Das Risc-Modul




Seit April 1992 ist nun (endlich) das auf der Spielwarenmesse in Nürnberg vorgestellte   RISC-Modul-Set  von  Mephisto  erhältlich,   welches   ein verbessertes Programm der bekannten RISC-Maschine enthält.
Nach  Absprache wurde mir freundlicherweise ein Testgerät von  der  Firma Eurochess zu Verfügung gestellt.
So, das war der Werbeblock.
Die  Erwartungen  waren groß,  liest sich doch das Lastenheft  des  neuen Moduls wie die Wunschliste eines Freaks:  32-Bit-ARM 2-RISC-Prozessor mit flotten  14  MHz Taktfrequenz,  ein 128 KByte groes  Schachprogramm  mit einem   vollen  Megabyte Hash-Tables,   die  verbesserte   Version   des Weltmeister-Programmes    von   Vancouver   1991   GIDEON    mit    einer Eröffnungsbibliothek  von 80.000 Halbzügen der aktuellsten  Theorie   und schlielich einsetzbar in jedes Exclusive-oder München-Brett!


Endlich   wieder   zu  Hause  bekam  ich   leichte   Bedenken,   ob   das funkelnagelneue Modul-Set denn überhaupt in meinem alten  Exclusive-Brett (noch mit viertem Modulschacht hinten!) laufen würde. 

Mitbekommen  hatte ich  auch  noch einen neuen Adapter,  der,  so mußte  ich  mich  belehren lassen, 
unbedingt erforderlich wäre!  Weder der gute alte HGN  5001/5002 der  8-Bit-Geräte noch der HGN 5004 für die bisherigen Weltmeistermodule liefern  passenden  Saft für den RISC-Prozessor!  Bei  einem  empfohlenen Verkaufspreis  von 1998,- DM für das dreiteilige Modul-Set auch noch  den Adapter für 98,- weitere Märker kaufen zu müssen,  empfinde ich schon als Zumutung.

Einen entsprechenden Spannungsregler einzubauen wäre sicherlich die  weitaus  verbraucherfreundlichere Alternative  gewesen,   aber   so verkauft man halt seine Adapter gleich mit!
Die nächste unliebsame Überraschung war die , daß der Geräte- Stecker nicht in der Gehäuse-Buchse plaziert werden kann, sondern nur im Adapter-Modul.
Dieses  wird  aber mitgeliefert.  Zum ersten Mal war ich  froh  noch  ein altes  Brett ohne Multi-Spannungsbuchse,  aber dafür mit dem  eben  schon erwähnten vierten Modulschacht zu besitzen, so kann ich wenigstens meinen alten Mephisto III mit Eröffnungsmodul HG 170 laufen lassen, während alle Besitzer  eines Brettes mit besagter segensreicher  Multi-Spannungsbuchse auf den weiteren Zugang verzichten müssen und trotzdem vorne den  Kontakt zur Steckdose herstellen müssen, wenn sie das RISC-Modul-Set einsetzen.

Immerhin  wird  die  Verbindung  nun  endlich  über  einen  Winkelstecker hergestellt,  der dafür aber etwas kurz geraten ist,  was  Wackelkontakte bei Berührung zur Normalität werden läßt!

Und  schon  sind wir bei der Ausstattung des Moduls:  Wer nun  blind  den Ausführungen des Prospekt und der Bedienungsanleitung vertraut und denkt, "ha,  was  kümmert  einen ein gelegentlicher Wackler,  wenn  man  stolzer Besitzer  eines  Moduls  mit  Stellungsspeicher  ist...",   so  wird  man spätestens  beim  ersten  Ausfall während des  Spiels  ganz  fürchterlich rot anlaufen!! 

Der Stellungsspeicher wird nämlich genau wie beim  Milano nur aktiviert,  wenn man vorher die 
MEM-Taste  gedrückt  hat.  Ansonsten fühlt dieser sich nämlich nicht zuständig für die Erhaltung der laufenden Partie! 

Welchen Sinn das hat, soll mir mal einer erklären.  Bei FIDELITY kann man wenigstens zwischendurch eine andere Partie spielen und dann die abgelegte Partie zurückrufen,  wodurch der nicht selbsttätig  operierende Speicher immerhin einen Sinn erhält,  aber nicht so beim RISC-Modul  oder beim Milano!

Zur übrigen Ausstattung ist zu sagen,  daß die Bedienung des  RISC-Moduls fast  identisch  ist mit der des  Milano,  lediglich  die  Partie-Analyse fehlt,  dafür  kann aber weiterhin die ELO-Zahl aufgrund  der  gespielten Partie  errechnet,  die  sechs Spielstufen  frei  editiert,  die  Sprache gewählt,  der  Zufallsgenerator ausgeschaltet  und natürlich  die  Partie vor-und zurückgespielt werden. Immerhin zwei neue Features, zumindest für die  Schröder-Programme  des modularen Systems gibt es: 

Es  besteht  die Möglichkeit  die  selektiven Vertiefungen auf  Schach-und  Schlagzüge  zu begrenzen,   mit  anderen  Worten  also,  das  Programm  auf  Brute-Force umzustellen und der Rechner gibt Kaffeehausspielern die Möglichkeit  sich mit ihm im 'aggressiven' Spiel zu messen.

Der Info-Modus wurde um weitere 6 Halbzüge Hauptvariante bereichert. Der wissensbedürftige  Spieler kann nun also
11 Halbzüge tief in die  Analyse des Computers hinutersteigen.



Die  Kommunikation  mit dem Modul läuft über das  bekannte  32  stellige, zweizeilige Graphik-Display, wie es seit dem Almeria bekannt ist.

Nun,  nach der Feststellung dieser etwas ärgerlichen Kleinigkeiten begann ich mich dem Schachprogramm zu widmen:

Zunächst spielte ich ein paar Blitzpartien,  die ich übrigens nicht  alle verlor!  Ich hatte vorher nicht die Gelegenheit gehabt,  mich länger  mit der  RISC-Maschine zu beschäftigen,  so daß ich völlig unbefangen an  das eigentliche Testen heranging.
Auf  der  Spielwarenmesse  hatte Jeroen Noomen so von  der  neuen 
80.000 Halbzüge umfassenden Eröffnungsbibliothek des RISC-Moduls geschwärmt  und ich beschloß daher zunächst diese unter die Lupe zu nehmen:
Der  erste Eindruck ist, 
daß für die Größe erschreckend wenig  Varianten aktiv   gespielt   werden.   Auch   Geräte   mit   wesentlich   kleineren Eröffnungsrepertoires  spielen  regelmäig   Sizialianisch,   Caro-Kann, Damengambit,  Spanisch  und Nimzo-Indisch.  Leider ist auch keine  Option vorhanden, mittels derer man die Anzahl der vom Modul aktiv zu spielenden Züge vergrößern kann,  wie etwa eine Gambitbibliothek.  Stattdessen  kann man   die  aktiven  Antwortzüge  weiter  einschränken,   indem  man   die Turnierbibliothek zuschaltet,  was übrigens die einzige Möglichkeit  ist, auf das Repertoire,  das der Computer benutzt,  Einfluß zu nehmen.  Nicht einmal eigene Eröffnungen kann man hinzufügen,  was angesicht der  Lücken im Repertoire aber dringend erforderlich wäre!

So  kennt  das RISC-Modul zum Beispiel die Entgegnung
2.  ...b6  auf  die Zugfolge  1.d4  Sf6  2.c4  nicht.  Zwar wird  dieser  Antwortzug  in  der Literatur einhellig als nicht empfehlenswert eingestuft,  aber man sollte es kennen!
Gegen  Holländisch  spielt  das  Programm
  nur  2.Lg5,  der  Nimzowitsch-Verteidigung 1.  ...Sc6  gegen 1.e4 weicht das Programm mit  2.Sf3  aus, Ungarisch  ist nicht im Programm enthalten,  das abgelehnte  Königsgambit und Falkbeers Gegengambit kennt es ebenfalls nicht...usw.
Na,  immerhin werden Zugumstellungen erkannt,  leider aber auch weiterhin keine Farbvertauschungen.
Da  kann man nur sagen: 
"Das war wohl nix,  Jerry!  Um den  Bedürfnissen tausender von Benutzern gerecht zu werden, muß man mehr können."

Wenigstens  kann  man  die  Varianten,  die  das  RISC-Modul  gut  kennt, ausgiebig  mit dem vom Milano bekannten Trainingsmodus  üben.  In  diesem Modus zeigt der Computer alle Varianten im Display an,  die er kennt  und später  kann man die gerade gespielte Variante selbst gegen den  Computer probieren,  wobei  bei  Abweichungen ein strenger Ton  anzeigt,  da  man 'gefehlert' hat.

Übrigens ist es mir einmal doch tatsächlich gelungen,  den Computer  dazu zu bringen,  alle Züge,  die er kennt aktiv zu spielen!  Leider weiß  ich nicht mehr, wie mir dies Husarenstück gelang.
Ich war im Trainingsmodus,  rief dort Alternativzüge ab,  nahm sie wieder zurück,  spielte  sie vor,  wechselte in den gewöhnlichen PLAY-Modus  und wieder  zurück...etc.  

Nun,  etwas herumprobieren kann also in dem Teilgebiet der Eröffnungen zu deutlich mehr Spielspaß führen.
Ein  kleiner  Programmfehler  ist mir  übrigens  noch  aufgefallen:  Beim Abrufen  von  Alternativzügen im Eröffnungsrepertoire  wird  gelegentlich nicht  der  neue  Zug im Display angezeigt (er wird  nur  auf  dem  Brett angezeigt), sondern es erscheint die Uhr in der unteren Zeile.
Kein  schlimmer  Fehler,  aber großes Vertrauen weckt so  etwas  wahrlich nicht,  zumal es auch nicht der letzte Fehler bleiben sollte,  aber  dazu später mehr!
Nach diesen etwas enttäuschenden Ergebnissen nahm ich mir das
Mittelspiel vor   und  wurde  hier  für  das  mißglückte  Eröffnungsrepertoire   voll entschädigt!

In  den  29 schwierigen Stellungen des Buches SCHACHCOMPUTER  -  Was  sie wirklich können erreichte das RISC-Modul fantastische
1519,24 Punkte, was nach  einer  von mir selbst entwickelten Formel 2219  ELO  bedeutet! 

Zum Vergleich:  Der Milano erkämpfte sich beachtliche
894,41 Punkte, was auch noch 2101 ELO ergab.
Wirklich  bemerkenswert  ist  aber nicht nur  das  Endergebnis  an  sich, sondern auch was der Computer letztlich
selektiv so alles sieht!
Neugierig geworden jagte ich den Computer noch einmal durch die Aufgaben, diesmal  aber Brute Force!  Das Ergebnis überraschte  ein  wenig:  1494,2 Punkte  =  2214  ELO.  Also praktisch  kein  Unterschied.  Viele  weitere Stellungen zeigten das gleiche Bild.  Im Detail große Unterschiede,  aber daß der Computer auf einer der Einstellungen nun deutlich stärker  spielt kann man nicht behaupten!
Hier ein Beispiel:

Diagramm 37  

W:Kh1,Dg3,Ta1,Lb3,Ba2,c3,e5
                                              f1      f4,g2,h2
S: Kh8,Dc7,Ta8,Sg6,Ba7,b5,c6
                                              e8      f5,g7,h7

Eine typische Stellung für Brute-Force-Programme:  Der Lösungszug 
1.Dxg6 und der zweite Zug 2.Tf3 werden Selektiv in 13'20'' gefunden, Brute Force braucht das RISC-Modul nur 10 Sekunden!

Den umgekehrte Fall zeigt
Diagramm 71:

W:Kg2,Dc1,Th1,Ld3,Ba2,b2,d4
                                                   h4  f6  f2,f3
S:Kg8,Dc7,Td7,Ld6,Sf4,Ba7,b5,c6
                                                   e8 , f7,g6,h5

in   nur 
2'11''  fand  das  Programm  den  Lösungszug  1.Dxf4  und   das nachfolgende  2.Txh5 mit der Einstellung Selektiv,  Brute Force  erschien der Zug nicht innerhalb der vorgeschriebenen 15 Minuten!
Sehr  schnell werden auch Stellungen gelöst,  bei denen nur  Schachgebote zum Matt führen. Meistens werden die Lösungszüge sofort angezeigt!

Bei der Stellungseingabe gibt es übrigens einige kleine  Ärgerlichkeiten, die  hier nicht unerwähnt bleiben sollen:  Geht man in den  Eingabe-Modus und 
löscht dort das Brett,  so beschränkt sich dies auf die Reihen  3-6.
Steht eine Figur auf den ersten beiden oder den beiden letzten Reihen, so nimmt der Computer an, daß dort eine der Figuren der Grundstellung steht.
Vergißt man diese also vom Brett zu nehmen oder zu versetzen,  bleibt sie im Speicher des Rechners. Eine Fehlermeldung gibt es nicht!
Außerdem sollte der Spieler wirklich gute Augen haben oder nur im  Winter spielen! Während die Brett-LEDs im Spiel noch gerade hell genug leuchten, sind sie bei Stellungseingabe wirklich kaum noch auszumachen.
Auch  besitzt  das  RISC-Modul  nicht  die  feine  Stellungseingabe   des Vancouver,  das bedeutet,  daß man für jede Figurenart die  entsprechende Taste  drücken muß und nicht einfach auf dem Brett befindliche  versetzen kann. Wirklich schade.



Doch nun zurück zun den spielerischen Fähigkeiten des Computers:

Das strategische Spiel des RISC-Moduls ist wohl das beste aller Computer. Solche  Fähigkeiten  auszutesten ist nur schwer möglich,  aber  im  Spiel gegen  den  Vancouver  zum Beispiel merkt man,  daß  dieser  doch  häufig planloser spielt,  unnötige Tempoverluste einfährt und weniger  druckvoll spielt.  Trotzdem  ist  der  Vancouver nach wie  vor  das  ausgereifteste Programm  auf  dem Markt,  aber gerade im Mittelspiel verliert  er  seine Partien  gegen  das RISC-Modul.

