spielen, sonst hatte keine Turnierpartie Sinn, oder ? So konnte man im 2 Spieler Modus dem V1.01 noch folgende nette Zugfolge abgewinnen: 1.b4 d6 2.b5 c5 3.bxc (ep) und korrekterweise verschwand auch der Bauer c5 auf dem Spielfeld. Doch dann 3... dxc??? (ep???) und der D-Bauer schlug ins Leere !! Der Champion 1.04 nahm 3...dxc??? natürlich nicht an. Für ihn stand kein Geisterbauer mehr auf c5. Da es wenig Sinn macht ein B-Strategie-Programm mit Stellungen zu quälen, die längst von vielen Mischprogrammen gefunden werden, denn die B-Strategie hat ja ihre Stärken gerade NICHT im Finden von bestimmten Zügen in bereits gewonnenen unausgeglichenen, die Pointe wohl versteckt aber doch auf jeden Fall beinhaltenden Stellungen ,sondern im ERfinden von nicht vorhandenen Lösungen in Balancestellungen, fing ich also gleich mit den Turnierpartien an. Turnierpartien (40 in 120) sollten es schon sein - denn Blitzpartien (so dachte ich mir zuerst naiv) sind nicht gerade die Stärke von B-Programmen, und außerdem sind Blitzgames mir zu stressig. Ich stellte also einen bunten Reigen von Gegnern zusammen der sich folgendermaßen besetzte: Mephisto Milano 1949 ELO Fidelity EAG 2 = Mach III 1998 ELO Novag Diablo 68000 1992 ELO Berlin 68000 = Vanc. 68000 2127 ELO Vancouver 68020 2172 ELO -------- Elo-Gegner-Schnitt 2048 ELO Also eine erlesene Gegnerschar unterschiedlichster Programmierer und Klassen und jeweils gute Meilensteine um Zufällen (z.B. Angstgegner eines Programmierers) vorzubeugen. Die Avantgarde der A/B-Mischprogramme. Könnte ein B-Strategie-Programm, dessen Besitzer und Bediener jeden Zug einer Partie die Befürchtung hegen muß, daß das Programm einen entscheidenen Sachverhalt übersieht, d.h. wegläßt, gegen diese Horde bewährter wasserdichter Misch- programme bei jeweils 10 Turnierpartien überhaupt aushalten ohne sich bei jeder Partie die Haare aus dem Kopf zu raufen und vor Scham ob einer verlorenen Kurz-Patzer-Partie in den Boden zu versinken? Spannung war jedenfalls gegeben. Silke und ich, die wir mittlerweile beide einen PC haben, luden deswegen meinen ehemaligen Nachbarn aus Oggersheim zu einem Ferienaufenthalt bei uns ein. Er sollte oben aufgeführte Schätze mitbringen, wir hätten da so ein neues Programm, "den Nachfolger von Chess Champion 2175 für Atari/Amiga!". Besagter ehemaliger Nachbar, ausgewandert und geläutert, schaute 2 mal in die schwedische Elo-Liste, lachte erstickt, und reiste dann mit dem Zug, (sein Auto hatte er mal für einen Schachcomputer verkauft) ins Silke und mir heimatliche Lünen. Seine hämischen Bemerkungen, die er mit Zitaten aus diversen (dem deutschsprachi- gen Raum angehörigen) Zeitschriften spickte, will ich hier nicht erwähnen. Jedenfalls lockte ihn kostenlose Kost und Logis sowie der potentielle Endsieg und die ultimative Revange für all die vergebenen Jahre, und - was man nicht unterschätzen sollte, Silkes feistes weibliches Mondgesicht, denn er sollte auch halbe Zeit bei Silke nächtigen. Zuerst war es der Mephisto Milano, dem er, eine ELO-Zahl Herrn Weigels zitierend (!) noch mindestens hypothetische ELO 2000 postulierte, wenn auch die real existierende marktwirtschaftliche Zahl bei "etwas weniger" lag. -------------------------MILANO------------------------ "Eigentlich sollte schon der Milano alles klar machen!" prustete er. Silke und ich gaben uns gelassen. Ich kochte Tee, während er schon mit Silke die Eröffnungsphase der 1. Partie abspulte. Nach einer heißen Partie gewann der Champion im Endspiel mit 2 verbundenen Freibauern. "Zufall", so mein alter Nachbar. In der 2.Partie konnte der Milano, nachdem er einen Läufer so weggestellt hatte, daß er ihn nicht mehr halten konnte, einen Königsangriff spüren und war schon nach 29 Zügen am Ende. 2:0 für den Champ. 2.Turnierpartie Milano : Champion 2175 1.c4 Sf6 2.Sf3 e6 3.d4 Sc6 4.Sc3 Lb4 5.Ld2 d5 6.e3 (Noch steht Weiß ja besser.) 6... Lxc3 7.Lxc3 Se4 8.Ld3 Sxc3 9.bxc3 0-0 10.Dc2 g6 11.0-0 b6 12.e4 dxe4 13.Lxe4 Lb7 (Der weiße Vorteil ist etwas geschwunden. ) 14.Se5 Sxe5 15.Lxb7 Tb8 16.La6 Sg4 17.Tae1 Dd6 18.f4 (Jetzt hat Schwarz das Zepter in der Hand.) 18... Tfd8 19.De2 h5 20.h3 Sh6 21.Dd2 c5 22.Te4 Sf5 23.Td1 cxd4 24.cxd4 Da3 25.Lb5 a6 26.Lc6 Tbc8 27.Lb7 Tc7 28.g4 hxg4 29.hxg4 Dg3+ Und Weiß hat keine Chance mehr. Nach fünf Partien hatte sich der Milano wieder gefangen und es stand 2,5 : 2,5. Nach 10 Partien konnte der Champion mit 7:3 in Führung gehen. ---------------------ELITE 2------------------- Nun mußte der Elite 2 = Mach III in die Eisen steigen und zeigen, daß er ein starker Taktiker ist. Bislang hatte der Champion sich ja keine Blöße gegeben. Das ganze Unternehmen war ein Fiasko. In so gut wie jeder Partie ging der Mach III-Verschnitt mit wehenden Haaren unter. Ich erspare Auszüge. Sie können sowieso bei Interesse alle Partien im Champion-Partien-Format bei der Redaktion anfordern. Der Elite hatte wohl zuwenig Ahnung von Positionsverständnis. Nach 10 Partien konnte der Champion mit 8:2 siegen. ------------------SCORPIO 68000----------------- Nun - mein Nachbar ahnte vielleicht schon was da noch alles auf ihn zukommen sollte. Diese Nacht schlief er ganz unruhig und soll an Dave Kittinger gebetet haben, daß wenigstens dessen neues Gerät nicht so untergehe. Silke meinte nur, wir sollten schon einmal damit rechnen, daß mein Nachbar, wie so häufig, irgendwann seine Kontrolle verliert. Naja. Gleich die 1.Partie barg große Überraschungen: 1.Turnierpartie Champion 2175 : Scorpio 68000 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 e6 7.f4 Le7 8.Df3 Dc7 9.0-0-0 Sbd7 10.g4 b5 11.Lxf6 Sxf6 12.g5 Sd7 13.a3 Tb8 14.h4 b4 15.axb4 Txb4 16.Lh3 Db6 DIAGRAMM Nachdem beide Geräte nun diese 16 Züge Theorie gespielt haben ist es am Champion verwirrende aber geniale Züge zu spielen. 