Demgegenüber   stehen   beim   RISC-Modul leider doch häufig
positionell völlig unangemessene Züge und sogar  dicke Fehler auf diesem Gebiet, die man zum Beispiel vom Vancouver nicht kennt.
Dennoch  kann der Vancouver noch am ehesten  strategisch  mithalten,  was sehr anschaulich die  zweite von mir gespielte Partie belegt,  in der  der Vancouver  mit einem  (meiner Meinung nach  zweifelhaften)  positionellen Qualitätsopfer aufwartet,  wonach  ich keine müde Mark mehr auf das Lang-Programm gesetzt hätte.  Aber das RISC-Modul vermag keinen Nutzen aus dem materiellen Vorteil zu ziehen:

Mephisto RISC 1 MB - Vancouver 32 Bit
(40 in 2h,Tu-Bibi)   (40 in 2h,Aktiv,Tu-Bibi)
                  

                1.   e4     e5
                2.  Sf3    Sf6
                3. Sxe5     d6
                4.  Sf3   Sxe4
                5.   d4     d5
                6.  Ld3    Sc6
                7.  O-O    Le7
                8.   c4    Sb4
                9.  Le2    O-O
               10.  Sc3    Le6
               11.   a3   Sxc3
               12.  bxc    Sc6
               13.  cxd  
Mit  diesem  Zug  schmeißt  das  RISC-Modul  den  Vancouver  aus   seiner Bibliothek.

     ...   Lxd5
               14.  Tb1     b6
               15.  Sd2    La2

Was hat sich der Vancouver denn bei diesem Zug gedacht?!

               16.  Tb5     a6
               17.  Th5     g6
               18.  Th3    Le6
               19.  Te3   
Wie  man sieht pflegt das Schröder-Programm schon frühzeitig  alle  seine Figuren ins Kampfgetümmel zu schmeißen,  auch wenn,  wie in diesem  Fall, das einige Tempoverluste durch Angriffe von Figuren geringeren Wertes zur Folge hat.  Der Vancouver ist da vorsichtiger,  aber vielleicht macht das den Vorsprung des RISC-Moduls in der ELO-Liste aus!?
                        ...     Dd7
               20.  Te1   Tfd8

                  48'00'' 28'27''

               21.  Lf3

Das  RISC-Modul  bewertet  übrigens  die  durch  die  vielen   Bauernzüge geschwächte  schwarze Stellung mit 0.54 für sich,  während der  Vancouver noch  keinen  Anlaß  zur Beunruhigung sieht und  sich  nur  -0.15  Punkte
schlechter fühlt.

                                 Lg5
               22. T3e2    Lh6
               23.  Se4    Lg7

RISC: +0.94, Vancouver: -0.51

               24.  Lg5 

DIAGRAMM

Nun  schwingt  sich  der  Vancouver  zu  einem  wirklich  bemerkenswerten Qualitätsopfer auf !!
                        ...    Se5
               25. Lxd8  Sxf3+
               26.  gxf   Dxd8
               27.  Da4    Ld7
               28.  Db3    Le6
               29.  Db4    Lf8
               30.  Da4    Lg7
               31.   f4

Dieser Bauer geht bald flöten,  weil er auf f4 nicht gedeckt werden kann.
Es gibt doch einiges, was Schachcomputer noch lernen müssen!

                       ...      Dd5
               32.  Dc2    Df5
               33.  Sg3   Dxf4
               34.  De4   Dxe4
               35. Sxe4     h6
               36.   f4    Td8
               37.  Kf2    Lf8
               38.   a4    Kg7
               39.  Ta1    Td5
               40.  Tc2 

Wie man sieht, tut sich das RISC-Modul gegen das schwarze Läuferpaar sehr schwer.

                    ...    Th5

Zeiten:     W:1h37'00''  S:1h42'00''

               41.  Kf3   Th3+
               42.  Sg3    Ld6
               43.  Tf2     g5
               44.  fxg    hxg
               45.  Kg2     g4
               46. Sf5+

Der  nächste Bauernverlust war schon nicht mehr  aufzuhalten,  es  drohte Ld5+

                      ...      Lxf5
               47. Txf5  Txh2+
               48.  Kg1    Th6
               49. Taf1     f6
               50.   c4     g3
               51.   a5

Dieser Bauernvorstoß knackt die schwarze Phalanx am Damenflügel!

                      ...       Th4
               52.  axb    cxb
               53.  Td5    Lf4
               54.  Tf3    Kg6
               55.   c5    bxc
               56. Txc5     f5
               57. Tc6+    Kg5
               58. Txa6    Kg4

DIAGRAMM

Das  entstandene  Endspiel ist sehr unklar,  aber ich hätte  lieber  die  weißen Steine geführt

               59.  Td3    Th8
               60. Tg6+    Lg5
               61.   d5     f4
               62.  Tg7    Kf5
               63.   d6    Lf6
               64.  Tf7    Ke6
               65.  Tc7    Ld8
               66.  Tg7    Ke5
               67.   d7    Ke4
               68.  Tb3    Lf6
               69. Tb4+    Kf5
               70. Tb5+    Ke4
               71. Tb4+    Kf5
               72. Tb5+    Ke4
               73. Tb4+

        
Remis nach der 3-Züge-Regel


Der Vergleich mit dem Vancouver  32  Bit bietet  sich natürlich an,  da dessen Modul-Set zum selben Preis wie  das des  RISC-Modul-Set  angeboten wird und,  wie man  hört,  verkaufen  sich beide  Programme  nach wie vor in etwa gleichen  Mengen.

Leider  war es mir nicht möglich mehr als drei Partien  auf  Turnierstufe gegen den Vancouver 32 Bit zu spielen, die alle drei Remis ausgingen.
In  diesen  Partien zeigte sich aber noch eine Sache:  Das  Endspiel  des RISC-Programmes ist zwar wirklich beeindruckend gut,  aber der  Vancouver spielt  hier  besser!  Während das RISC-Modul  viele  Endspiele  aufgrund seiner  enormen Rechentiefe korrekt spielt,  braucht der Vancouver  viele Dinge  gar nicht erst zu errechnen,  weil er sie einfach weiß.  Dazu  ein Beispiel aus der dritten Partie:

  Vancouver 32 Bit    -    Mephisto RISC 1 MB
     40in2h,Aktiv,Tu-Bibi     40in2h,Tu-Bibi

                1.   c4    Sf6
                2.  Sc3     e6
                3.  Sf3     d5
                4.   d4    dxc
                5.   e4

Es   ist   sehr   begrüßenswert,   daß   mittlerweile   selbst   in   den Turnierbibliotheken einige scharfe Varianten zu finden sind!

                    ...    Lb4
                6.  Lg5     c5
                7.   e5    cxd
                8. Da4+    Sc6
                9.0-0-0    Ld7
               10.  Se4    Le7
               11.  exf    gxf
               12.  Lh4    Tc8
               13.  Kb1    Sa5
               14.  Dc2     e5
               15. Sxd4    exd
               16. Txd4    Db6
               17.Sxf6+   Lxf6
               18. De4+    Kf8
               19. Lxf6   Dxf6
               20. Txd7    Te8

Bis hierher spielten beide Programme aus ihren Bibliotheken.

               21.  Dd4   Te1+
               22.  Kc2    Kg7
               23.Dxf6+   Kxf6
               24.   g3   The8
               25.  Lg2  T1e2+
               26.  Td2     b5
               27. Thd1     b4
               28.  Lf3  Txd2+
               29. Kxd2    Te5

Der Vancouver steht ein wenig in der Ecke, aber beide Rechner zeigen noch Stellungsbewertungen um 0.00

               30.  Tc1    Te6
               31.   h4   Td6+
               32.  Ke3   Td3+
               33.  Ke2    Td4
               34.  Lg2    Ke6
               35.  Td1   Txd1

Dieser  Turmtausch  mit dem nachfolgenden aktiven König kostet  fast  die Partie!

               36. Kxd1    Ke5
               37.  Kc2    Kd4
               38.  Lf3     c3
               39.  Lh5     f5
               40.  Lf7    Sc4

Die Zeiten: W:1h38'00''   S:1h21'08''

               41.  Lg8     h6
               42.  bxc    bxc
               43.  Le6    Sd6
               44.  Ld7     a6
               45.   g4    fxg
               46. Lxg4    Sb5
               47.  Le2    Sc7
               48.  Lf3    Se6
               49.  Lg4    Sf4
               50.  Lf5     a5
               51.   a3    Kc4
               52.  Lg4    Sg2

Hier springen die Bewertungen der beiden Spitzenprogramme zum ersten  Mal auf über einen Bauern

               53.Lxe2+    Kd4
               54.   h5    Sf4
               55.  Lg4    Sd3
               56.  Le6   Sxf2
               57.  Lf5    Se4

Hier schaute ich zum ersten Mal in der Partie genauer hin:  Die Frage ist doch,  ob ein möglicher Tausch der Leichtfiguren trotz des  nachfolgenden Bauernverlustes  auf  der h-Linie nicht durch Einsperrung  des  schwarzen Königs zum Remis führen würde.





Die  beiden Computer waren hier gänzlich unterschiedlicher  Meinung.  Das RISC-Modul hätte den (nicht notwendigen) Tausch sicher vermieden, wenn es eine Ahnung vom Remis gehabt hätte! 

Der Vancouver jedoch zweifelt  keine Sekunde am Friedenschluß und schlägt den Springer,  wobei seine Bewertung von -1.30 bei 57.Lf5 auf nur noch -0.60 bei 58.Lxe4 fiel!!
Das ist es, was ich mit "Wissen" beim Vancouver meine!
          
               58. Lxe4   Kxe4
               59. Kxc3

Interessanterweise  spielte der Vancouver diesen Zug mit einer  Bewertung von -2.24.  Offensichtlich wußte der Computer wirklich,  daß die Stellung nach dem Tausch Remis werden würde! Der Rest ist "Sache der Technik".

                    ...    Kf4
               60.  Kd3    Kf3
               61.   a4    Kg4
               62.  Ke4    Kg5
               63.  Ke5   Kxh5
               64.  Kf4    Kh4
               65.  Kf5     h5
               66.  Kf4    Kh3
               67.  Kf3     h4
               68.  Kf2    Kg4
               69.  Kg2    Kf4
               70.  Kh3    Kg5
               71.  Kh2    Kf5
               72.  Kh3    Ke4
               73. Kxh4    Kd4
               74.  Kg3    Kc5
               75.  Kf3    Kb4
               76.  Ke2   Kxa4
               77.  Kd2    Kb3
               78.  Kc1     a4
               79.  Kb1

                   
  Remis


Prinzipiell  ist  aber das Endspiel ebenfalls eine Stärke  des  Schröder-Programmes.  Mußten die 8-Bit-Geräte aufgrund der kleinen Speichermengen, die    Ed   Schröder   zu   Verfügung   standen   immer   auf    profunde Endspielkenntnisse  verzichten,  kann er bei seinen RISC-Programmen  voll zeigen,  was  er  kann.  Komplizierte  Endspiel-Studien  oder  technische Endspiele werden einigermaßen fehlerfrei und schnell gespielt.


Bei der ersten Version der Chess-Maschine bemängelten die Besitzer  noch, daß  die  Läufer/Springer-Mattführung und das Endspiel  König/Dame  gegen König/Bauer  auf der siebten Reihe nicht beherrscht wurden.  Diese  Dinge stellen nun schon auf der Blitzstufe (fast) kein Problem mehr  dar. 

Fast deshalb,  weil ich glaube,  daß der Algorithmus für die  Läufer/Springer-Mattführung noch einen Fehler enthält!

DIAGRAMM: W:Kf6,Lf5,Sf7  S:Kf8

In  dieser  "Grundstellung" für die L/S-Mattführung  wird  der  Gewinnzug 1.Lh7  und  das  nachfolgende 'W-Manöver' des  Springers  völlig  richtig gespielt.  Aber  bei  einem Versuch aus einer  anderen  Stellung  heraus, drängte mich das Programm zwar an den Rand des Brettes,  hielt mich  dann jedoch auf den Feldern d1 und e1 gefangen und machte keine Anstalten  ihn von dort weiter Richtung Ecke zu treiben. Dies ging etwa 30 Züge lang so, bis  eine Mattführung nicht mehr möglich war bei Beachtung  der  50-Züge-Regel.  Vielleicht  hätte  das Programm den Gewinnweg auf  einem  höheren Level (ich spielte auf der Blitzstufe) gefunden,  dennoch scheint   diese Mattführung noch nicht vollständig korrekt programmiert zu sein.

In  meinem  eigenen  Endspieltest,  der bislang bei  etwa  45  getesteten Geräten   immer  zuverlässig  die  jeweiligen  Fähigkeiten  des   Gerätes einstufte erreicht das RISC-Modul übrigens
5540 Punkte.

Zum Vergleich:

Vancouver 32 Bit: 5832 Punkte
Vancouver 16 Bit: 5544 Punkte
Milano : 3792 Punkte
MM V  : 3116 Punkte

Diese  Ergebnisse  entsprechen  auch ziemlich  genau  meinem  subjektiven Eindruck  von den Endspielfähigkeiten des Computers  aufgrund  gespielter Partien.

Weniger positiv sind dagegen die Leistungen im Problemschach:
Bei mir wurde nicht ein Problem korrekt gelöst!!  Es traten  verschiedene Fehler  auf,  die sich von fehlerhaften Mattankündigungen bis  zu  völlig falschen Lösungen spannten.
Als Beispiel möchte ich das folgende Problem anführen,  das zumindest die beiden oben angeführten Programm-Fehler bloßlegt:



W: Ke5,Dc7,Th7
S: Ke8,Ta8,Lb5,Bb6,d7,e4,f2
         

Matt in vier Zügen

          Dr. Erich Zeppler
          Die Schwalbe 1929

Auf  sofort  Dd6 kann Schwarz noch rochieren,  deshalb muß  zunächst  die gegnerische Rochade verhindert werden.  1.Kd4 Ta4+ 2.Ke5 Ta8 3.Dd6  nebst Matt.

Das  RISC-Programm zieht 1.Th8 und schreibt zusätzlich MATT  ins  Display!
Verblüfft probierte ich 1....Kf7,  worauf der Computer mit 2.Th7+ Matt in zwei Zügen ankündigt!  Wiederum stutzte ich und zog 2....Kg6,  worauf der Rechner mich freudig piepsend mit 3.Th6 MATT setzte(!) und ich die Waffen streckte,  denn wie erklärt man einem Verrückten, daß nur er verrückt ist und nicht alle anderen um ihn herum!
Überdies kann man  selbst bei korrektem ersten Zug,  entgegen den Angaben des  neuesten  Prospekts  aus  dem  Hause  Hegener+Glaser,   nicht   nach Nebenlösungen geschweige denn Dualen suchen lassen.
Hier wurde ganz offensichtlich
geschlampt bei der Entwicklung!

Nun, wenn wir schon beim Meckern sind:
Die Tasten
CL und ENT liegen zu dicht beisammen!  Erblickt man im Display endlich  die  Lösung seiner eingegebenen Stellung und will den  Zug  dann mittels  ENTER abrufen,  passiert es gelegentlich,  daß man beide  Tasten drückt,   was  das  Programm  als  NEUE  PARTIE  interpretiert!  Wirklich ärgerlich!  Wenn die Tasten weniger leichtgängig wären, würde der leichte Druck  auf  die  nebenliegende Taste vielleicht  gar  keine  Auswirkungen haben, aber der Druckpunkt ist praktisch nicht definiert.

Und noch eine Kleinigkeit:  Das Display und die Feld-Dioden leuchten
sehr schwach.  Subjektiv  würde  ich  sogar sagen,  noch  schwächer  als  beim Vancouver!
Auch  bleibt  abzuwarten,  ob es auch für das  RISC-Modul  einen  Update-Service  geben  wird?!  Den  Vancouver  wird  man  auf  jeden  Fall  noch mindestens einmal umprogrammieren können.




Was  bleibt  ist aber die Gewißheit,  daß man mit dem RISC-Modul  den  im Augenblick
spielstärksten Schachcomputer im Mikroformat kaufen kann, aber es  bleibt für Mephisto noch einiges zu tun,  bis der  Computer  wirklich ausgereift ist!

FAZIT:  Angesichts der
mageren Ausstattung und der vielen Fehler kann man das  RISC-Modul  nicht bedingungslos empfehlen.  Der  potentielle  Käufer sollte sich genau überlegen,  ob er nur Partieschach spielen,  oder  auch gelegentlich  experimentieren beziehungsweise ein Problem  lösen  möchte.
Ich  wüßte  im  Augenblick  jedenfalls  nicht,   ob  ich  mich  für   das spielstärkere  RISC-Modul-Set  oder  für  das  ausgereiftere   Vancouver-Programm  entscheiden  würde,  wenn  ich schon so  viel  Geld  für  einen Schachcomputer auszugeben bereit wäre.


EPILOG:

Mittlerweile hat man bei Hegener & Glaser reagiert und eine
neue Version 1,2 des RISC-Moduls auf den Markt gebracht,  die sich gefrustete Besitzer kostenlos  umbrennen  lassen können!  Wie gehabt wird bei  den  Schröder-Programmen über MEM + INFO die aktuelle Versionsnummer angezeigt,  so daß niemand im Unklaren über seine Programm-Version bleiben muß.

Natürlich  mußte  ich sofort ausprobieren,  ob die neue  Version  endlich
fehlerfrei zu den Freaks gelangt.
Erste  Tests galten jedoch dem praktischen Spiel,  wären doch  bei  einer umfangreicheren  Überarbeitung  des Programmes die 3500 Worte  zur  alten Version schlagartig zur Makulatur verkommen.
Doch so schnell arbeitet nicht einmal Ed Schröder! Im Klartext heißt das, daß  die Version
1,2 KEINE UNTERSCHIEDE IM PRAKTISCHEN SPIEL zur  Version 1,0    aufweist!    Sämtliche   Lösezeiten   sowie    Rechentiefen    und Stellungsbewertungen  lassen  sich  mit  der  neuen  Version  zu  100   % reproduzieren. UFF!!






Aber wie sieht es denn nun mit den
monierten Fehlern im Programm aus. Hat Ed Schröder es geschafft, sie zu eleminieren?

Im   oben  beschriebenen 
Zeppler-Problem  kündigt  das  RISC-Modul   nun tatsächlich  nicht mehr Geistermatts an,  aber lösen tut es  das  Problem dennoch nicht,  was aber nicht an einem Bug im Programm liegt, sondern an der  Sparsamkeit  des Autors beim Programmieren.  Denn das  Problem  wird deshalb nicht gelöst,  weil die Stellung nach 2....Ta8  fälschlicherweise als  zweimalige Stellung proklamiert wird,  obwohl das Rochaderecht  sich geändert  hat.  Diese Schlamperei in der Programmierung  weisen  übrigens eine Reihe von Programmen auf.

In einigen wenigen Fällen führten die fehlerhaften Algorithmen aber  auch zu ganz enormen (korrekten!) Lösezeiten:

Hier ein Beispiel:

Weiß       : Ke4 Lb5 Sc6 Ba5,h2
Schwarz : Ka8         Bc7,h5

                   Manfred Zucker
                   Matt in 7 Zügen


Kommt Ihnen dieses Problem bekannt vor?  Dann gehören Sie  wahrscheinlich zu  den Schachcomputerveteranen,  denn es hat eine  (computerschachliche) Geschichte:  1982  gab der Justitiar Ulrich Auhagen,  in seiner  Freizeit als  Problemkomponist tätig,  dieses Problem in einen Schachcomputer  zum Lösen  ein.  Welchem  er  diese Lebensaufgabe stellte  wurde  leider  nie veröffentlicht.  Nun  ja,  dieser ließ sich auch nicht lange  bitten  und löste das Problem..., in
48 TAGEN!

Einige Jahre später konnten die neuen Rechner es schon wesentlich besser. Ein  Mephisto
MM II brauchte schon nur noch 38h13',  der Vancouver  68020 setzte  1992  die Marke auf fantastische 54'29''.  Doch  das  RISC-Modul, Version  1,0  brauchte  nur  1'20''!!   Hier  merkt  man  die  10   Jahre Programmier-Fortschritt sehr eindrucksvoll.
Die jüngere Version 1,2 brauchte dagegen enttäuschende
6h31',  sogar  ein Elite Version 2 ist mit 5h52' hier schneller.

Aber  beruhigenderweise konnte ich nun KEINE fehlerhaften  Lösungen  mehr feststellen.   Auch   ließ  sich  das  Eröffnungsrepertoire  nicht   mehr überlisten, alle seine Kenntnisse zu spielen.

Leider  stehen aber die Tasten immer noch zu nah beisammen und sind  viel zu  leicht  zu aktivieren!  Dies hat mich wieder einige Zeit  und  Nerven gekostet!!

Immerhin kann man das RISC-Modul nun auch dem Schachfreund anbieten,  der gelegentlich  ein Problem eingibt.  Gelegentlich deshalb,  weil  man  das RISC-Modul immer noch nicht nach Nebenlösungen suchen lassen kann.

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Bei  der Schachjugend-WM in Duisburg hatte ich dann noch Gelegenheit  das RISC-Modul   gegen   einige  starke  Jugendliche   und   deren   Betreuer Blitzpartien  spielen  zu  lassen.  Wer  weiß,  vielleicht  habe  ich  ja stellvertretend  für den Computer dort einem zukünftigen Weltmeister  die Hand gereicht!

Das  RISC-Modul  kämpfte  sich  durch  Vor-und  Zwischenrunde  und  wurde schlielich
geteilter 6-7  in der Endrunde.
Mein Eindruck war , daß der Computer in etwa die Plazierung erreicht  hat, die  seiner Blitzspielstärke entspricht,  aber die Art wie  der  Computer gespielt  hat,  war  alles  andere als  überzeugend,  und  ich  wage  die Prognose, daß ein Vancouver besser gespielt und abgeschnitten hätte!
Doch  nun zu den Modalitäten,  ich mußte in den 5 Minuten,  die auch  dem Computer nur zustanden,  immerhin sämtliche Züge auf dem  Exclusiv-Brett, und  auf  dem großen Schachbrett,  auf  dem  gespielt  wurde,  ausführen.
Zusätzlich ging auch ein paar Mal die Stellung wieder verloren,  weil ich statt nur der ENTER-Taste auch noch CL-Taste erwischte und mußte sie  neu eingeben!
Die  bequemere Möglichkeit,  die Spieler direkt auf Computer  spielen  zu lassen, hätte sicher zu Protesten und Fehlern in der Blitzphase geführt.
So  bekam der Computer intern nur 3 Minuten zugebilligt und  ich  ärgerte mich jedes Mal, daß zwar die Spielstufe gespeichert wurde, aber bei einer neuen  Partie wieder 5 Minuten im Display standen.  Ein anderes  Ärgernis war,  daß das Eröffnungsrepertoire sehr variantenarm spielt,  so daß  ich häufig in den Genuß kam,  die gleiche Eröffnung gegen verschiedene Gegner auszuprobieren.

Hier nun für alle diejenigen Leser,  die gerne Partien nachspielen einige Spiele,  die mitnotiert wurden (Warum besitzt das blöde Gerät bloß keinen Spielespeicher?) Alle anderen, die der Meinung sind, daß man Blitzpartien nicht analysiert, können sich jetzt anderen Berichten dieser exorbitanten Zeitschrift zuwenden.
Die  erste Partie aus der Vorrunde zeigt eindrucksvoll,  wie schnell  man verlieren kann, wenn man in einer so scharfen Eröffnung, wie der Najdorf-Variante im Sizilianer die Theorie nicht weit genug kennt!

Mephisto RISC - N.N.    Sizilianisch,Najdorf
1.e2-e4 c7-c5 2.Sg1-f3 d7-d6 3.d2-d4 c5xd4 4.Sf3xd4 Sg8-f6 5.Sb1-c3 a7-a6 6.Lc1-g5 e7-e6 7.f2-f4 Lf8-e7 8.Dd1-f3 Dd8-c7 9.0-0-0 Sb8-d7 10.g2-g4 b7-b5 11.Lg5xf6 Sd7xf6 12.g4-g5 Sf6-d7 13.f4-f5 Sd7-c514.f5-f6 g7xf6 15.g5xf6 Le7-f8 16.Th1-g1 Lc8-b7 17.Lf1-h3 0-0-018.Sc3-d5

Bis hierher hatte der Computer die Eröffnung im Speicher

18.... Lb7xd5 19.e4xd5 Lf8-h6 20.Kc1-b1 Th8-f8 21.d5xe6 f7xe622.Lh3xe6 Kc8-b8 23.Sd4-c6 Kb8-a8 24.Sc6xd8 und Aufgabe drei Züge später.

1-0


Die nächste Partie war die erste der Zwischenrunde,  in der der  Computer nicht gerade positionell schön spielte,  irgendwie aber doch immer  alles unter Kontrolle zu haben schien oder auch nicht.

Araiza, Joaquin (MEX) - Mephisto RISC   Damenbauerspiel
Zwischenrunde (1)

1.d2-d4 d7-d5 2.Sg1-f3 Sg8-f6 3.Lc1-g5 Sf6-e4 4.Lg5-h4 c7-c5 5.e2-e3Dd8-b6 6.Dd1-c1 Sb8-c6 7.c2-c3 Lc8-g4 8.Lf1-e2 e7-e6 9.Sb1-d2 f7-f610.0-0 Lf8-d6 11.Dc1-c2 Se4xd2 12.Dc2xd2 0-0 13.h2-h3 Lg4-f514.Le2-d3 Lf5xd3 15.Dd2xd3 g7-g5 16.Lh4-g3 Ld6xg3 17.f2xg3 Ta8-e8 18.h3-h4 g5xh4 19.g3xh4 c5xd4 20.e3xd4 e6-e5 21.Dd3-d2 e5-e4 22.Sf3-h2 Sc6-e5 23.Kg1-h1 Se5-c4 24.Dd2-e2 Db6xb2 25.De2xb2 Sc4xb2 26.Ta1-b1 Sb2-d3 27.Tb1xb7 e4-e3 28.Sh2-f3 Sd3-f2 29.Kh1-g1 Tf8-f7 30.Tb7xf7 Kg8xf7 31.Tf1-b1 Kf7-g6 32.Kg1-f1 Sf2-e4 33.Tb1-b3 Kg6-f5 34.Kf1-e2 Kf5-f4 35.Sf3-e1 Te8-e7 36.Se1-f3 Te7-c7 37.c3-c4 Se4-g3 38.Ke2-e1 Tc7xc4 39.Tb3-b1 Tc4-c2 40.a2-a4 Tc2xg2

0-1

Christian  Böhmer  ging  sehr vorsichtig zu Werke,  hatte  er  doch  nach eigenem Bekunden keine oder nur sehr wenig Erfahrung mit Schachcomputern.
Umso überraschter war ich, als er den Rechner völlig auf dem falschen Fuß erwischte  und  zeigte,  da Horizontzüge immer noch nicht  gänzlich  der Vergangenheit angehören!  Allerdings sollte man nicht vergessen,  daß es sich nur um eine Blitzpartie handelt.
Schade  für Christian,  da er in gewonnener Stellung im 30.Zug die  Zeit überschreitet. Ich hätte ihm einen Sieg gegönnt.

Böhmer,Christian (GER, Ingo 83) - Mephisto RISC    Reti
Zwischenrunde (3)

1.Sg1-f3 d7-d5 2.c2-c4 c7-c6 3.b2-b3 Sg8-f6 4.Lc1-b2 Lc8-f5 5.d2-d3 e7-e6 6.g2-g3 Lf8-b4 7.Sb1-d2 Sb8-d7 8.Lf1-g2 0-0 9.a2-a3 Lb4-d6
10.0-0 c6-c5 11.Tf1-e1 Lf5-g6 12.Sf3-h4 Lg6-h5 13.Dd1-c2 Sd7-b6 14.e2-e4 d5xc4 15.e4-e5

DIAGRAMM

c4xb3 16.Dc2xb3 g7-g5 17.Sh4-f3 Lh5xf3
18.Sd2xf3 c5-c4 19.d3xc4 g5-g4 20.Sf3-h4 Ld6-c5 21.e5xf6 Dd8-d2 22.Te1-f1 Ta8-d8 23.Db3-c3 Dd2xc3 24.Lb2xc3 Sb6xc4 25.Lg2xb7 Td8-d7 26.Lb7-e4 Tf8-c8 27.Ta1-c1 Lc5xa3 28.Tc1-d1 Td7xd1 29.Tf1xd1 Sc4-d6

Zeitüberschreitung Weiß

0-1


Die  nächste  Partie war die interessanteste des  gesamten  Turniers  für mich!  Der Gegner gab nach dem Spiel an,  daß er diese Opfervariante wohl schon einmal kannte,  aber die Theorie vergessen hatte und so immens viel Zeit im 15. Zug verbrauchte. Hier gilt: Nachspielen lohnt sich!