17.Sf5! (auf exf ? kommt natürlich Sd5, so aber...) 17... Lf8 18.b3 exf5 19.Sd5 Dc5 20.Sxb4 Dxb4 21.exf5 (Na - man muß sich jetzt schon zünftig dem schw. König widmen.) 21... Lb7 22.The1+! DIAGRAMM Le7 23.De3 23...d5? Dieser Zug geht ins Auge denn er erlaubt dem Weißen den wichtigen schwarzen Läufer b7 zu fesseln und letztlich auszuschalten womit alles zusammenbricht. 24.Lg2 Da3+ 25.Kb1 a5 aha?! 26.Lxd5 Lxd5 27.Txd5 a4 28.Ta5 0-0 29.Txa4 und der Scorpio kann aufgeben. In der 5.Partie strickt der Champ geschickt ein Mattnetz um den schwarzen König. 5.Turnierpartie Champion 2175 : Scorpio 68000 1.e4 e5 2.f4 Sf6 3.fxe5 Sxe4 4.Sf3 d5 5.d3 Sc5 6.d4 Se4 7.Sbd2 c5 (Weiß steht besser.) 8.Lb5+ Ld7 9.Lxd7+ Dxd7 10.c3 Sc6 11.De2 Dg4 12.0-0 cxd4 13.cxd4 0-0-0 14.Sb3 f6 15.Le3 fxe5 16.dxe5 Sxe5 (Jeder versucht sein Glück auf seinem Flügel, der Weiße hat mehr Atem.) 17.Dc2+ Sc4 18.Se5 De6 19.Sxc4! dxc 4 20.Sd4 (Schwarz kann nur noch zuschauen wie er untergeht.) 20... Dg6 21.Dxc4+ Kb8 22.Sb5 Ld6 23.Lxa7+ Ka8 24.Da4 h6 25.Tac1 Lxh2+ 26.Kxh2 Auch die 6.Partie war für den Scorpio ein Fiasko. 6.Turnierpartie Scorpio 68000 : Champion 2175 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Lc5 5.c3 Dh4 (Sehr mutig.) 6.Dd3? (Besser wäre Le3 gewesen.) 6... Sf6 7.Sd2 0-0 8.g3 Dh5 9.Sxc6 dxc6 10.b4 Le7 11.Dc2 Lg4 12.Lg2 (Während Schwarz längst Ruhe hat, kämpft Weiß immer noch um Schutz am Königsflügel) 12... Lh3 13.0-0? DIAGRAMM Ein bißchen zuviel des Guten! Weiß hat seinen Bogen überspannt.) 13... Lxg2 14.Kxg2 De2!! sehr gut. (Schwarz läßt nicht locker.) 15.Kh1 a5 16.Dd1 Dxd1 17.Txd1 axb4 18.Lb2 DIAGRAMM (4 gegen 2 Bauern, das müßte ja wohl zu schaffen sein, oder.) 18... Sg4 19.Tf1 Tfd8 20.Sc4 b5 21.f3 Sxh2 22.Kxh2 bxc4 23.Tf2 Lf6 24.Tc2 b3 25.axb3 Txa1 26.Lxa1 cxb3 und keine Chance für Weiß. Nach 10 Partien stand es gegen den Scorpio 68000 7:3 für den Champ. Mein Nachbar war gar nicht mehr zu beruhigen. Silke weigerte sich ihn bei sich aufzunehmen. "Der soll mal schön bei dir bleiben!" So mußte ich mir das antun. Seine letzte Rettung, so meinte er, wären seine 2 Vancouvers, die WM von gestern auf die man sich verlassen konnte. ---------------------------Berlin 68000--------------------- Silke und ich waren nach den Partien und den bisherigen Ergebnis- sen eigentlich schon zufrieden. Jetzt konnte nur noch der Vancouver, d.h. Richard Lang den Champ aufhalten, oder ? Übrigens: Der Berlin 68000 ist, wie wir berichteten ein Vancouver 68000. Er ist nicht 2x langsamer als ein Vancouver 68000 (ganz helle Köpfe haben meinen Artikel scheinbar sogar gelesen!) sondern, genau wie letzterer, natürlich 2x langsamer als ein Vancouver 68020, ein kleiner Unterlassungsfehler beim Eintippen der bei einigen Lesern zu Proteststürmen führte. Aber nun der Berlin: 8.Turnierpartie Champion 2175 : Berlin 68000 Der Champ übersieht ein positionelles Qualitätsopfer des Vancouvers. Mal ehrlich, hätten Sie es gesehen ? 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.c3 Sf6 4.Ld3 Lg4 5.Lb5+ Sc6 6.d3 a6 7.Lxc6+ bxc6 8.0-0 e5 9.Sbd2 Le7 10.Sc4 0-0 11.b3 Tb8 12.Te1 h6 13.Le3 Lh5 14.Tb1 Dc7 15.Ld2 Sh7! (Ein guter Zug, bereitet der doch den Sieg versprechenden Plan ein.) 16.De2 f5! 17.Se3 fxe4 18.dxe4 Sg5 19.Sf5 Sxf3+ 20.gxf3 Tb6 21.c4 Dd7 22.La5 Tbb8 23.Tbd1? (Besser wäre Dxd3 gewesen, aber der Champ hat wohl nicht mit dem nächsten Zug gerechnet) 23... Txf5! 24.exf5 Dxf5 25.Td3 Tf8 26.Kg2 d5 (!! sehr gut.) 27.cxd5 cxd5 28.Kh1 Ld6 29.Tg1 und nichts geht mehr. Nach 10 Turnierpartien stand es nur knapp 5,5 : 4,5 für den Berlin. Mein Nachbar atmete tief aus. "Na!", sagte er, "da hat sich wenigstens DIE Anschaffung gelohnt." Silke und ich fragten uns, ob da nicht ein Zittern in seiner Stimme lag, denn so knapp wie das Ergebnis war... -------------------------Vancouver 68020------------------------- Am spannendsten war ( wegen der zu erwartenden Distanzierung des Champions , nach den letzten Schwierigkeiten mit dem kleinen Bruder, dem Berlin) die Begegnung mit dem Vancouver 68020. Allein 7 ganze Partien wurden REMIS !!! Lediglich oder immerhin 3 Partien konnte der Vancouver für sich verbuchen. So stand es nach 10 Turnierpartien 6,5 : 3,5 für den Vancouver 68020. 50 Turnierpartien waren geleistet und Silke und ich waren noch immer hochmotiviert. Schließlich hatte unser Programm sehr gut abgeschnitten, bedenkt man seine Herkunft (siehe schwed. ELO- Liste die Einschätzung des Champion 2175 ATARI/AMIGA) und seine Strategie, gar nicht erst alle Züge durchzurechnen, sondern nur die "Interessanten" . --------------------------------------------------------------- Hier eine Gesamtübersicht der geleisteten Partiearbeit: Champion 2175 V.1.04 auf 486-33 256KByte Cache: 1) gegen MEPHISTO MILANO: MIL 1cch_mil französich 48 1:0 0 : 1 2mil_cch englisch 29 0:1 0 : 2 3cch_mil slawisch 73 0:1 1 : 2 4mil_cch ? 