Mephisto RISC - Istratescu, Andrej (ROM, ELO 2450) Sizil.,Najdorf
Zwischenrunde (4)

1.e2-e4 c7-c5 2.Sg1-f3 d7-d6 3.d2-d4 c5xd4 4.Sf3xd4 Sg8-f6 5.Sb1-c3 a7-a6 6.Lc1-g5 e7-e6 7.f2-f4 Dd8-c7 8.Dd1-f3 Sb8-d7 9.0-0-0 b7-b5
10.Lf1xb5 a6xb5 11.Sd4xb5 Dc7-b8 12.e4-e5 Ta8-a5 13.e5xf6 g7xf6 14.Lg5-h6 Lf8xh6 15.Sb5xd6 Ke8-f8 Vermutlich eine Neuerung (15....Ke7 z.B.  16.Kb1 Td8 17.De4 ((17.Sd5+ e6xd5 18.Sf5+)) Sce4) f5!? N, Shmuter - Karpman, Ostrava 1991 - SI 52/246)

DIAGRAMM

16.Th1-e1 Th8-g8 17.Kc1-b1 Sd7-b6 18.g2-g4 Sb6-d5 19.Sc3xd5 Ta5xd5 20.Td1xd5 e6xd5 21.Te1-e8 Kf8-g7 22.Sd6-f5 Kg7-h8 23.Df3-c3 Db8-b6 24.Te8xg8 Kh8xg8 25.Dc3xc8 Lh6-f8 26. a2-a3 Db6-e6 27.Dc8-d8 h7-h5 28.Sf5-h6 Kg8-g7 29.g4-g5 f6xg5 30.Dd8xg5 De6-g6 31.Sh6-f5 Kg7-h7 32.Sf5-e3 d5-d4 33.Se3-d5 Dg6xg5 34.f4xg5 Kh7-g6 35.h2-h4 Kg6-f5 36.Sd5-f6 Kf5-f4 37.Sf6xh5 Kf4-g4

Hier streifte ich die ENTER-Taste zusammen mit der CL-Taste und mußte die Stellung neu  eingeben,  ärgerlich,  denn ohne diesen Fehler bei  nur noch zwei Minuten auf der Uhr hätte der Computer wohl gewonnen.

38.Sh5-f6 Kg4xh4 39.Kb1-c1 Lf8-d6 40.Sf6-e4 Ld6-c7 41.Kc1-d2 Kh4-g4 42.Kd2-d3 Lc7-b6 43.b2-b4 Kg4-f4 44.a3-a4 Kf4-e5 45.a4-a5 Lb6-a7 46.b4-b5 Ke5-d5 47.b5-b6 La7-b8 48.a5-a6 Kd5-c6 49.a6-a7 Lb8xa7 50.b6xa7 Kc6-b7 

Hier waren leider beide Plättchen gefallen, daher   ... remis.


Mephisto RISC - IM Prie, Eric (FRA, ELO 2460)   Königsindisch
Zwischenrunde (8)

1.d2-d4 Sg8-f6 2.c2-c4 g7-g6 3.Sb1-c3 Lf8-g7 4.e2-e4 d7-d6 5.Sg1-f30-0 6.Lf1-e2 Sb8-a6 7.Lc1-f4 Wie  man  sieht,   weiß  der  Computer  ohne Eröffnungsbibliothek nicht recht weiter Dd8-e8 8.0-0 e7-e5 9.d4xe5 Sf6-h5 10.Lf4-g3 d6xe5 11.a2-a4

Hier entfuhr mir ein deutlich vernehmbares  UFF, als ich diesen Zug ausführen mute,  was bei den umstehenden Personen und auch  beim  Gegner  für  Heiterkeit  sorgte.   Aber  dieser  Zug  war  so schrecklich! 

Ich dachte in diesem Augenblick daran.  daß Ed Schröder  in einem  Interview einmal erklärt hatte,  da er seine Programme gerne  mit der
Ein-Ply-Methode teste, bei der Partien mit nur einem Halbzug gespielt werden,  weil Schröder der Meinung ist,  daß auch bei dieser  Rechentiefe ein  Zug  positionell  in  Ordnung sein  muß! 

Ich  kann  mir  aber  kaum vorstellen,  da er jemals diesen Test mit dem RISC-Programm gemacht hat, denn  sonst  hätte er den Computer wohl nicht  mit  derartigen  Schwächen unter das Volk gebracht...!

11....c7-c6 12.Dd1-d6 Sh5xg3 13.h2xg3 Lc8-e6
14.Tf1-d1 Ta8-d8 15.Dd6-a3 f7-f6 16.Td1xd8 De8xd8 17.Ta1-d1 Dd8-c718.Td1-d6 Le6-f7 19.Sf3-e1 Tf8-d8 20.c4-c5 Lg7-f8 21.Td6xd8 Dc7xd8 22.Le2xa6 b7xa6 23.b2-b4 a6-a5 24.b4-b5 Dd8-d4 25.Se1-c2 Dd4xc5  26.Da3xc5 Lf8xc5 27.b5xc6 Kg8-f8 28.Sc3-d5 Kf8-e8 29.Sd5xf6 Ke8-d8 30.Sf6-d7 Lc5-d6 31.f2-f4 e5xf4 32.e4-e5 Ld6-e7 33.g3xf4 Lf7-b3 34.Sc2-d4 Lb3xa4 35.Kg1-f2 Kd8-c7 36.Sd4-e6 Kc7xc6 37.Sd7-f6 La4-d1

Natürlich nicht der beste Zug,  aber Schwarz hatte seine Läufer angefasst und wollte diesen nach b3 ziehen,  wo er durch die Springergabel verloren gegangen wäre

38.Kf2-e1 Ld1-a4 39.Sf6xh7 Kc6-d5 40.Sh7-f8 Kd5-e4 41.Sf8xg6 Le7-b4 42.Ke1-f2 Ke4-f5 43.Se6-f8 La4-e8 44.Kf2-f3 Le8xg6

Schwarz hatte geglaubt,  nun endlich den Lohn seiner Mühen heimfahren  zu können, doch alle Umstehenden hatten gesehen, da der Computer nun mit 45.g2-g4 MATT  setzen würde.
Eine typische Partie,  wie sie  tausendfach zwischen Mensch und Maschine gespielt wurde! 

1-0


Die  schnellste  und wohl auch schönste Gewinnpartie gegen  den  Computer gewann das
13jährige Schachwunderkind Peter Leko aus Ungarn, der übrigens auch dieses Blitzturnier für sich entscheiden konnte.  Wieder ein Beweis, daß  die  Computer sowohl taktisch als auch positionell noch  einiges  zu lernen  haben!  Vielleicht hatte Mephisto aber auch nur Respekt  vor  dem vermeintlich zukünftigen Weltmeister?

Leko, Peter (HUN, ELO 2460) - Mephisto RISC   Sizilianisch
Endrunde (2)

1.e2-e4 c7-c5 2.Sg1-f3 e7-e6 3.d2-d4 c5xd4 4.Sf3xd4 Sg8-f6 5.Sb1-c3 d7-d6 6.f2-f4 Sb8-c6 7.Lc1-e3   Lf8-e7   8.Dd1-f3 Dd8-c7       9.0-0-0
0-010.Th1-g1 Sc6xd4 11.Td1xd4 a7-a5? 12.g2-g4 h7-h6? 13.h2-h4 d6-d5 14.e4-e5 Sf6-d7 15.g4-g5 h6xg5 16.h4xg5 Le7-c5 17.Tg1-h1 Lc5xd4 18.Df3-h5 Ld4xe3(-Matt in 3) 19.Kc1-b1 f7-f5 20.g5-g6 Le3xf4 21.Dh5-h8    Matt 1-0

Eine  überaus  wilde  Partie verlor der  junge  Kasachstane  (Kasernist?) Kotcur gegen den Rechner.  Dieser verfiel mehrfach in tiefes Grübeln, das immer wieder von heftigem Kopfschütteln begleitet war. Ich fühlte mich in dieser Partie in die alten Super-Conny-Zeiten zurückversetzt,  da  dieser auch  immer wieder zu forsch nach vorne spielte und seine Züge nur  durch taktische  Gegendrohungen absicherte,  wobei er aber  gelegentlich  seine Dame  exponierte. 

Hier  also  nun  das  RISC-Modul  im  Stil  des  alten Veteranen!




Mephisto RISC - Kotcur (KAS)   Spanisch
Endrunde (5)

1.e2-e4 e7-e5 2.Sg1-f3 Sb8-c6 3.Lf1-b5 a7-a6 4.Lb5-a4 Sg8-f6 5.d2-d4 e5xd4 6.0-0 Lf8-e7 7.e4-e5 Sf6-e4 8.Sf3xd4 Se4-c5 9.La4xc6 b7xc6 10.f2-f4 0-0 11.c2-c4 f7-f6 12.b2-b4 Sc5-b7 13.c4-c5 a6-a5 14.Dd1-b3 K8-h8 15.Db3-a3 Ta8-b8 16.e5xf6 Le7xf6 17.Tf1-d1 a5xb4 18.Da3-a7 Dd8-e7 19.Lc1-b2 De7-e3 20.Kg1-h1 De3-f2 21.Da7xb8 Df2xb2 22.Sd4-b3Sb7xc5 23.Db8xb4 d7-d6 24.Td1-d2 Tf8-e8 25.Td2xb2 Sc5-d3 26.Db4-d2 Lf6xb2 27.h2-h3 Lb2xa1 28.Dd2xd3 Lc8-e6 29.Sb3xa1 Le6xa2 30.Kh1-h2 c6-c5 31.Sb1-c3 La2-f7 32.Sa1-c2 Te8-f8 33.Sc2-e3 Lf7-e6 34.Sc3-d5 c7-c6 35.Sd5-c7 Le6-g8 36.Dd3xd6 Tf8-f6 37.Dd6xc5 Tf6xf4 38.Se3-f5 h7-h6 39.Sc7-e6 Tf4-f1 40.Dc5-f8 mit Ansage Matt in 3 

1-0


P.S.: Als Ergänzung möchten wir nur darauf hinweisen, daß die RISC 1MB-Modul Version des Gideon-Programms demnächst auch als Gideon 3.0 für die Steck-PC-Karten Besitzer verfügbar sein wird, aller Vorraussicht nach.
Travel Master




Gleichzeitig  mit  dem  Berlin von Mephisto kam bei  mir  zu  Hause  der Travelmaster an.   Während der Kronprinz unter den Schachcomputern  noch in  seiner  tristen Verpackung ein trostloses  und  unbeachtetes  Dasein fristete, riß ich die Verpackung des Travelmaster auf.
Zum  Vorschein  kam ein schwarzes  Lederetui,  kleine  Figürchen,  deren Magnete   trotz  der  Größe  sogar  noch  etwas  vorstanden,   und   die mittlerweile  zum Klassenstandart gehörenden Magnetplättchen.  Zu  guter Letzt noch eine englische Bedienungsanleitung mit einem Ergänzungsblatt, das darauf hinwieß,  daß auf der Mattstufe nicht unbedingt die  kürzeste Mattführung  gemäß der vorgegebenen Rechentiefe gespielt  wird,  sondern auch  eine tiefere Ankündigung und somit eine falsche  Lösung  vorkommen können.


Merkwürdigerweise  fehlte  in  der  deutschen  Übersetzung  ein  Hinweis hierauf.
Doch  wen  kümmern  kleinliche  Bugs  auf  der  Problemstufe,   um   die Spieleigenschaften geht es ja schlielich in der Regel.

Also  wurden  erstmal ein paar Blitzpartien  gespielt,  die  überwiegend verloren  gingen.  Während  dieser Spielchen  spulte  mein  phänomenales Gedächtnis die schon vorab veröffentlichten Daten des Travelmaster ab:

Ein neuer H8-Prozessor mit 10 MHz,  der von Franz Morsch besonders  fest ins  Herz geschlossen wurde.  So fest,  da er in  der  niederländischen Zeitschrift 
Computerschaak 4/91 eine lange Lobeshymne auf  dieses  neue
Stück technischen Hochadels veröffentlichte.  Nun, die Daten lassen eine Menge erwarten:  Eine RISC-ähnliche Architektur erlaubt dem Single-Chip-Prozessor   doch   tatsächlich  eine   Verarbeitungsgeschwindigkeit   zu erreichen, die etwa einem 6502 mit 8-9 MHz entspricht.
Boah...!
Leider  müssen dafür  beim verfügbaren Speicherplatz  Abstriche  gemacht werden.   So   standen  auch  Franz  Morsch,   dem  "König   der   Mini-Schachprogramme" nur
16 KByte zu Verfügung.  Schade  eigentlich,  wollte ich doch schon immer mal einen Dominator mit 8 MHz ausprobieren.
Nun war es an der Zeit,  auch mal zu schauen,  was denn die  'Konkurenz' (die  Klammern,  weil es eigentlich keine echte Konkurenz zur SCW  gibt, sondern nur Ergänzungsblätter!) so über den Travelmaster losließ.


Die  CSS  schwieg  den  Travelmaster  bisher  beharrlich  tot,  aber  in Deutschland  ist  er  auch erst seit  April  diesen  Jahres  erhältlich, weshalb wir ihr das nachsehen wollen.

Wie meistens, wesentlich aktueller ist  da schon die
Modul,  die in ihrer Ausgabe 3/91 einen  Kurztest  des Kleinen  brachte,  in dem er sich mit REX-Chess auseinandersetzen  mußte und  mit  dem  alten Advanced Star Chess um den  ehrenvollen  Titel  des "Asterix  unter den Schachcomputern" stechen mute.  Dort  unterlag  der Travelmaster übrigens.

Gänzlich  anders  sieht die Spielstärke allerdings
  Larry  Kaufman,  der bereits  Anfang 1991 eine Vorversion des Travelmaster zum  testen  bekam und  mittels seines ominösen Stellungs-Tests sowie  einiger  Testpartien eine Spielstärke ermittelte,  die in der Nähe von Polgar oder Super-Forte C liegen sollte (Computer Chess Reports No.1/1991,S.4f).

Nochmal boah...!!
Ein weites Spektrum, aber umso größer war meine Spannung. Hatte ich doch endlich  mal ein Gerät zu testen,  bei dem man den Ausgang  der  Partien nicht vorhersagen konnte.

Meine  ersten  Eindrücke  waren sehr positiv,  waren  doch  die  meisten Partien  geprägt  von  unbändiger Kampfeslust  des  Kleinen.  Vielleicht hatte  man  ihm  ja mittlerweile doch  noch  den  richtigen  Zaubertrunk eingeflößt, den Thomas Mally so vermißt hatte.

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Der Kleine hat Charakter...
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Und  noch  etwas  fiel  auf:  Kurz  gesagt...,  die  enge  programmliche Verwandtschaft  zum  Dominator!  Mit  anderen  Worten.  Der  Kleine  hat Charakter.

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...und Eigenheiten!
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Konnte  auch  ich  ihm  zu diesem  Zeitpunkt  aufgrund  meiner  geringen Erfahrungen  noch  nicht  das  Prädikat  "Asterix  der   Schachcomputer" zubilligen.  So setzte sich bei mir langsam aber unaufhaltsam der Spruch aus  der  Renault-Werbung durch:  "DER KLEINE  FREUND".  Denn  wie  auch französische Autos zeigte der Travelmaster eine gewisse Unbeständigkeit.



Hatte  ich  gerade  auf  einem  Zettel  vermerkt,  daß  die  Entwicklung grundsätzlich  zügig  abgeschlossen wird,  zog der Travelmaster  in  der nächsten  Partie  totsicher und nur um mich lügen  zu  strafen  sechsmal hintereinander mit der Dame übers Feld,  während seine übrigen Figürchen (Figuren  sind es ja nun wirklich nicht) alle noch in  den  Startblöcken verharrten.
Ein  anderes  Mal vermerkte ich "positionelles Spiel  nicht  überragend, zeigt aber eine gewisse Scheu vor schwächenden Bauernzügen",  da zog der kleine  Trotzkopf  in der nächsten Partie unvermittelt  seinen  g-Bauern zwei  Schritte  vor,   um  einen  auf  f4  postierten  Läufer  nach   g3 abzudrängen. (Folgerichtig verlor er dann diese Partie auch aufgrund der Löcher, die er sich auf dem Königsflügel zuzog!).


Eine immer tiefere Beziehung bahnte sich zwischen uns an. Schon Mittags, wenn ich aufstand und ihn mit einem fröhlichen "Moin, wie geht's kleiner Freund"  ein  wenig  aufmuntern wollte,  versetzte er  mir  den  ersten Schock:  Denn  auch  er  war  über  der  Stellung,  die  er  über  Nacht analysieren  sollte,  "eingeschlafen" bzw.  abgestürzt war. 

Nach  einem gehörigen Donnerwetter,  das ich nun auf ihn hereinbrechen ließ,  zeigte er sich reuig und spielte wieder mit mir!

Doch   dies  war  nicht  das  einzige  Mal,   daß  der   kleine   Freund
"Zündaussetzer"   bekam  und  manchmal  für  eine  halbe  Stunde   nicht ansprechbar war.  Offenbar reicht die Batteriespannung nicht immer,  den Travelmaster einwandfrei laufen zu lassen.  Glücklicherweise hat man dem in China gefertigten Gerät doch noch einen Adapteranschluß  spendiert. 

Mit einem H+G-Netzteil jedenfalls gab es keine Ausfälle mehr.

Überhaupt wurde angekündigt,  daß Batterien 200 Stunden halten  sollten, weshalb  man zunächst erwogen hatte,  den  Adapteranschluß einzusparen.
Die Bedienungsanleitung behauptet in der jetzigen Version ,  die kleinen Kraftspender  würden  immerhin noch 150 Stunden  halten,  doch 
bei  mir hielten selbst beste Alkaline nicht länger als etwa 70 Stunden!

Wesentlich  mehr Spaß bereitete der kleine Freund immer  dann,  wenn  er lief. Aufgrund der engen Verwandtschaft zum Dominator von CXG wählte ich diesen als ersten Gegner aus.  Meine Überlegungen gingen dahin,  daß die doppelte    Rechenleistung    und    (der    hoffentlich     vorhandene) Programmfortschritt die kleine Programmgröße wettmachen würde.  Außerdem sollen  ja  Vorteile  in den Programmeigenschaften  bei  sehr  ähnlichen Programmen überproportional durchschlagen.

Also  beide Computer auf Turnierstufe gestellt und  angefangen...,  aber halt.

Dazu  sollte man wissen,  daß das Repertoire des Travelmaster  nur  2000 Halbzüge  umfaßt,  aber,  man  höre und  staune,  in  vier  verschiedene Bibliotheken unterteilt ist! 

Das normale Repertoire ist eher breit  als tief  und für die Größe erstaunlich abwechslungsreich.  So  werden  etwa Budapester Gambit,  Königsgambit und einiges andere mehr aktiv gespielt.

Im Gegensatz dazu kann eine Turnierbibliothek angewählt werden,  die nur einige wenige Varianten aktiv spielt.  Zusätzlich kann aber vom Benutzer eingestellt  werden,  ob  der Computer lieber offene  oder  geschlossene Partien spielen soll! (Ähnlich dem Vancouver, wo man zwischen MODERN UND KLASSISCH wählen kann) .

Auch Zugumstellungen werden erkannt,  nicht aber Farbvertauschungen, das ist   aber   verzeihlich,   können   dies   doch   überhaupt   nur   die Spitzenprogramme  von  Richard  Lang und die  Elite-Versionen  1-10  von Fidelity (Jawohl, die auch!!).

Ehrlich, ich würde das Rumpfrepertoire meines kleinen Freundes mit den Einstellmöglichkeiten sofort gegen das meines Analyst tauschen!

Lange Rede,  kurzer Sinn,  für die Spiele gegen den Domi und auch später in den Turnierpartien wählte ich stets das Turnierbuch.

Nun zur ersten gespielten Partie, der Herausgeforderte bekam Weiß:
(* = letzter Zug aus der Eröffnungsbibliothek)

Travelmaster - Dominator 2.05
Lv C5, Turnier-Bibi, Selektivität eingeschaltet - Level C5


1.e2-e4 c7-c5  2.Sg1-f3 Sb8-c6  3.d2-d4 c5xd4  4.Sf3xd4 g7-g6  5.Sb1-c3 Lf8-g7  6.Lc1-e3* Sg8-f6*  7.Lf1-e2 d7-d6  8.0-0 Lc8-d7  9.Dd1-d2 Sc6xd4 10.Le3xd4 0-0  11.Ta1-d1 Ld7-c6  12.Le2-f3 Dd8-c7  13.Tf1-e1 Tf8-c8 14.Sc3-d5 Lc6xd5  15.e4xd5 Tc8-e8  16.b2-b3 b7-b5  17.Td1-c1 Ta8-b8 18.c2-c4 b5xc4  19.b3xc4 Sf6-d7  20.Ld4xg7 Kg8xg7  21.Dd2-d4+ Kg7-g8 22.Lf3-d1 Sd7-c5  23.Ld1-c2 e7-e5  24.Dd4-c3 f7-f6  25.a2-a3 f6-f5 26.Dc3-g3 e5-e4  27.Tc1-b1 a7-a6  28.Tb1-b4 a6-a5  29.Tb4-b1 Te8-c8 30.Dg3-e3 Sc5-d7  31.Tb1xb8 Sd7xb8  32.Lc2-b3 Sb8-d7  33.f2-f3 e4xf3 34.De3-e6+ Kg8-g7 35.De6-e7+ Zeitüberschreitung Schwarz!!

Ja,  der  Domi hatte auch viele Fehler.  Eigentlich war ich  von  dieser Partie  enttäuscht.  Keiner der beiden konnte einen  wirklichen  Vorteil herausarbeiten. Erst in der Schlustellung kommt ein wenig Spannung auf.

Doch  einen Punkt galt es zu vermerken:  Der Travelmaster hatte bis  zum 35. Zug erst 19 Minuten verbraucht!!! Bei so ähnlichen Programmen spielt naturgemäß das Permanent Brain eine wichtige Rolle,  aber auch, wenn die Hauptvariante  des kleinen Freundes einen ganz anderen Zug als  den  vom Dominator  gespielten als den besten und somit erwarteten  auswies,  zog dieser  blitzschnell! 

Offensichtlich also noch ein  Programmfehler. 

Um auszuprobieren,  ob  dies  ein einmaliger Fehler  ist  oder  prinzipiell auftritt,  ließ  ich die beiden eine weitere Partie unter  den  gleichen Bedingungen spielen. Der Travelmaster spielte mit Schwarz ein Budapester Gambit,  machte  wiederum  40  Züge in nur 20 Minuten  42  Sekunden  und übersah schlielich einen Figurenverlust.

Offensichtlich also ein Fehler der Turnierstufe, also erfolgte ab dieser Partie   eine  Umstellung  auf  die  Stufe  B5,   die  für   jeden   Zug durchschnittlich  3 Minuten zur Verfügung stellt.  Eigentlich  ging  der Wettkampf  jetzt erst richtig los.  Schade um die verlorene  Zeit,  aber man freut sich auch ein wenig,  wenn man einen solchen Bug aufspürt,  da kommt dann der Entdeckergeist durch!!

Die  3.  Partie endete schon nach 12 Zügen mit  Remis  durch  dreimalige Stellungswiederholung,  im  Gegensatz dazu dauerte das vierte Spiel  105 Züge, was am unendschiedenen Ausgang aber nichts änderte. Wesentlich  interessanter  verlief  da  schon  die  fünfte  Partie,  die aufzeigte,  daß  Horizontzüge  in  dieser Klasse noch  immer  nicht  der Vergangenheit angehören:




Travelmaster - Dominator 2.05
LV B5, Sel. an, Turnier-Bibi - Level C5


1.d2-d4 d7-d5 2.c2-c4 c7-c6 3.Sg1-f3 e7-e6 4.Sb1-c3 Sg8-f6 5.e2-e3Sb8-d7 6.Lf1-d3 Lf8-d6 7.0-0* 0-0 8.e3-e4 d5xc4 9.Ld3xc4 e6-e5
10.Lc1-g5 Dd8-e7* 11.Ta1-c1 e5xd4 12.Sf3xd4 Sd7-e5 13.Lc4-b3 Tf8-d814.Tf1-e1

bis  hierher hatte mein kleiner Freund  vernünftig  gespielt, doch nun schenkt er den Drohungen des Gegners nicht genügend Beachtung:

14.... Se5-g4 15.f2-f4 (Auf sofort 15.e5 wäre Df6xf4 16.e5xd6 Df4xh2 17.Kg1-f1 Dh2-h1+ 18.Kf1-e2 Dh1xg2+ 19.Ke2-d3 Sg4-f2+ und -+ gekommen) 15....h7-h6 16.Lg5xf6 De7xf6 17.g2-g3 (-3.4) Ld6-e5 18.Sc3-e2 Td8xd4 Zack, die Figur ist weg! 19.Dd1-c2 Td4-d6 20.Te1-d1 Td6xd1 21.Tc1xd1 Le5xb2 22.e4-e5 Lb2xe5 23.h2-h3 Sg4-e3 24.f4xe5 Df6-e7 25.Dc2-d3 Se3xd1 26.Lb3xd1 Lc8xh3 27.Se2-f4

Hier  brach ich ab,  bevor der Kleine  wieder
einen Schmollanfall bekam! 0-1

An  dieser  Stelle  vielleicht  einige  wissenswerte  Kleinigkeiten  zur Ausstattung  des Kleinen.  Abgesehen von der vielfältig  einzustellenden Eröffnungsbibliothek  bietet der Travelmaster noch einige  andere  nette Zugaben,  die den Umgang mit ihm sehr angenehm machen und auf Reisen das große Holzbrett von zu Hause fast vergessen machen:

Da  wäre  zunächst  einmal  der  programmierbare  Rolliermodus  wie  von Fidelity  bekannt.  Hier  lassen sich nach Lust und  Laune  Rechentiefe, Zeit,  Stellungsbewertung,  im Augenblick berechneter Zug, drei Halbzüge Hauptvariante und die berechneten Stellungen pro Sekunde einstellen.

Übrigens  verblüffte  mich  der Kleine mit
bis zu  4100  Stellungen  pro Sekunde. Schon wieder Boah!
Desweiteren lassen sich die Selektivität,  der Zufallsgenerator und  das Permanent  Brain  abstellen  und  auch  die  aus  dem  Milano   bekannte "tickende"  Schachuhr  ist  vorhanden.  Allerdings  arbeitet  diese  mit der Frequenz der Beine eines olympischen 100-Meter-Läufers,  so  schnell tickt sie!

Spielstufen sind zu hauf vorhanden und auch eine "Easy"-Einstellung  für schwächere Spieler ist vorhanden.
Leider  gibt  es  auch  hier  wieder  einiges  über  Programmfehler   zu berichten:  Die Rechentiefe,  die übrigens immer ein oder zwei selektive Züge beinhaltet,   wird nur angezeigt während der Computer rechnet,  was ja nicht weiter schlimm ist.

Aber  da  die  Uhr durch wiederholtes  Drücken  der  Cursor-Tasten  zum schnelleren   Laufen  angeregt  werden  kann,   ist,   gelinde   gesagt, merkwürdig!
Auch  die  Stellungsbewertung  hat  so  ihre  Eigenheiten:  Gelegentlich wechselt  sie nach Ausführung des Zuges das Vorzeichen,  wie um sich  zu verstecken.
Aber wie da eben so ist,  Leuten mit Stil und Charakter verzeiht man so manche Fehler und Animositäten.
Für  alle Partieliebhaber und Freunde des Travelmaster nun aber  endlich die sechste Partie gegen den Domi.

Dominator 2.05 - Travelmaster
Level C5       - Lv B5, Selektivität an, Turnier-Bibi

1.c2-c4 e7-e5  2.Sb1-c3 Sg8-f6  3.g2-g3 d7-d5  4.c4xd5 Sf6xd5  5.Lf1-g2*Sd5-b6*  6.d2-d3 Lf8-b4  7.Sg1-f3 Sb8-c6  8.0-0 Lc8-g4  9.Lc1-g5 f7-f6 10.Lg5-d2 0-0 11.Dd1-b3 Tf8-f7 Merkwürdig, da eine Reihe von Programmen bei  solchen  Diagonal-Schachs gerne den Turm  vor  den  König   ziehen,  anstatt  diesen einfach einen Schritt nach rechts  zu  bewegen?! 

12.a2-a3 Lb4-a5  13.Db3-a2 La5xc3  14.b2xc3 Dd8-d7  15.Tf1-d1 Ta8-d8 16.Ta1-c1 a7-a6  17.c3-c4 Lg4xf3  18.Lg2xf3 Sc6-d4  19.Lf3-h5 g7-g6 20.e2-e3 g6xh5   21.e3xd4 Dd7xd4

Der Travelmaster hat nun  also  seinen Bauern   gewonnen,   doch  um  welchen  Preis?   Der  Königsflügel   ist zerfleddert,  der  Damenflügel  ohne  Schutz  und  Gegenspiel  ist  kaum erkennbar!  

22.Ld2-e3 Dd4-g4  23.Da2-b3 Dg4-f3  24.c4-c5 Sb6-d7  25.c5-c6 b7xc6  26.Db3-b7 Sd7-b8  27.Le3-a7 Tf7-f8  28.La7xb8 Td8xb8 29.Db7xa6 Tb8-b2  30.Da6-c4+ Kg8-h8  31.Td1-f1 Tf8-d8  32.Dc4-f7 Tb2-d233.Tc1-c3 Td8-a8  34.Df7xc7
Mit diesem Zug stellt der Domi das materielle Gleichgewicht wieder her, doch nun mu auch er um seinen König zittern! 
... h5-h4  35.Dc7-b7 Ta8-f8  36.Db7-b4 Tf8-d8  37.d3-d4 Df3-d5  38.d4xe5 h4-h3 39.f2-f3 Td2-g2  40.Kg1-h1 Dd5-a2 41.Db4-f8 Td8xf8 mit Mattankündigung!  42.Tc3-c2 Da2xc2  43.a3-a4 Tg2xh2  44.Kh1-g1 Dc2-g2                 Matt  0-1

Jawoll,  damit  hat er ein 3-3 erreicht,  wenn man die zwei  unter erschwerten  Bedingungen,  weil von Programmfehlern  beeinflußten, Partien mitzählt.