60 1/2 1,5:2,5 5cch_mil russisch 53 0:1 2,5 6mil_cch budapester-gam. 41 0:1 2,5:3,5 7cch_mil französisch 36 1/2 3 : 4 8mil_cch französisch 42 0:1 3 : 5 9cch_mil caro-kann 80 1:0 3 : 6 Amil_cch philidor 66 0:1 3 : 7 ------- champion 6+ 2- 2= 2) gegen FIDELITY ELITE 2 (=MACH III) EL2 1el2_cch caro kann 48 1:0 1 : 0 2cch_el2 slawisch 58 1:0 1 3el2_cch e3 42 0:1 1 : 2 4cch_el2 damenb. 59 1:0 1 : 3 5el2_cch wiener partie 66 1/2 1,5:3,5 6cch_el2 sizilianisch 38 1:0 1,5:4,5 7el2_cch reti 37 0:1 1,5:5,5 8cch_el2 sizilianisch 43 1:0 1,5:6,5 9el2_cch 4 springersp 28 0:1 1,5:7,5 Acch_el2 englisch 74 1/2 2 : 8 ------- champion 7+ 1- 2= 3) gegen NOVAG SCORPIO 68000: SCO 1cch_sco sizilianisch 29 1:0 0 : 1 2sco_cch spanisch 78 1/2 0,5:1,5 3cch_sco grobs angriff 22 0:1 1,5 4sco_cch französisch 56 1/2 2 5cch_sco königsgambit 26 1:0 2 : 3 6sco_cch schottisch 26 0:1 2 : 4 7cch_sco ang.damengamb. 35 0:1 3 : 4 8sco_cch sizil.alapin 20 0:1 3 : 5 9cch_sco ? 48 1:0 3 : 6 Asco_cch englisch 66 0:1 3 : 7 ------- champion 6+ 2- 2= 4) gegen MEPHISTO BERLIN 68000 (= Vancouver 68000): BER 1ber_cch reti 62 1:0 1 : 0 2cch_ber katalanisch 38 1/2 1,5:0,5 3ber_cch sizilianisch 66 1/2 2 : 1 4cch_ber wiener-partie 63 1:0 2 5ber_cch philidor 60 0:1 2 : 3 6cch_ber englisch 36 1/2 2,5:3,5 7ber_cch aljechin? 40 1:0 3,5 8cch_ber sizilianisch 28 0:1 4,5:3,5 9ber_cch damenindisch 64 1/2 5 : 4 Acch_ber pirc 51 1/2 5,5:4,5 ------- champion 2+ 3- 5= 5) gegen MEPHISTO VANCOUVER 68020: VAN 1cch_van englisch 51 1/2 1/2:1/2 2van_cch französisch 40 1/2 1 : 1 3cch_van ang. Dameng. 42 1/2 1,5:1,5 4van_cch reti 55 1/2 2 : 2 5cch_van 65 0:1 3 : 2 6van_cch ? 30 1:0 4 : 2 7cch_van f3 !!??!! 27 0:1 5 : 2 8van_cch italienisch 13 1/2 5,5:2,5 9cch_van königsgambit 32 1/2 6 : 3 Avan_cch 2 springersp. 40 1/2 6,5:3,5 ------- champion 3- 7= Nach 50 Turnierpartien und vielen Stunden Arbeit, die jedoch Spaß gemacht haben weil der Champion gut und intelligent Schach gespielt hat, steht es für den Champion 2175 30 : 20 bei 21+/11-/18= !!! In Kürze werden Silke und ich neue Partien zwischen dem Champ und 486er M-Chess, Fritz, Zarkov 2.6, Sargon 5 und letztlich Megathon, The King und Gideon vornehmen. Es wird dort sicherlich einige Skalpe zu holen geben und etliche schnelle Taktik-Monster werden bluten müssen, durch des Champs machtvoll geführtem Zauberschwert, nur die "wichtigen", die "Interessanten" Züge durchzurechnen, und die anderen ganz wegzulassen. Warten Sie es ab. ---------------------------------------------------------------- Nach diesem Show-down hatte mein alter Nachbar, trotz der letzten 20 relativ glimpflich verlaufenen Partien seiner beiden Lang- Geräte schlechte Laune. Wir gaben dann noch den Bednorz-Tönnissen-Test ein und siehe da, auch hier schnitt der Champion für ein B-Strategie Programm unglaublich gut ab, aber schauen sie selbst: Nr Min Sek 1 15 2 3 4 3 3 21 4 15 5 15 6 31 7 10 8 4 38 9 1 48 10 15 11 15 12 15 13 15 14 3 37 15 0 16 50 17 6 18 24 19 15 20 15 21 59 22 2 50 23 24 24 15 25 15 26 50 27 15 28 4 29 8 30 15 17 gelöste Aufgaben, 218,73 Minuten = 2012,54 BT-ELO, das ist laut Liste aus CSS 6/91 S.33 Platz 19 direkt vor MMV 16Mhz und noch vor Porto 32 und damit gutes Mittelfeld. Was wollten wir mehr? Im weiteren sei erwähnt das der Champion durch seine B-Strategie ein sehr guter Blitzspieler ist, will sagen, daß er sich auf meinem 486er bei Rechenzeiten zwischen 15"-30" sehr gut selbst gegen die stärksten Geräte zeigte. Woran das liegt ist auch klar. In dieser kurzen Zeit kommt der Champ sehr tief (im Vergleich zur A/B-Mischkonkurrenz) und hat schon denselben Schachverstand wie bei 3' Rechenzeit, aber die Konkurrenz nicht. Die Leistungskurve vom Champ ist nicht so steil wie bei den A/B-Programmen, sie ist mehr flach, dafür aber linear. Sie kennt vor allem nicht so sehr den Effekt, mit zunehmender Rechentiefe immer flacher zu werden. Während die A/B Programme wegen der wenigen Brute-Force- Rechentiefe noch keine klaren Erkenntnisse gewonnen haben, scheint der Champ da ganz gut zu sein. Hier 1 Blitzbeispiel gegen den von IGM John Nunn wegen seines Blitzspiels so hochgelobten The King 1.0: Ich erspare mir Kommentare, die Partie ist eindeutig: 1.Blitzpartie, 15" pro Zug bei beiden Champion 2175 RISC The King 1.0 1. d2-d4 d7-d5 2. c2-c4 Sb8-c6 3. Sb1-c3 d5xc4 4. Sg1-f3 Sg8-f6 5. d4-d5 Sc6-b8 6. e2-e4 e7-e6 7. Lf1xc4 e6xd5 8. e4xd5 Lc8-f5 9. O-O Sb8-d7 10. Lc1-f4 Lf8-e7 11. Sc3-b5 Ta8-c8 12. Sb5xa7 Tc8-b8 13. Sa7-b5 Tb8-c8 14. Ta1-c1 Sf6-e4 Hier konnte man bereits Wetten abschließem ob The King jemals die Rochade schaffen würde. 