Glücklicherweise mußte der Travelmaster in keiner Partie gegen den Domi   ins  Endspiel,   denn  für  das  Endspiel  war  wohl   kein Speicherplatz   mehr  vorhanden.   Außer  das der  Computer   die elementaren Mattführungen bis zu der mit zwei Läufern  beherrscht, gibt es in dieser Phase wenig Positives zu  vermelden.  Vielleicht doch  eine  Kleinigkeit:   Als  erstes  Morsch-Programm  in  einem Schachcomputer     beherrscht    der    Travelmaster     SÄMTLICHE Unterverwandlungen.

Franz, nur weiter so!

Um  nun aber entgültig heraus zu bekommen,  wie stark  der  Kleine denn  nun  wirklich ist,  stellte ich ihm einen  weiteren  Kleinen gegenüber,der   aber  kein  echtes  Reisegerät   ist,   da   seine Batteriekapazität zu gering ist. Der MM V von Hegener und Glaser.

Dieser ließ auch gar keinen Zweifel daran,  wer Chef im Ring  ist, so daß ich von weiteren Quälereien meines kleinen Freundes in Form
eines längeren Wettkampfes absah.

Travelmaster - Mephisto MM V
Lv B5,Sel. an, Turnier-Bibi - Level 6

1.d2-d4 Sg8-f6 2.c2-c4 e7-e6 3.Sb1-c3 Lf8-b4 4.e2-e3 0-0 5.Lf1-d3 d7-d5 6.Sg1-f3 c7-c5 7.0-0 Sb8-c6 8.a2-a3 Lb4xc3 9.b2xc3 d5xc4 10.Ld3xc4 Dd8-c7 11.d4xc5 Sc6-a5 12.Lc4-d3 e6-e5 13.Dd1-c2 Tf8-d8 14.Ta1-b1

Er ignoriert einfach die Drohung des MMV!

Td8xd3 15.Dc2xd3 e5-e4 16.Dd3-d6 Dc7xd6 17.c5xd6 e4xf3 18.g2xf3 Lc8-d7 19.Tf1-d1 b7-b5 20.e3-e4 Sa5-c4 21.Lc1-g5 Sc4xa3 22.Tb1-a1 Sa3-c4 23.Lg5xf6 g7xf6 24.Ta1-a6 f6-f5 25.Kg1-g2 f7-f6 26.h2-h3 Kg8-f7 27.Td1-a1 Kf7-e6 28.e4xf5 Ke6-e5 29.Ta1-e1 Ke5-d5 30.Kg2-g3 Sc4-e5 31.Te1-d1 Kd5-c4 32.f3-f4 Se5-d3 33.Kg3-f3 Ld7xf5 34.d6-d7 Lf5xd7 35.Td1xd3

Gleiches Motiv, gleiches Feld, doch die Vorzeichen haben sich geändert!

Schade eigentlich  Kc4xd3 36.Ta6-d6 Kd3xc3 37.Td6xd7 a7-a5 38.Td7xh7 a5-a4 39.Th7-c7 Kc3-b2 40.Tc7-b7 Ta8-a5 41.Tb7-e7 b5-b4 42.Te7-e2 Kb2-a1 43.Te2-e1 Ka1-a2 44.Te1-e2
Ka2-a3 45.h3-h4 b4-b3 46.Te2-e3 Ka3-a2 47.Te3-e2 b3-b2 48.Te2-e1 b2-b1=D 49.Te1xb1 Ka2xb1 50.Kf3-g4 a4-a3 51.Kg4-g3 a3-a2  0-1

Hier ist vielleicht ein wenig Kritik angebracht: Wenn man im Info-Modus herum blättert, während der Computer gerade rechnet, weigert es sich standhaft,  den eben gespielten Zug noch einmal im Display anzuzeigen, eine Stellungsüberprüfung ist angesagt!

Desweiteren müssen Züge,  die der Travelmaster getätigt hat  nicht auf  dem Feld quittiert werden,  auch hier muß hin und wieder  die Stellung kontrolliert werden!

Auch zum Aufgeben ist der Kleine sich zu fein!

Doch  nach so viel herber Kritik durfte der Kleine wieder  zeigen, was  er kann:  Natürlich mußte er auch einige Stellungstests  über sich ergehen lassen.
Die schon so oft veröffentlichte Stellung Karpow-Chandler wurde in (heutzutage)
mäßigen 13'47'' gelöst.

Die ebenfalls bekannte Stellung Euwe-Aljechin, die in der CSS 1/87

Stellung:

W: Ke1 Dd1 Ta1 Ld3 Sc3 Ba2,b2,c4,d4
                        h1      g1                e3,f2,g2,g3
S: Kg8 Dd8 Ta8 Lc8 Sb8 Ba7,b7,c6,d5
                         f8  g7                    e7,f6,g6,h7

abgedruckt  wurde wurde in ordentlichen
3'02''  ihrer  Geheimnisse beraubt.

Andere  sind hier doch schneller.  Am schnellsten ist hier  wieder einmal der Vancouver 68020,  der kaum anfängt zu rechnen und schon die Lösung hat: In Zahlen 0'01'' oder in Worten "eine Sekunde"!!

Diese Beispiele zeigen schon,  daß die absoluten Spitzenzeiten von anderen  erzielt  werden,  aber für 240,- DM kann  man  schon  mal etwas  länger warten. 

Nur um die Verhältnisse wieder zurecht zu rücken.  Der Milano  zum Beispiel  braucht in diesen beiden Stellungen 0'58''  und  3'05'', also nicht gleich Buh schreien...!

Zu  guter  Letzt  stellt  sich  also  die  Frage,   kann  man  den Travelmaster empfehlen oder nicht?

Antwort laut Radio Eriwan:

Im Prinzip ja, aber...

Natürlich  ist der Kleine nichts für jemand,  der einen  perfekten Schachcomputer sucht.  Auch Leute, die häufig und länger unterwegs spielen   werden  sich  schwarzärgern  über  die   doch   häufigen Prgrammabstürze.  Gerade  angesichts der Tatsache,  da in  diesen Wochen  der Travel Champion von Saitek auf den  Markt  kommt,  der ersten  Tests zufolge wahrscheinlich keine Bugs  hat,  sollte  man sich  die Wahl überlegen,  aber wer einen Schachcomputer mit  Herz und Charakter sucht, der liegt mit dem Travelmaster genau richtig,

meint Karsten Bauermeister



P.S. : Als Ergänzung zu Karstens Bericht möge das Auftauchen des Fidelity Travel  Champions in der schwedischen Elo-Liste der letzten CSS 5/92 dienen: Platz 46. gleich hinter dem Turoking II mit immerhin 1869 schwedischen ELO.


Von einem der auszog
das Gruseln
zu lehren!

von
Thorsten Czub


Es mag jetzt elf Jahre her sein. Gerade war die Micro-Computer-WM
in Travemünde vorbei.  Mein bester Freund und Nachbar hatte  sich
in  einem Kaufhaus einen relativ teuren  Schachcomputer  gekauft.
Wieviel war es ?
798 oder gar 898,- DM ? Ich weiß das nicht mehr.
Ich weiß nur das dieser Schachcomputer
MK (=Mark) V hieß und  aus der  Schmiede  David Levys kommen sollte.  Soviel Geld  wie  mein Nachbar  hatte  ich  nie.  Auch  schon  damals  nicht.  Aber  das
bereitete mir keine Sorgen, gab es doch da diesen neuen deutschen
Schachcomputer der nur
698,- DM kostete.  Sie werden es ahnen, es war Mephisto II.

Oft spielten wir Partien zwischen dem WM-Mark V und meinem  Mephi II, und siehe da - der kleine Mephisto II gewann gegen den großen Mark V. 

Mephisto II hatte eine Mischstrategie.  Teils erfassend, teils selektiv.  Mark V war ein  B-Strategie  Programm,  d.h.  er überprüfte die Varianten die er erzeugte und für gut befand nicht durch vergleichen mit allen anderen Varianten   die es sonst noch so gab. Deswegen spielte er des öfteren einmal Fehlzüge. Er hatte ganz  einfach etwas übersehen.  Für die damalige Zeit  wohl  sehr menschlich  - aber das erwarteten wir damals keinesfalls von  den die Korrektheit gepachtet habenden Maschinen.  Gegen den Mephisto II  hatte der Mark V keine Chance.  Oft verlor er  Turniermatches mit
9,5 zu 0,5 !!

Einige   Jahre   später  brachten 
  Nitsche+Henne,   die   beiden
Starprogrammierer von Mephisto ihren
Mephisto III heraus.
Mephisto  III  war ein näherer Verwandter des Mark  V's  als  der
eigene Vorgänger,  der Mephisto II,    rechnete der Mephisto  III
doch  nach wenigen Zügen erfassender Komponente, relativ viele Züge  tief,   nach stark selektierenden Auswahlskriterien.  D.h.  wie der Mark V gab er  sich  Mühe möglichst viele Züge gar nicht  erst  bewerten  zu müssen  bzw.  dem Suchbaum hinzufügen zu müssen. 
Der  Trick  lag daran  die immer riesiger werdende Menge Müllzüge / Nullzüge  (d.h. ersichtlich unsinniger,  zum Stellungsproblem nichts beitragender Züge) gleich zu vergessen und niemehr aufzunehmen.  Mephisto  III war  sehr  extrem weil das Programm nur ca.
  2-4  Stellungen  pro Sekunde berechnete. Unglaublich!

Doch  der Erfolg war dem Mephisto III nicht  so  beschieden,  wie
seine komplexe Strategie versprechen sollte.  Andere,  einfachere
Geräte brachten den Mephisto III , genauso wie damals den Mark V,
schnell in den Untergang.  Der Kittingersche 
Super-Constellation
mit seiner auf A-Strategie fußenden Berechnungen zeigte die Fahne
der Zeit auf.

Es  kam die Zeit der Brute-Force Generation  der  Schachcomputer,
die  dann  später  von den Mischprogrammen wie  Rebell  und  Lang's Variationen vernichtet wurden.

Seit  Mark  V  und Mephisto III hat  es  keine  stark  selektiven
Programme  mehr  gegeben,  die es  geschafft  hätten,  unter  den
neuesten Geräten mithalten zu können.  Ein für alle mal hatte das
Prinzip  einer  flachen  auf  Rückwärts-Abschneidungen   fußenden
Brute-Force-Komponente   ,   überwuchert   von   einer   selektiv
funktionierenden  Spitzenrechentiefe mit vielen  taktischen  aber
auch  vereinzelten strategisch begründeten Vertiefungen über  die
reinen A, B oder C Programme gesiegt.

Die A-Strategie (Rathsmann) kam nicht  gegen die  Exponentialfunk-
tion  des Suchbaums an,  die B-Strategie (Mark V) machte  dauernd
Fehler, die C-Strategie (Mephi III, Pionier) auch, war dafür aber
zusätzlich   noch  zu  langsam  und  zu  komplex  als   das   die
Programmierer schnell Fortschritte machen, und Schachspiel weiter
in Begriffe fassen konnten.

So leben wir heute in einer Welt in der
"all chessprograms equal" 
sind um mit George Orwells verunglimpften Worten zu sprechen.

Sowohl  die  kleinen als auch die  professionellen  Großen,  also
angefangen von Nimzo,  Polgar,  MMV,  Super-Forte C,  Gideon, The
King,   M-Chess,  Scorpio,  Fritz  ...  alle  benutzen  sie  eine
Kombination  aus Alpha-Beta-Suche und nach  dieser  überprüfenden Stategie die auf Verdacht forschende und unüberprüfbare Selektive
Spitze (ich vernachlässige  dabei die Besonderheiten von FRITZ um nicht zu sehr zu verwirren und en detail gehen zu müssen).

Die Programmierer streiten sich nur noch über die Art und Weise der selektiven Spitze, wieviel vertiefen und wieviel nicht (siehe auch letzte MODUL) , von ihrem Gesamtkonzept aber, der A/B-Strategie wollen sie partout nicht ab.

Das  hat  dazu  geführt das alle unsere  Schachprogramme  bis  zu
einer   Rechentiefe  von,   na  sagen  wir  6-8  Halbzügen,  sehr
wasserdicht Schachspielen, d.h. ohne grobe materielle Fehlzüge zu
machen.

Aufgaben  werden  entweder  sehr  vorzeitig   gleich  durch   die
selektive Spitze gefunden,  was zu guten Lösezeiten führt,  oder,
je  nach Machart,  aber auf jeden Fall  irgendwann  später,  dann
durch die überprüfende A-Komponente,  die nichts unter den  Tisch
fallen  läßt  und mit Akribie selbst die  schwachsinnigsten  Züge
gegeneinander  aufwiegt und aus dem Vergleich die  Lösung  finden
muß.

Über diesen Horizont hinaus vermag die selektive Spitze noch  das
ein oder andere mal,  geleitet durch grandiose  Bewertungsansätze
einen  strategischen  Plan  finden  (oder  auch  eine   taktische
Pointe),  
sie  muß  es  aber  nicht.  Und  für  die  Brute-Force
Komponente   ist    die  Rechentiefe  eh  entfernte   Weite   des
Universums.

So sieht es 8 Jahre vor der Jahrtausendwende aus.  Erfolge werden
erzielt   durch   neue  Techniken  der   geschickten   und   noch
geschickteren Vertiefungen,  vor allem durch Hardwaresprünge (wie
uns demnächst wieder einer ins Haus steht wenn die CISC durch die
RISC Rechner ersetzt werden,  d.h. Motorola 680x0 und Intel 80x86 durch ARMx und Alpha und wie sie alle heißen) der Industrie.

Künstliche  Intelligenz,  sogenannte KI-Forschung der Universitäten hat bereits  in den  70er Jahren unsere Entwicklung auf  dem  Schachcomputermarkt vorweg genommen, nämlich das die Zeit der KI-Ansätze der B und C-Strategien für immer vorüber ist.

Wir Hobbyisten haben uns längst damit
arrangiert und es geht  uns
genauso  wie irgendwelchen
Auto-Oldie-Sammlern die mit Tränen  in den Augen die Vielfalt von Borgwart und Isetta bewundern und  mit Zorn   die   ewig  gleichen  und  nicht   mehr   unterscheidbaren
Scorpio/Passat/Omega/Audi/Carina  anschauen müssen. Die letzteren sind ja auch ganz nett, aber...

Vor  einigen  Jahren wurde ich,  noch bevor auch bei mir  der  PC
Einzug  ins Wohnzimmer hielt,  auf einen neuen Programmierer  aus
England aufmerksam.  Chris Whittington verkaufte da ein  Programm
namens 
Chess Player 2150.  Und dieses Programm  für Atari /Amiga spielte  doch  sehr  merkwürdig.  Nicht  sehr  erfolgreich,  aber merkwürdig.  Das erinnerte mich doch gänzlich an die alten Mark V und  Mephisto III Gründer-Jahre der idealistischen  KI-Forschung,
vor ihrer Aufgabe (mit der End-Moral nach 40 jahren Forschung: "Schach ist für KI wohl doch noch eine  Nummer zu groß !").

Bald darauf folgten weitere Kompilate von Herrn Whittington a  la
Chess  Champion  2175  und Chess Simulator  (der  eigentlich  ein Player 2150 mit anderem Etikett war). Doch - der Champion landete sogar  noch hinter dem Player 2150 in unserer schwedischen  ELO-Liste und noch in der letzten CSS konnte man die beiden bei  1668 ELO  (Champion 2175) und 1699 (Chess Player  2150) wiederfinden. 

Da beide Niveaus noch unter dem eines Excellence 3Mhz oder  Forte A's  liegen  kann man sich die "Leistungen" der beiden  Recken  gut vorstellen.


So  hatte  die Welt wohl einen 
talentierten  Schachprogrammierer mehr,  aber  auch  denselben  gleich  wieder,  durch  die  magere
Leistung  unhaltbar,  in  unserer  Leistungsgesellschaft,  gleich
wieder verloren (thats living, that business).

Woran  lags?  Nun:  die Hash-Tables beim AMIGA /ATARI- Champion  funktionierten (noch) nicht  wie  sie sollten.  Die Wahl für die  B-Strategie  die  der Programmierer  selbst  ausgesucht hatte zog  ihre  systemimmanten Fehler  nach  sich:  einzügiges vergeben  ganzer  Partien  durch krasse    Fehlzüge,   Horizontprobleme.    Grobe positionelle Fehleinschätzung, passives Spiel.

Nachdem  auch die von mir
1990 erstrebte Kommunikation mit  Herrn Whittington nicht den gewünschten Dialog fruchtete ,  gab ich die Idee  für  verloren,   schmollte weiter  zwischen  meinen  normalen Schachcomputern/programmen.

Doch Whittington gab derweil nicht auf (was ihm hoch  anzurechnen
ist).  Auch  wenn in Deutschland und Österreich Leser
vom  teuren
Whittington-Schrott  sprachen
und von angeblichen Prügeleien  des Herrn  auf  der Lyon WM berichteten,  wenn seine  Programme  auch förderhin  nicht in der schwedischen ELO-Liste stiegen und  deren gespielte  Partien die Feder des einen oder anderen  Kommentators zu  Hochleistungen beflügelten (Modul 1/91:"In seinem News  Sheet meint Eric Hallsworth,  der Chess Champion 2175 (praktisch  identisch  mit dem Simulator) sei durchaus  imstande,  ein  passables Mittelspiel aufs Brett zu legen,  verpatze aber dann meist  alles im Endspiel. Unter anderem belegt er das mit der folgenden Partie in  der der Simulator gegen den Super Vip vorübergehend  in  eine Gewinnstellung gerät, die er dann doch nicht ausnützen kann:"  !! Aha! Tenor: Simulator gerät gegen 1682 ELO-Gerät vorübergehend in eine  Gewinnstellung,  kann diese aber nicht aushalten  !  Welche Aussage,  und dabei noch zitiert!!  Sehr klug Herr  Mally!!  Oder ebenda Herr Mally:  " die nächste Version (für Atari,  Amiga  und Macintosh) soll nicht nur ihre Analysen ausdrucken , sondern auch Partien  über MODEM spielen können - zwei Computer  könnten  also (sofern sie dasselbe Modem-Protokoll haben) telefonisch miteinander  verbunden  werden  und auf diese Art  und  Weise  ganz  ohne menschliches Zutun ihre Partien abwickeln!  Zweifellos eine innovative  Idee,  die  allerdings ohne eine  gleichzeitige  radikale Verbesserung des Programms eher dem Versuch gleicht,  durch  eine luxoriöse Verpackung zu verschleiern,  daß der Inhalt bereits das Ablaufdatum überschritten hat.") 


Mehr  oder  minder der Zufall ,  oder  Unkenntnis  ob des längeren Bestehens des Chess Champion 2175 für PC,war es, die vor
einigen Monaten dazu führte,  daß die Firma Gambit-Soft den Chess-
Champion  2175  irrtümlich als 
"neues" Programm   anpries,  ohne  so  recht  zu Wissen, welche Geschichte dieses Programm bereits hatte.
Es wurde sogar ein CSS-Artikel von mir mit der "Neuerscheinung" eingeplant, und nach meinem Einwurf dann wieder
verschoben.

Als  ich  Herrn  Seifritz  und  die  anderen  Beteiligten  dieses
gelungenen  Auswahlverfahrens auf den Faux pas hinwies  fiel  mir
ein, daß ich ja auch mittlerweile einen PC mein eigen nannte, und,
wenn ich das Programm schon einmal per Post erhalten hätte,  doch
nun trotz des bekannt enttäuschenden  Verhaltens der Atari/Amiga -
Version   doch   nun   dasselbe  Versagen   auf   PC   wenigstens
verifizieren und ein für alle mal abhaken und begraben könnte.

Wie  so  häufig wenn selbst bei mir (durch  Enttäuschung  in  der
Vergangenheit)   sich  (derartige)   Chauvinismen   einschleichen
zeitigt  das Murphy-Prinzip (denn es kommt garantiert anders  als
man es erwarten will) wahre Heilwirkung und Wunder:


Mein 486-33er PC auf dem ich schon
Zarkov und Fritz die eine  und
andere   Partie   dumm   gegen   viel   lahmere   Gegner   (8-Bit
Schachcomputer und nicht zuletzt Mephisto Berlin 68000) verlieren
sah  und  mich fragte:  warum überhaupt diese Hardware  wenn  die
Software  scheinbar 
zu  blöde  ist,  im  Varianten-Müllberg  die
Stecknadel zu finden.

Dieser 
486er  PC der also schon mit  anderer  Software  bewiesen
hatte  daß
Hardware und seine enorme Geschwindigkeit allein  noch keinen  Meister  machen,  wurde  nun gefüttert  mit  dem  "neuen" Whittington  Programm Chess Champion 2175 Version 1.01,  und  ich dachte selbst - naja - bei 1800 wird er sich wohl einfinden.
Bald  stellte sich heraus das die Version
1.01 noch  einige  Bugs
beinhaltete 
(der Editor liebte es nicht Bauern zu versetzen  und
En Passant war verkehrt programmiert)
, weswegen ich mich an einen Leser (Herrn Schüle aus Leutenbach) wandte der , nach  Kommunikation mit  Whittington  und Hinweis auf mindestens 4 Fehler,  eine nur für Ihn gemachte Version  1.04 zugesendet bekam.
Bereits hier schien meine
Intuition Alarm zu schlagen. War es nur der Neid  daß Herrn Schüles Kommunikation fruchtbarer war  als  meine eigenen Versuche vor 2 Jahren?
Lag  es daran daß meine ersten Erfahrungen mit dem Champion  2175 besser  waren als erwartet ? 
Herr Schüle aus  Leutenbach  meinte jedenfalls  nicht daß das Programm "so gut  spiele".  Schließlich hätte  er  einen  80386-33  eingesetzt  und  der  Champion  würde manchmal "so  merkwürdig spiel'n" so er,  und  "selbst  gewonnene Partien wieder abgeben".
Ich schmunzelte ob dieser Feststellungen,  waren sie doch  gerade
der
entscheidende Punkt für mein ganzes Interesse überhaupt.  Das in  unserer  Zeit  überhaupt noch ein Programmierer  mit  der  B-Strategie seine Erfolge sucht! Klar daß der Champion nicht das 7-
8  Halbzüg
e wasserdichte Schach seiner Mitbewerber spielte -  wie auch ?

Also trat ich erneut an und testete den Champion auf
80486-33 mit
2 MB Hash-Tables aus meinen 4MB-Speicher.


Hier meine kuriosen und begeisterten Erfahrungen:


Zuallerest   probierte   ich   ob   die   Hash-Tables    wirklich
funktionierten  (was  sie z.B.  bei der  Atari-Verion  gar  nicht
taten).
2 Stellungen waren es die sich anboten: Beide entnahm ich der CSS 5/91. Auf Seite 24 l.o. eine Leser Teststellung in der es Txc7 zu
finden galt.  Gleich vorweg,  der Champion fand den  Schlüsselzug
nicht.  Dennoch gab er mir wichtige Erkenntnisse: ich stoppte die
Zeit  bis  der Champion in den
15.Halbzug  gerechnet  hatte.  Das
waren ohne Hash-Tables
2h58'. Mit Hash-Tables immerhin nur 8'!!
Das ist ca.
Faktor 22 !

Stellung 2 des damals neu vorgestellten
BT-Testes (Seite 39)  war
Meßlatte 2: 
Lxb6 wurde ohne Hash-Tables nach 13'  gefunden,  mit Hash-Tables nach 3'6". Immerhin noch Faktor 4.

Die Hash-Tables funktionierten also.

Jetzt noch schnell überprüft ob der in Version 1.01 vorhandene En
Passant-Fehler  in  1.04 ausgeräumt war und man  den  Äußerungen,
alle bei 1.01 gefunden Fehler sind ausgebessert halbwegs Glauben
schenken  durfte,  denn legales Schach mußte das  Programm  schon spielen, sonst hatte keine Turnierpartie Sinn, oder ?

So  konnte man im 2 Spieler Modus dem
V1.01 noch  folgende  nette
Zugfolge   abgewinnen:   1.b4   d6  2.b5  c5   3.bxc   (ep)   und
korrekterweise  verschwand auch der Bauer c5 auf  dem  Spielfeld.
Doch dann 3... dxc??? (ep???) und der D-Bauer schlug ins Leere !!

Der  Champion
1.04 nahm 3...dxc???  natürlich nicht an.  Für  ihn
stand kein Geisterbauer mehr auf c5.

Da es wenig Sinn macht ein B-Strategie-Programm mit Stellungen zu quälen,  die  längst von vielen Mischprogrammen gefunden  werden,
denn  die B-Strategie hat ja ihre Stärken gerade
NICHT im  Finden
von bestimmten Zügen in bereits gewonnenen unausgeglichenen,  die Pointe  wohl  versteckt aber doch auf  jeden  Fall  beinhaltenden
Stellungen  ,sondern im
ERfinden von nicht vorhandenen  Lösungen
in
Balancestellungen, fing ich also gleich mit den Turnierpartien
an. 

Turnierpartien  (40  in  120)
sollten es  schon  sein     -  denn
Blitzpartien (so dachte ich mir zuerst naiv) sind nicht gerade die Stärke von  B-Programmen,  und außerdem sind Blitzgames mir zu stressig.

Ich  stellte  also einen
bunten Reigen von Gegnern  zusammen  der sich folgendermaßen besetzte:

Mephisto Milano                            1949 ELO
Fidelity EAG 2 = Mach III              1998 ELO
Novag Diablo 68000                    1992 ELO
Berlin 68000 = Vanc. 68000        2127 ELO
Vancouver 68020                          2172 ELO
                                                          --------
Elo-Gegner-Schnitt                     2048 ELO

Also eine erlesene Gegnerschar unterschiedlichster  Programmierer
und  Klassen  und  jeweils
gute Meilensteine  um  Zufällen  (z.B.
Angstgegner eines Programmierers) vorzubeugen. Die Avantgarde der A/B-Mischprogramme.

Könnte  ein
B-Strategie-Programm,  dessen Besitzer  und  Bediener jeden  Zug  einer  Partie die  Befürchtung  hegen  muß,  daß  das Programm einen entscheidenen Sachverhalt übersieht, d.h. wegläßt, gegen  diese  Horde bewährter  wasserdichter  Misch- programme  bei jeweils  10 Turnierpartien überhaupt aushalten ohne  sich  bei jeder  Partie die Haare aus dem Kopf zu raufen und vor  Scham  ob einer verlorenen Kurz-Patzer-Partie in den Boden zu versinken?

Spannung war jedenfalls gegeben.

Silke und ich,  die wir mittlerweile beide einen PC  haben,  luden
deswegen  meinen  ehemaligen  Nachbarn aus  Oggersheim  zu  einem Ferienaufenthalt bei uns ein.  Er sollte oben aufgeführte Schätze mitbringen, wir hätten da so ein neues Programm,  "den Nachfolger von  Chess Champion 2175 für Atari/Amiga!".  Besagter  ehemaliger Nachbar,  ausgewandert  und  geläutert,  schaute  2  mal  in  die schwedische Elo-Liste,
lachte erstickt,  und reiste dann mit dem Zug,  (sein  Auto hatte er mal für einen Schachcomputer verkauft) ins Silke und mir heimatliche  Lünen.  Seine  hämischen  Bemerkungen,  die  er  mit Zitaten aus diversen (dem deutschsprachi- gen Raum angehörigen) Zeitschriften spickte,  will ich hier  nicht erwähnen.  Jedenfalls lockte ihn kostenlose Kost und Logis  sowie der  potentielle Endsieg und die ultimative Revange für  all  die vergebenen  Jahre,  und  - was man  nicht  unterschätzen  sollte, Silkes feistes weibliches Mondgesicht,  denn er sollte auch  halbe Zeit  bei Silke nächtigen.


Zuerst war es der Mephisto Milano,  dem er,  eine ELO-Zahl  Herrn
Weigels   zitierend (!)  noch  mindestens  hypothetische   ELO   2000 postulierte, wenn auch die real existierende marktwirtschaftliche Zahl bei "etwas weniger" lag.

-------------------------MILANO------------------------


"Eigentlich sollte schon der Milano alles klar machen!"  prustete er.
Silke  und ich
gaben uns gelassen.  Ich kochte  Tee,  während  er
schon mit Silke die Eröffnungsphase der 1.  Partie abspulte. Nach
einer  heißen  Partie  gewann  der Champion  im  Endspiel  mit  2
verbundenen Freibauern.
"Zufall", so mein alter Nachbar.

In  der  2.Partie konnte der Milano, nachdem er  einen  Läufer  so
weggestellt  hatte,  daß  er ihn nicht mehr halten  konnte,  einen
Königsangriff spüren und war schon nach 29 Zügen am Ende.  2:0
für den Champ.