15. d5-d6 Se4xd6 16. Lf4xd6 c7xd6 17. Sb5xd6+ Le7xd6 18. Dd1xd6 Tc8-c6 19. Dd6-b4 Dd8-b6 20. Lc4-b5 Ke8-d8 21. Sf3-g5 Lf5-g6 22. Db4-a4 Tc6xc1 23. Tf1xc1 Sd7-b8 24. Da4-c4 Sb8-c6 25. Dc4-d5+ Kd8-c7 26. Sg5xf7 Lg6xf7 27. Dd5xf7+ Kc7-b8 28. Df7xg7 und Silke, deren The King es war, hatte keine Lust mehr. 1:0 --------------------------------------------------------------- Interview: Wie schafft der Champion 2175 überhaupt so gut zu spielen wenn er keinen Brute-Force-Sockel hat? Wie vermeidet er häufiges "Übersehen" von gegnerischen Drohungen? Das sind Fragen die uns am häufigsten beim Zuschauen seiner Partien in den Sinn kamen: Chris Whittington meinte darauf nur lapidar: Mein Programm weiß einfach eine Menge über Schach. Früher hat es, ohne dieses implantierte Wissen immer gegen die Konkurrenzprogramme verloren. Da das Programm interessante von uninteressanten Zügen selektiert, war einzusehen daß die Kriterien für "Interessante Züge" wohl noch nicht umfassend genug waren. Daher bemühte ich mich noch mehr Wissen einzubauen. Und plötzlich spielte es sehr viel besser. SCW: Das erinnert sehr an die plötzlichen Erfolge Richard Langs. Verwenden Sie eventuell auch eine Asymmetrische Suchbaumselektierung wie Lang ? Whittington: Nein, mein Programm selektiert beide Rechentiefen gleich stark. SCW: Wieviel Äste werden abgeschnitten ? Whittington: Soviel wie möglich. Nein im Ernst, das ist generell natürlich sehr schwer zu sagen, man kann aber sagen, im Mittel schneide ich mit meinen Vorwärts-Abschneidungen genausoviele Äste ab, wie die Konkurrenz mit ihren Standard-Apha-Beta Algorithmen rückwärts abschneidet. SCW: Nur mit dem Unterschied das sie überhaupt nicht garantieren können, daß innerhalb Ihrer Berechnungen einer bestimmten Halb- zug-Tiefe auch alle relevanten Züge mit dem Unterscheidungskriterium "Interessant" verfolgt worden sind. Was machen Sie eigentlich wenn ihr Programm wegen eines typischen B-Strategie-Abschneidungsfehlers einen plumpen Horizontfehler begeht und eine Figur einstellt oder eine gut gespielte Partie wieder abgibt ? Whittington: Mehr Wissen über diese kritische Stellung einpro- grammieren! SCW: Warum spielt ihr Programm so menschlich und warum plant es richtige Manöver, räumt Figuren aus dem Weg und iast so gut im Lavieren ? Whittington: Die Stärke meines Programms ist zum großen Teil darin begründet, das es an jeder Stelle des Suchbaums mit seinem gesamten Wissen aufwarten kann. Dabei erkennt es die meisten kniffligen Situationen und Wendepunkte, die andere typische A/B- Mischprogramme erst errechnen müssen, gleich statisch über seine Bewertungsfunktion, d.h. ohne die Gewinnzüge erst ausführen zu müssen und dann durch hohe Bewertung der Endstellung zum Ergebnis zu kommen: aha - die vorhergehende Variante war gut! Daher sieht mein Programm Angriffsmarken und Drohungen der Gegner viel eher und kann seine Figuren so lavieren, daß die Motive der Gegner ins Leere laufen bevor diese das selbst in ihrem Horizont verstanden haben. Mein Programm spielt daher meistens so, als ob es außerhalb des Horizontes der Gegner laviert. Selbst wenn es da nicht immer die besten Züge findet, gelingt es den Gegnern deswegen nie meinem Programm wirklich ernsthaft gefährlich zu werden. SCW: Das stimmt. Oft hatte man den Eindruck, nicht der Gegner, sondern der Champion selber besiegelt sein Schicksal, einfach indem er einen Sachverhalt wegselektiert oder nicht. Soweit mir bekannt ist, hat man an den Universitäten längst aufgegeben Schachprogramme nach Ihrer Methode zu programmieren. Damals , in den 70ern erkannte man, daß es viel zu schwierig sei, hochkomplizierte Sachverhalte aus dem Schach in Bewertungsalgorithmen zu fassen. Deswegen haben dann in den Mitte-80ern auch alle Schachcomputer aufgehört so zu rechnen und in den 90ern haben wir eigentlich einen Chor von gleichfunktionierenden Programmen. Glauben Sie trotzdem mit Ihrer Methode sich für die Zukunft weitere Chancen gegen eine Gegnerschaft wie The King, Gideon, Vancouver, Spracklan und Kittinger, Morsch und Marty Hirsch bewahren zu können, schließlich haben diese Programme nie das Problem, innerhalb ihres Brute-Force-Sockels ernsthafte taktische und grobe positionelle Fehler zu begehen? Whittington: Vielleicht haben die Programmierer an den Universitäten zu wenig Schachverstand gehabt um effizient und korrekt Schachwissen in ihre Programmer einzubauen. Und vielleicht werden meine Programmiererkollegen immer mehr Schwierigkeiten haben gegen die Exponentialfunktion der Variantenexplosion in ihrem Brute-Force-Sockel anzukommen. Es scheint mir auch so, daß deren Selektive Komponente im wesentlichen zum Aufspüren taktischer Kombinationen und Motive zu taugen scheint, als für strategische Momente und langfristige Pläne. Wir werden sehen wer zuerst am Ende ist. SCW: Zuerst am Drücker war ja ihre Konkurrenz. Sie haben lange gebraucht um ihr Programm auf dieses Niveau zu bringen. Whittington: Sicherlich, aber es ist eben immer schwerer und langfristiger etwas elegant und intelligent zu lösen als mit roher Gewalt und Blindheit geschlagen sehr kurzfristig. Aber meine Methode ist auf Dauer eben erfolgreicher, vor allem wenn es mir bald gelingt große strategische Begriffe in Schachalgorithmen dingfest zu machen. Das ebnet den Aufstieg in eine ganz neue Klasse Schachprogramme. Dieses Nachfolge-Programm wird ganz neues Schach außerhalb der Grenzen jedes normalen A/B-Schachs spielen und vielleicht so manchen Taktikkiller an der Nase herumführen und im aufzeigen das er nie Schach sondern nur "Jägerzaunschach", d.h. Schach innerhalb kurzer Denktiefen, und damit sehr oberflächliches Schach spielte. SCW: Das wäre sehr schön und sicherlich würden sie damit den Beifall Michail Botwinniks ernten, der ja mit ähnlichen KI- Aufgaben seit Jahrzehnten an seinem PIONIER herumbastelt und stets von denen ausgelacht wurde die er mit seinem Programm eigentlich beschämen wollte, den Brute-Force-Geräten. Whittington: Botwinnik scheint doch noch extremere Methoden zu benutzen als ich. Jedoch wer weiß - wenn er einmal fertig ist - vielleicht wird sein Programm dann sogar meines schlagen. SCW: Wissen Sie eigentlich wieviel Sprengstoff sie in die bereits fade zu werdende Diskussion um grundlegende Fragen der Suchalgorithmen werfen? Whittington: Nein ! Ich dachte immer alle Programme rechneten so wie meines (und lacht!). Habe ich da was übersehen ? SCW: Wie haben Sie es geschafft in der schwedischen ELO-Liste bei 1600 ELO Ihr Dasein zu fristen und bei der Lyon-WM eine Prügelei untergeschoben bekommen zu haben, von vielen nicht ernst genommen zu werden und trotzdem nicht aufzugeben und gar ihre Stategie zu ändern. Arbeiten Sie überhaupt noch an Ihrem Programm ? Whittington: Ehrlich gesagt habe ich nie an meinen Ideen gezweifelt. Es war mir klar daß ich Recht behalten würde. Im übrigen arbeiten wir zu dritt an dem Programm ! Und die Unkenntnis von Leuten die keine Ahnung haben und sich sehr negativ über mein Programm äußern verstehe ich nicht, und wenn, dann messe ich dem keine große Bedeutung bei. Wie kann man von einem Solar-Auto verlangen daß es wie ein Benzin-Auto 220 Km/h fährt ? Das wäre doch für solch ein Solar-Auto ein Bruch gegen die Definition und die gesteckte Aufgabe. Wie kann man von meinem Programm verlangen, daß es jede taktische Aufgabe findet die einige ihm eingeben? Die Stärken meines Programms liegen klar im Turnierspiel. Kein Fisch sollte auf dem Trockenen nach seinen Überlebenschancen beurteilt werden, oder? SCW: Wissen Sie eigentlich wie genial sie sind ? Whittington: Bis sie es mir gesagt haben wußte ich es nicht. Danke dafür. SCW: Wir danken für das Gespräch! ------------------------------------------------------------- 1. Fazit: Der Chess Champion braucht sich nicht mehr in der schwedischen Elo-Liste verstecken. Auf einem PC > 286er (sonst funktionieren die Hash-Tables nicht) schätze ich ihn mit ELO 1950 ein. Bei mehr Hardware oder Mhz umso mehr Leistung. ---------------------------------------------------------------- (Gegen andere Computer tritt ein merkwürdiger Effekt auf, der auch für dieses Programm spezifisch ist: Selbst auf einem 386-33 mit Hash sieht der Champ bei weitem nicht so gut aus wie auf einem 486er gleicher Konfiguration. Warum ? Der Faktor 2 Rechenunterschied zwischen den Geräten bewirkt, daß ein 386-33 quasi nur so viel auf Turnierstufe rechnet, wie ein 486er in 1,5 Minuten !! Da das Whittington B-Strategie Programm aber keine durch exponentielle Suchbaumbremse erfährt wie die anderen A/B-Mischprogramme, passiert zwischen den 1,5 Minuten und 3' Rechenzeit noch ein Durchmarsch vom (manchmal) 7.Hz in den 9.Hz. (und in Spitzen noch tiefer!). Das ist aber gerade der Hz. in den die A/B Programme mit Ihrem Sockel nicht kommen. Die bewegen sich im Intervall 1,5 Minuten und 3' meistens gar nicht mehr aus dem jeweiligen Halbzug heraus, sondern rechnen nur darin herum, bis zum Ende. Will sagen: Zwischen A/B und B-Strategie-Programmen liegen im Intervall 1,5 Minuten und 3' unterschiedliche Rechenerfolge in der Tiefe! B-Strategie kommt in derselben Zeit tiefer. Das führt dazu das im Vergleich zu den A/B und B-Programmen der Champ von der Verdopplung 386er zu 486er mehr profitiert als seine Verwandten. Leser haben mir einige böse Partien gegen andere Computerprogramme zugeschickt die im wesentlichen darin begründet sind, daß der Champ auf Turnierstufe meist nur im 7.Hz rechnete, während mein Gerät im 9.Hz. probierte. Im 7.Hz. ist der Champ dann gegen deren taktische Verwicklungen besonders empfindlich und wirkt sehr kurzsichtig. Also besser 486er !!! ) ----------------------------------------------------------------- Auf der von mir verwendeten Maschine dürfte seine Leistung so um die 2100 ELO-Punkte liegen. Das ganze ist jedoch nicht so einfach einzuteilen wie z.B. die Spielstärke des Mach III oder des Dallas. Das liegt in der Suchstrategie des Programms begründet. So groß die Bandbreite von guten und schlechten Partien beim Champion ist, so groß ist auch die Schwankung der Spielstärke. Ich glaube es ist verständlich das ein Schachprogramm je schwieriger in der Spielstärke einzuschätzen ist, je selektiver es ist. Und dieses Programm ohne Brute-Force Ansatz ist natürlich am allerschwersten zu beurteilen. Die 50 gespielten Turnierpartien sprechen jedoch eine deutliche Sprache. Wer will kann alle Partien bei mir auf Diskette im Champion 2175 Partie-Format erhalten und sich selbst von der Eindeutigkeit überzeugen. B E Z U G S Q U E L L E: Auch das Programm ist in der von mir getesteten V.1.04 in der SCHACHCOMPUTERWELT und bei Gambit-Soft zu beziehen. Jeder 1.01 Besitzer kann gegen Unkostenbeitrag (ähnlich wie bei M-Chess) und Einsendung der Original-1.01 Disketten die neue Version erhalten. Weitere Updates sind geplant und in laufender Arbeit. Im BT-Test kommt die neueste Champion Version bald an M-Chess' 2100 BT-Punkte heran. Ich bin sicher die Schweden werden bald auch eine Champion 2175 PC-Version in Ihren Test aufnehmen, und wie ich die Schweden kenne haben die wieder ganz andere Ergebnisse als ich hier in Lünen. Naja - die Erdstrahlen und Silkes gutes Essen sind wohl dafür verantwortlich. Ich schätze den Champion 2175 auf meiner verwendeten Maschine stärker als Fritz I und Zarkov 2.5 auf gleichartigem Gerät. Vielleicht ist seine 2175-Zahl doch näher an seiner tatsächlichen ELO-Zahl als manche wahrhaben wollten. Dennoch sei gewarnt: Der Champ kann auch gegen viel stärkere Gegner begeistern und gegen viel schwächere Gegner bitter enttäuschen. Das liegt in der Natur der Suchstrategie und auch meine guten Wünsche können daran nichts ändern, höchstens vielleicht Chris Whittingtons Wissens-Transfusion. Geplant ist , für die weitere Zukunft, ein Gegenüberstellen von Champion 2175 gegen The King, M-Chess auf 486 und Gideon. Was wohl dabei herauskommt ? ------------------------------------------------------------- Eine Sache sei noch erwähnt: Mein Nachbar hat nach den 50 Partien erst mal nichts gesagt, ging dann zu seinen 4 Suitcases und holte, man glaubt es kaum, einen Lyon 68030 mit 60Mhz und 8MByte Hash-Tables heraus. Das hat wohl so an seinen Nerven gezerrt, daß er es wissen wollte. Um die Sache für uns kompliziert und gemein zu machen, hat er sich auch noch gerade eine Blitzpartie, Partie in 30' , als Austragungsmodus ausgedacht, wo man doch weiß, daß der Vancouver, der große Bruder des Lyon 68030 gerade beim Mephisto-Grand-Prix in dieser Ausführung die ganze Großmeister und IM-Gilde deklassierte. Mit Wucht stellte er das Holzgeschoß auf den morgendlichen Küchentisch und wetterte: En garde ! Silke und ich interpretierten, er wolle uns herausfordern. Also stellten wir unseren Rechner flugs auf die gewählte Zeitspanne ein und legten los. Es ist klar daß ich ihnen die Partie zwischen DEM Schachcomputer dessen Bruder Vancouver letztens so locker eine ELO-Leistung von 2670 ELO mit 8,5 aus 10 Partien holte, nicht unterschlage: 1.Aktivschachpartie (30 Min Partie) Champion 2175 V1.04 486-33 256Cache gegen Lyon 68030 60Mhz 8MByte Hash-Tables 1.e4 d6 (Überraschend wählt der Lyon 030 die Pirc-Verteidigung.) 2.d4 Sf6 3.Sc3 c6 (dies haut den Champ natürlich aus der BIBI, dafür haut der nun, fairerweise den Lyon raus) 4.e5 dxe5 5.dxe5 Dxd1+ 6.Sxd1 (Ich hoffe Sie denken nicht so ohne weiteres das Schwarz im Vorteil ist.Der Abtausch und Springerrückzug ist nicht negativ für Weiß.) 6... Sd5 7.Se3 e6 (unser Champ steht fast besser.) 8.Sf3 Lc5 (eine Frage: ist der e-Doppelbauer eine Gefahr für Weiß? Diese Entscheidung ist hier schon wichtig.) 9.Ld2 0-0 10.0-0-0 Sd7 11.g3 (Huch, was ist das ? Was macht der Champ denn da? Weiß er nicht gegen wen er spielt? Hat er keinen Respekt?) 11... Sxe3 12.Lxe3 Lxe3+ 13.fxe3 (Ist dieser Doppelbauer schlecht? Ich denke noch immer steht der Champ besser) 13... a5?! 14.Td4 (!!! Was ist denn das? Was wagt dieses No-Name-Programm? Welche Ideen auf Blitzstufe!) 14... a4?! 15.Ld3 a3?! (Immerhin hat auch der Lyon einen Plan, oder ist das keiner! Wahnsinn! ) 16.b4 c5 (Mein Nachbar schwitzt: er traut seinen Augen nicht! Champ spielt vernichtend) 17.Th4 h6 18.c3 cxb4 19.cxb4 (Schwarz hat noch nichts gelöst! Wird Weiß seine Figuren zusammenhalten können) 19... Sb6 20.Kd2 Ld7 (Langsam kommt der Hardware mächtige Lyon aus der Tiefe.) 21.Le4 Sd5 22.Ld3 Ta4 (Eine kuriose Stellung ist entstanden! Aber das muß der Lyon doch gewinnen,oder ?) 23.Tb1 Lc6? ( dies war nicht das beste. Wie so häufig in Blitzpartien: das Blatt wendet sich.) 24.b5 Txh4 25.Sxh4 Ld7 26.Sf3 Ta8 27.Tb3 Ta4 28.Sd4 Sb4 29.Lb1 (Trotz der merkwürdigen Stellung, der Champ koordiniert alles genau.) 29... b6 30.g4 Kf8 31.h4 Sd5 (Vielleicht ein Remis ? Gegen den Lyon 68030 keine Schande.) 32.Lc2 g5 33.h5 Sb4 (Remis ???) 34.Lb1 Ke8 35.Ke2 Sd5 (Der Lyon 68030 bittet höflich um Remis. Aber sein Herrchen hört ihn nicht...) 36.Le4 Ke7 (Wenn der Lyon 030 jetzt nicht bald einen ordentlichen Plan ausgräbt...) 37.Kf3 Kf8 (Nein - der Lyon versucht jetzt sogar schon Zugwiederholung zu vermeiden) 38.Ld3 f6! (Na endlich eine Idee !!!) 39.Sc2 (Gut!) 39... f5!! (Und wieder wendet sich das Blatt) 40.gxf5 exf5 41.Kf2 (Aha, der erste Fehler. Txa3 hätte vielleicht noch abgelenkt.) 41... Th4 42.Txa3 Th2+ 43.Kg1 Td2 44.e6! (Der Champ hat vorhin einen schlechten Zug gespielt, dafür jetzt hier einen guten gefunden! Immerhin in 30" !!) 44... Le8 (Nähme Schwarz Lxe6 so käme Weiß aus seinem Sumpf heraus. Prüfen sie bitte selbst die Fortsetzungen.) 45.Lxf5 (Es ist schon wieder geschehen. Der Champ hat das unmögliche geschafft: in einer Blitzpartie hat der Chess Champion den Weltmeister in seinen Händen) 45... Lxh5 46.Ta7 (Hier hatte mein Nachbar erst Ta8 verstanden, Ta7 ist aber viel bsser.) 46... Se7 47.Td7 (Nun schau sich das einer an. Der WM Lyon durch den Champ am Boden.) 47... Td1+ 48.Txd1 Lxd1 49.Sd4 (Mein Nachbar weiß nicht mehr was er noch machen soll. Ja wie stark ist Champion 2175 ?) 49... Kg7 50.Kf2 Kf6 51.e4 h5 (Keiner hat behauptet daß das Endspiel einfach ist. Denn nun ist wieder der Champ daran zu patzen) 52.Ke3?! (wohl besser Kg3) 52... La4 53.a3 h4 54.Lg4 Sg6 55.Sf3? (?? besser Lh3) 55... Lxb5 56.Lf5 (Der Läufer gehört nach h3) 56... Se5 57.Sxe5 Kxe5 (Zugegeben, die Stellung ist nicht mehr zu halten für Weiß) 58.Lg4 La4 59.Lf5 Kf6 60.Lg4 Lb3 61.e7 Kxe7 62.Kf2 (Das Spiel ist aus. Aber mein Nachbar hatte keine Lust mehr auf eine Revanche, wo er doch sonst immer nach jedem Sieg mir eine Revanche aufzwingen will um sich, ganz fair - wie er meint, am 2.Sieg nochmal zu ergötzen.) Nochmaliges Fazit: Der Chess Champion 2175 ist ein hochinteressantes Programm, erst Recht für jene, die ein wenig von der Computerschachmaterie verstehen und auch um die einzelnen Strategien wissen. Seine Spielstärke liegt bei 2100 auf meiner verwendeten Maschine, jedoch kann der Champ, wie fast alle hochselektiven, gegen Stümpergegner noch verlieren und gegen Meister brillieren (wie auch gezeigt). Dank seiner merkwürdigen Spielweise kann er nämlich fast gegen jeden siegen. Was uns gefiel: + große und abwechslungsreiche Eröffnungsbibliothek selbst programmierbar und selbsterweiternd + gute Spielstärke auf 386er bzw 486er Rechnern + auch für schwache Gegner abstufbar + intelligentes Programm, sehr gut im Lavieren, spielt menschlich + Hash Table soviel ihr Speicher hergibt Was uns nicht gefiel: - keine Mattsuchstufe - schlecht übersetztes deutsches Handbuch - keine Partie-Export Funktion für ASCII-Ausgabe Notation. - in der meist bei branchenfremden Firmen verkauften Version leider nicht die Schachregeln beherrschend (V.1.01 EP-Fehler) Post Scriptum: Mittlerweile haben Silke und ich schon einige Turnierpartien gegen die großen ELO-Riesen gestartet: M-Chess scheint, auf gleicher Hardware, der totale Angstgegner zu sein. Da steht es nach 5 Partien 5:0 für M-Chess. Dabei besiegte sich der Champ in 3 Partien selbst, d.h. er "übersah" einen Einschlag von M-Chess den er wohl einfach wegselektierte. Bei Bedarf können Sie alle diese Partien auch bei mir bekommen, hier ein gutes Beispiel für Champs Selektivität: 2.Turnierpartie (40 in 120`) CCH 2175 : M-Chess 1.70 Beide 486-33er Hardware, Champ mit 2MB Hash. 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 O-O 8.Dd2 Sc6 9.Lc4 Ld7 10.O-O-O Tc8 11.Sxc6 Txc6 12.Lb3 Da5 13.Sd5 Dxd2+ 14.Lxd2? Sxd5 15.exd5? Sehr interessant. Champ hat keine Angst vor den 2 Läufern, wäre 15.Lxd5 nicht besser?! ... Tc7 16.Tde1 Lf6 17.c3 Tfc8 18.Lh6 b5 19.Kb1?? Champ sieht nicht das mögliche Lf5+ Ka1 Txc3! mit Mattmotiv. Für ihn ist Txc3 wohl ein "uninteressanter Zug" der einfach wegselektiert wurde! ...Lf5+ 20.Kc1 Nach 6-7 Minuten Nachdenkens auf Ka1 sieht er das Disaster mit Txc3. Wenige Brute-Force bzw. A/B-Mischprogramme hätten so reagiert. Auf 386-33 hätte Champ wahrscheinlich sogar Ka1 gezogen. "Unnormal" with Human touch! Und die Partie endete ... b4 21.Ld2 bxc3 22.bxc3 und 0:1! Etwas grandioses passierte jedoch im Wettstreit gegen The King: Nach 3 Turnierpartien steht es z.Zt. 3:0 für den Champ, und zwar glasklar. SCW: Mr. Whittington, wie kommt es daß der Champ gegen The King keine taktischen Probleme hat, gegen M-Chess aber doch ? Whittington: M-Chess spielt sogenanntes spekulativ attackierendes Schach. Die Angriffe sind vielfach gar nicht aussichtsreich sondern nur geblufft, während The King meistens etwas findet was ja auch wirklich vorhanden und möglich war, in einer Stellung. So gesehen schlägt M-Chess den Champ also "mit eigenen Waffen", d.h. mit dem Schmieden von Plänen, die nicht unbedingt exakt sind. Man sieht diese Fähigkeit von M-Chess auch gut im BT-Test: Taktische Matts oder Material gewinnende Stellungen werden von M-Chess nicht schnell gelöst: BT 1 ,14, 17, 19, 21, 23 zeigen dies! D.h. M-Chess findet die Matts und Angriffe gar nicht weil es diese im Suchbaum gesehen hat (wie man annehmen könnte und wie es die anderen Brute-Force-Programme tun ) sondern eher , weil es die dafür aussichtsreichen Stellungen mit einer Bonus-Bewertung als solche im Suchbaum mit der Bewertungsfunktion markiert/hervorhebt. M-Chess plant also Matts statt diese echt zu finden. Es lenkt dahin ohne schon das genaue Ziel zu kennen, daher auch die großen Bewertungsbelohnungen des Programms im Vergleich zur Konkurrenz. Das Entscheidungskriterium für gute Züge ist also bei M-Chess, fast wie bei mir , nicht der Vergleich mit anderen Zügen, sondern die Bewertungsfunktion. Dennoch ist mein Programm hierin natürlich viel strikter. Doch dies scheint der Grund für die Ähnlichkeit und die daraus resultierenden Schwierigkeiten zu sein. Der Bonus scheint übrigens nicht an eine Leichtfigur heranzukommen, M-Chess scheut vor BT 1 und BT 10 zurück ! SCW: Danke Herr Whittington. Und hier Silke und meine gespielten Turnierpartien: 1. cch 2175 : tk 1.0 1.e2-e4 d7-d6 2.d2-d4 Sg8-f6 3.Sb1-c3 g7-g6 4.Sg1-f3 Lf8-g7 5.Lf1-e2 0-0 6.0-0 c7-c6 7.h2-h3 Dd8-c7 8.a2-a4 Sb8-d7 9.Lc1-g5 e7-e5 10.d4xe5 Sd7xe5 11.Sf3xe5 d6xe5 12.Le2-c4 Dc7-e7 13.Dd1-e2 Lc8-e6 14.Tf1-d1 Tf8-d8 15.Lc4xe6 De7xe6 16.Lg5-e3 Sf6-d7 17.a4-a5 De6-e7 18.De2-c4 Td8-c8 19.Td1-d3 Sd7-f8 20.Le3-c5 De7-e6 21.Dc4-b4 Sf8-d7 22.Sc3-a4 Sd7xc5 23.Sa4xc5 Lg7-f8 24.Db4-c3 De6-e7 25.Sc5-d7 Lf8-g7 26.Ta1-d1 Tc8-c7 27.Sd7-c5 Lg7-f8 28.b2-b4 De7-e8 29.Dc3-c4 Ta8-c8 30.Td3-d2 Lf8-e7 31.Dc4-c3 Le7-g5 32.Td2-d6 Lg5-e7 33.Td6-d3 Le7-g5 34.Sc5-d7 c6-c5 35.b4xc5 De8-e7 36.Dc3-b2 f7-f6 37.Db2-b5 Kg8-h8 38.Td3-d6 a7-a6 39.Db5-b3 De7-g7 40.Sd7-b6 Tc8-g8 41.Td6-d7 Tc7xd7 42.Sb6xd7 f6-f5 43.Db3xb7 f5xe4 44.Db7xe4 Lg5-d8 45.Sd7xe5 Ld8-c7 1:0 2. tk 1.0 : cch 2175 1.d2-d4 d7-d5 2.c2-c4 Sb8-c6 3.Sg1-f3 Lc8-g4 4.c4xd5 Lg4xf3 5.d5xc6 Lf3xc6 6.Sb1-c3 Sg8-f6 7.Lc1-g5 e7-e6 8.f2-f3 Lf8-e7 9.Lg5-c1 Sf6-d5 10.e2-e4 Sd5-b6 11.Lf1-e2 Le7-h4+ 12.g2-g3 Lh4-g5 13.Lc1xg5 Dd8xg5 14.f3-f4 Dg5-a5 15.Dd1-c2 Sb6-a4 16.0-0 0-0-0 17.Sc3xa4 Da5xa4 18.Dc2xa4 Lc6xa4 19.d4-d5 e6xd5 20.e4xd5 Td8xd5 21.b2-b3 La4-c6 22.Le2-f3 Td5-d6 23.Lf3xc6 Td6xc6 24.Ta1-e1 Kc8-d7 25.Te1-e5 Tc6-d6 26.Tf1-e1 Th8-f8 27.Te5-h5 h7-h6 28.Th5-a5 a7-a6 29.Ta5-e5 Td6-d2 30.a2-a4 Kd7-d6 31.Te5-e2 Td2xe2 32.Te1xe2 c7-c5 33.a4-a5 Tf8-c8 34.Kg1-f2 Kd6-c6 35.Kf2-f3 Tc8-c7 36.f4-f5 Kc6-b5 37.Te2-e4 Kb5xa5 38.Te4-a4+ Ka5-b5 39.Ta4-g4 f7-f6 40.h2-h4 Tc7-d7 41.Kf3-e2 h6-h5 42.Tg4-e4 b7-b6 43.Te4-a4 Td7-d4 44.Ta4-a1 Td4-d5 45.Ta1-f1 Kb5-b4 46.Tf1-f3 a6-a5 47.Ke2-e1 Kb4-a3 48.Ke1-e2 Ka3-b2 49.Ke2-f2 Td5-d2+ 50.Kf2-e1 Td2-c2 51.g3-g4 h5xg4 52.Tf3-g3 c5-c4 53.Tg3xg4 c4-c3 54.Tg4xg7 Tc2-h2 55.Tg7-c7 c3-c2 56.h4-h5 c2-c1D+ 57.Tc7xc1 Kb2xc1 58.h5-h6 0:1 3. cch 2175 : tk 1.0 1.d2-d4 e7-e6 2.c2-c4 Sg8-f6 3.Sg1-f3 d7-d5 4.g2-g3 d5xc4 5.Sb1-c3 c7-c5 6.e2-e3 c5xd4 7.Dd1xd4 Lf8-d6 8.Dd4xc4 a7-a6 9.Dc4-a4+ Sb8-c6 10.Lc1-d2 Lc8-d7 11.Sc3-e4 Sf6xe4 12.Da4xe4 f7-f5 13.De4-d3 Dd8-e7 14.Dd3-b3 b7-b5 15.0-0-0 0-0 16.Lf1-g2 b5-b4 17.Db3-d3 Tf8-d8 18.Kc1-b1 Ld6-c5 19.Td1-c1 Ld7-e8 20.Dd3-c4 Lc5-b6 21.Sf3-d4 Lb6xd4 22.e3xd4 Td8xd4 23.Dc4-e2 Ta8-d8 24.Ld2-e3 Td4-d6 25.Le3-c5 De7-f6 26.Lc5xd6 Td8xd6 27.De2xa6 Td6-d2 28.Tc1-c2 Td2xc2 29.Kb1xc2 b4-b3+ 30.Kc2xb3 Sc6-d4+ 31.Kb3-b4 Sd4-c2+ 32.Kb4-a5 Df6-e5+ 33.Ka5-b6 De5xb2+ 34.Kb6-c7 Sc2-d4 35.Kc7-d8 Db2xf2 36.Kd8xe8 Df2xg2 37.Da6-c8 Dg2-c2 38.Dc8xc2 Sd4xc2 39.Ke8-e7 Sc2-d4 40.Th1-d1 e6-e5 41.Td1-d3 g7-g6 42.Ke7-f6 Kg8-f8 43.Td3-c3 Kf8-e8 44.Kf6xe5 Sd4-e2 45.Tc3-c7 h7-h5 46.Ke5-f6 Se2-d4 47.Tc7-c3 Sd4-b5 48.Tc3-c5 Sb5-d6 49.Kf6-e6 Sd6-f7 50.Tc5-c8+ Sf7-d8+ 51.Ke6-d6 g6-g5 1:0 Und wie heißt es doch am Ende eines Star-Trek-Films: "Und das Abenteuer geht weiter!" Vielleicht macht dieser Artikel sichtbar, warum ich mit Whittington an diesem aussichtsreichen Programm feilte. Nach dieser Version wurde das Complete Chess System kreiert, und danach gelang der Durchbruch mit Chess System Tal. Vieles von dem was CSTal ausmacht, klingt aber schon in diesem Artikel über den Champion mit an. So die Betonung auf die Zugselektion, auf die Bewertungs- funktion gegenüber der Suche. Auch kündigt Chris schon im Interview zu diesem Champion Programm seine Ideen für Chess System Tal an, wenn man ein wenig zwischen den Zeilen liest. Sogar das Bluffverhalten von Mchess scheint er HIER schon bemerkt zu haben, um es dann selbst später im CSTal angewendet zu haben. Schon Complete Chess System war eine große Verbesserung was die Bugs und die Oberfläche anging. Ich bemühte mich das Programm in seiner Funktionalität mit Ideen sinnvoll zu erweitern. Es wurde dann aber ersichtlich, daß die Bewertungsfunktion endlich einmal verfeinert werden mußte. Complete Chess System stellte keine Figuren mehr einzügig ein, aber spielte nicht fein genug. Wir spielten sehr viele Partien, analysierten sie, diskutierten die Gründe für das Versagen. Chris und ich telefonierten mehrmals täglich, faxten bis das Faxpapier alle war (Internet gab es damals noch nicht in Deutschland) und irgendwann waren erste Versionen von CSTal, das wir anfangs noch Complete Chess System 2 nennen wollten, fertig. Als in der Modul ein Artikel über Complete Chess System2 erschien, worin Chris am Ende die Namensgebung : Chess System Tal vornimmt (ein Namenszusammenhang der durch die Spielweise des Programms nach Einbau der Tal-Bewertungsfunktion nahelag) hatten wir keine Ahnung das Stephen Flinter und Mark T.Keane vom Trinity College Dublin eine Arbeit "On the automatic Generation of Case Libraries by Chunking Chess Games" schrieben. Chris' Tal Programm war schon längst getestet und Artikel in Zeitschriften erschienen als man bei Flinter und Keane den wirklich kuriosen Satz lesen konnte: "In this paper, we consider a chess playing system, called TAL, that uses CBR" (CBR=case base reasoning). Jahre später haben wir von einem Gerücht gehört, daß wer weiß wer lancierte, Chris habe bei Flinter und Keane abgeguckt oder deren Arbeit gestohlen. Ich weiß nicht ob die Herren jemals ein fertiges Programm hatten, oder ob es bei dem Papier blieb. Chess System Tal war jedenfalls längst fertig, als sie noch an ihrem System arbeiteten. Dennoch denke ich, ist es eine merkwürdige Synchronizität. Da arbeiten 2 Teams an einem Projekt Chess System Tal ohne voneinander zu erfahren. Vielleicht ist an der These Rupert Sheldrakes und seiner morphogenetischen Felder ja mehr dran, als uns lieb ist. Wichtige Erfindungen liegen immer plötzlich in der Luft. Und werden zeitgleich und unabhängig an unterschiedlichen Orten der Erde entwickelt, im Tierreich und auch beim Tier: Mensch. Thorsten Czub 17.08.2002 |