2.Turnierpartie
Milano : Champion 2175

1.c4 Sf6 2.Sf3 e6 3.d4 Sc6 4.Sc3 Lb4 5.Ld2 d5 6.e3
(Noch steht Weiß ja besser.) 6... Lxc3 7.Lxc3 Se4 8.Ld3 Sxc3
9.bxc3 0-0 10.Dc2 g6 11.0-0 b6 12.e4 dxe4 13.Lxe4 Lb7
(Der weiße Vorteil ist etwas geschwunden. ) 14.Se5 Sxe5 15.Lxb7
Tb8 16.La6 Sg4 17.Tae1 Dd6 18.f4 (Jetzt hat Schwarz das Zepter in der Hand.) 18... Tfd8 19.De2 h5 20.h3 Sh6 21.Dd2 c5 22.Te4 Sf5 23.Td1 cxd4 24.cxd4 Da3 25.Lb5 a6 26.Lc6 Tbc8 27.Lb7 Tc7 28.g4 hxg4 29.hxg4 Dg3+ Und Weiß hat keine Chance mehr.

Nach  fünf Partien hatte sich der Milano wieder gefangen  und  es stand 2,5 : 2,5.

Nach 10 Partien konnte der Champion mit 7:3 in Führung gehen.

---------------------ELITE 2-------------------


Nun mußte der Elite 2 = Mach III in die Eisen steigen und zeigen,
daß er ein starker Taktiker ist.  Bislang hatte der Champion sich
ja keine Blöße gegeben.

Das ganze Unternehmen
war ein Fiasko.  In so gut wie jeder Partie
ging  der  Mach III-Verschnitt mit  wehenden  Haaren  unter.  Ich
erspare Auszüge. Sie können sowieso bei Interesse alle Partien im
Champion-Partien-Format bei der Redaktion anfordern.
Der Elite hatte wohl zuwenig Ahnung von Positionsverständnis.

Nach 10 Partien konnte der Champion mit 8:2 siegen.


------------------SCORPIO 68000-----------------

Nun  - mein Nachbar ahnte vielleicht schon was da noch alles  auf
ihn zukommen sollte. Diese Nacht schlief er ganz unruhig und soll
an  Dave  Kittinger gebetet haben,  daß wenigstens  dessen  neues
Gerät nicht so untergehe.

Silke meinte nur, wir sollten schon einmal damit rechnen, daß mein
Nachbar,  wie  so häufig,  irgendwann seine  Kontrolle  verliert.
Naja.

Gleich die 1.Partie barg große Überraschungen:

1.Turnierpartie
Champion 2175 : Scorpio 68000

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 e6
7.f4 Le7 8.Df3 Dc7 9.0-0-0 Sbd7 10.g4 b5 11.Lxf6 Sxf6
12.g5 Sd7 13.a3 Tb8 14.h4 b4 15.axb4 Txb4 16.Lh3
Db6 

DIAGRAMM

Nachdem beide Geräte nun diese 16 Züge Theorie gespielt haben ist es am Champion verwirrende aber geniale Züge zu spielen.

17.Sf5! (auf exf ? kommt natürlich Sd5, so aber...)
17... Lf8 18.b3 exf5 19.Sd5 Dc5 20.Sxb4 Dxb4 21.exf5
(Na - man muß sich jetzt schon zünftig dem schw. König widmen.)
21... Lb7 22.The1+!

DIAGRAMM

Le7 23.De3

23...d5?  Dieser Zug geht ins Auge denn er erlaubt dem Weißen den
wichtigen   schwarzen   Läufer  b7  zu  fesseln   und   letztlich
auszuschalten womit alles zusammenbricht.

24.Lg2 Da3+ 25.Kb1 a5 aha?! 26.Lxd5 Lxd5 27.Txd5 a4 28.Ta5 0-0
29.Txa4  und der Scorpio kann aufgeben.



In  der 5.Partie strickt der Champ geschickt ein Mattnetz um  den
schwarzen König.

5.Turnierpartie
Champion 2175 : Scorpio 68000



1.e4 e5 2.f4 Sf6 3.fxe5 Sxe4 4.Sf3 d5 5.d3 Sc5 6.d4 Se4
7.Sbd2 c5 (Weiß steht besser.) 8.Lb5+ Ld7 9.Lxd7+ Dxd7
10.c3 Sc6 11.De2 Dg4 12.0-0 cxd4 13.cxd4 0-0-0 14.Sb3 f6
15.Le3 fxe5 16.dxe5 Sxe5 (Jeder versucht sein Glück auf seinem
Flügel, der Weiße hat mehr Atem.)
17.Dc2+ Sc4 18.Se5 De6  19.Sxc4! dxc
4 20.Sd4 (Schwarz kann nur noch zuschauen wie er untergeht.)
20... Dg6 21.Dxc4+ Kb8 22.Sb5 Ld6 23.Lxa7+ Ka8 24.Da4 h6
25.Tac1 Lxh2+ 26.Kxh2


Auch die 6.Partie war für den Scorpio ein Fiasko.

6.Turnierpartie
Scorpio 68000 : Champion 2175



1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Lc5 5.c3 Dh4 (Sehr mutig.)
6.Dd3? (Besser wäre Le3 gewesen.) 6... Sf6 7.Sd2 0-0
8.g3 Dh5 9.Sxc6 dxc6 10.b4 Le7 11.Dc2 Lg4 12.Lg2
(Während Schwarz längst Ruhe hat, kämpft Weiß
immer noch um Schutz am Königsflügel) 12... Lh3 13.0-0?

DIAGRAMM

Ein bißchen zuviel des Guten! Weiß hat seinen Bogen überspannt.)
13... Lxg2 14.Kxg2 De2!! sehr gut. (Schwarz läßt nicht locker.)
15.Kh1 a5 16.Dd1 Dxd1 17.Txd1 axb4 18.Lb2
DIAGRAMM
(4 gegen 2 Bauern, das müßte ja wohl zu schaffen sein, oder.)
18... Sg4 19.Tf1 Tfd8 20.Sc4 b5 21.f3 Sxh2 22.Kxh2 bxc4
23.Tf2 Lf6 24.Tc2 b3 25.axb3 Txa1 26.Lxa1 cxb3 und  keine 
Chance für Weiß.


Nach  10  Partien stand es gegen den Scorpio 68000  7:3  für  den Champ.

Mein Nachbar
war gar nicht mehr zu beruhigen. Silke weigerte sich ihn bei sich aufzunehmen.  "Der soll mal schön bei dir  bleiben!" So mußte ich mir das antun.
Seine letzte Rettung, so meinte er, wären seine
2 Vancouvers, die
WM von gestern auf die man sich verlassen konnte.

---------------------------Berlin 68000---------------------


Silke und ich waren nach den Partien und den bisherigen Ergebnis-
sen eigentlich schon zufrieden.


Jetzt konnte nur noch der Vancouver,  d.h. Richard Lang den Champ
aufhalten, oder ?

Übrigens:
Der Berlin 68000 ist, wie wir berichteten ein  Vancouver 68000. Er
ist
nicht 2x langsamer als ein Vancouver 68000   (ganz helle Köpfe haben meinen Artikel scheinbar sogar gelesen!) sondern,  genau wie
letzterer,  natürlich
2x langsamer als ein  Vancouver  68020,  ein
kleiner Unterlassungsfehler beim Eintippen der bei  einigen Lesern
zu Proteststürmen führte.

Aber nun der Berlin:

8.Turnierpartie
Champion 2175 : Berlin 68000


Der   Champ  übersieht  ein  positionelles   Qualitätsopfer   des
Vancouvers. Mal ehrlich, hätten Sie es gesehen ?

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.c3 Sf6 4.Ld3 Lg4 5.Lb5+ Sc6 6.d3 a6
7.Lxc6+ bxc6 8.0-0 e5 9.Sbd2 Le7 10.Sc4 0-0 11.b3 Tb8
12.Te1 h6 13.Le3 Lh5 14.Tb1 Dc7 15.Ld2 Sh7! (Ein guter Zug,
bereitet der doch den Sieg versprechenden Plan ein.)
16.De2 f5! 17.Se3 fxe4 18.dxe4 Sg5
19.Sf5 Sxf3+ 20.gxf3 Tb6 21.c4 Dd7 22.La5 Tbb8
23.Tbd1? (Besser wäre Dxd3 gewesen, aber der Champ hat
wohl nicht mit dem nächsten Zug gerechnet) 23... Txf5!
24.exf5 Dxf5 25.Td3 Tf8 26.Kg2 d5 (!! sehr gut.) 27.cxd5 cxd5
28.Kh1 Ld6 29.Tg1 und nichts geht mehr.

Nach  10  Turnierpartien stand es nur knapp 5,5  :  4,5  für  den
Berlin.


Mein  Nachbar atmete tief aus. 
"Na!",  sagte er,  "da  hat  sich
wenigstens  DIE Anschaffung gelohnt."
Silke und ich fragten  uns, ob da nicht ein Zittern in seiner Stimme lag,  denn so knapp  wie
das Ergebnis war...

-------------------------Vancouver 68020-------------------------

Am spannendsten war ( wegen der zu erwartenden Distanzierung  des Champions  ,  nach  den letzten Schwierigkeiten mit  dem  kleinen Bruder, dem Berlin) die Begegnung mit dem
Vancouver 68020.

Allein 7 ganze Partien wurden REMIS !!!

Lediglich oder immerhin  3 Partien konnte der Vancouver für  sich
verbuchen.

So  stand es nach 10 Turnierpartien 6,5 :  3,5 für den  Vancouver
68020.


50  Turnierpartien waren geleistet und Silke und ich  waren  noch
immer 
hochmotiviert.  Schließlich hatte unser Programm sehr  gut
abgeschnitten,  bedenkt  man seine Herkunft (
siehe  schwed.  ELO-
Liste  die Einschätzung des Champion 2175 ATARI/AMIGA
) und  seine Strategie,  gar nicht erst alle Züge durchzurechnen,  sondern nur die "Interessanten" .

---------------------------------------------------------------


Hier eine Gesamtübersicht der geleisteten Partiearbeit:

Champion 2175 V.1.04 auf 486-33 256KByte Cache:

1) gegen  MEPHISTO MILANO:                     MIL
1cch_mil        französich              48      1:0     0  :  1
2mil_cch        englisch                 29      0:1     0  :  2
3cch_mil        slawisch                 73      0:1     1  :  2
4mil_cch        ?                             60      1/2     1,5:2,5
5cch_mil        russisch                 53      0:1       2,5
6mil_cch        budapester-gam. 41      0:1     2,5:3,5
7cch_mil        französisch           36      1/2      3  :  4
8mil_cch        französisch           42      0:1      3  :  5
9cch_mil        caro-kann              80      1:0     3  :  6
Amil_cch        philidor                  66      0:1     3  :  7        
                                                                             -------
champion                                                           6+
                                                                            2-
                                                                            2=



2) gegen  FIDELITY ELITE 2 (=MACH III)         EL2
1el2_cch       caro kann                48        1:0     1  :  0
2cch_el2       slawisch                  58        1:0        1
3el2_cch       e3                            42        0:1     1  :  2 
4cch_el2       damenb.                 59        1:0     1  :  3
5el2_cch       wiener partie          66        1/2     1,5:3,5
6cch_el2       sizilianisch              38        1:0     1,5:4,5
7el2_cch       reti                            37        0:1     1,5:5,5
8cch_el2       sizilianisch               43        1:0     1,5:6,5
9el2_cch       4 springersp            28        0:1     1,5:7,5
Acch_el2       englisch                   74        1/2     2  :  8
                                                                                -------
champion                                                               7+             
                                                                                1-
                                                                                2=





3) gegen  NOVAG SCORPIO 68000:                 SCO

1cch_sco        sizilianisch              29      1:0     0  :  1
2sco_cch        spanisch                 78      1/2     0,5:1,5
3cch_sco        grobs angriff           22      0:1       1,5
4sco_cch        französisch             56      1/2        2
5cch_sco        königsgambit         26      1:0     2  :  3
6sco_cch        schottisch               26      0:1     2  :  4
7cch_sco        ang.damengamb.  35      0:1     3  :  4
8sco_cch        sizil.alapin              20      0:1     3  :  5
9cch_sco        ?                              48      1:0     3  :  6
Asco_cch        englisch                  66      0:1     3  :  7
                                                                               -------
champion                                                               6+
                                                                                 2-
                                                                                 2=


4) gegen  MEPHISTO BERLIN 68000
             (= Vancouver 68000):              BER

1ber_cch        reti                          62      1:0     1  :  0
2cch_ber        katalanisch            38      1/2     1,5:0,5
3ber_cch        sizilianisch             66      1/2     2  :  1
4cch_ber        wiener-partie         63      1:0        2
5ber_cch        philidor                   60      0:1     2  :  3
6cch_ber        englisch                  36      1/2     2,5:3,5
7ber_cch        aljechin?                 40      1:0       3,5
8cch_ber        sizilianisch             28      0:1     4,5:3,5
9ber_cch        damenindisch       64      1/2     5  :  4
Acch_ber        pirc                         51      1/2     5,5:4,5
                                                                              -------
champion                                                              2+
                                                                               3-
                                                                               5=


5) gegen   MEPHISTO VANCOUVER 68020:            VAN
1cch_van        englisch                  51      1/2     1/2:1/2
2van_cch        französisch             40      1/2     1  :  1
3cch_van        ang. Dameng.        42      1/2     1,5:1,5
4van_cch        reti                            55      1/2     2  :  2
5cch_van                                          65      0:1     3  :  2
6van_cch        ?                                30      1:0     4  :  2
7cch_van        f3  !!??!!                    27      0:1     5  :  2
8van_cch        italienisch                 13      1/2     5,5:2,5
9cch_van        königsgambit           32      1/2     6  :  3
Avan_cch        2 springersp.           40      1/2     6,5:3,5
                                                                                -------
champion                                                                3-
                                                                                 7=


Nach 
50 Turnierpartien und  vielen    Stunden Arbeit, die jedoch
Spaß gemacht haben weil der Champion gut     und      intelligent
Schach gespielt hat, steht es für den
Champion 2175   30 : 20 bei
21+/11-/18= !!!
In Kürze werden Silke und ich neue Partien zwischen dem Champ und 
486er M-Chess, Fritz, Zarkov 2.6, Sargon 5 und letztlich Megathon, The King und Gideon vornehmen.
Es wird dort sicherlich einige Skalpe zu holen geben und etliche schnelle Taktik-Monster werden bluten müssen, durch des Champs machtvoll geführtem Zauberschwert, nur die "wichtigen", die "Interessanten" Züge durchzurechnen, und die anderen ganz wegzulassen. Warten Sie es ab.

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Nach diesem Show-down hatte mein alter Nachbar, trotz der letzten
20  relativ  glimpflich verlaufenen Partien seiner  beiden  Lang-
Geräte schlechte Laune.
Wir gaben dann noch den
Bednorz-Tönnissen-Test ein und siehe  da, auch  hier  schnitt  der Champion für  ein  B-Strategie  Programm
unglaublich gut ab, aber schauen sie selbst:

Nr   Min  Sek
1    15
2    3    4
3    3    21
4    15  
5    15
6         31
7         10
8    4    38
9    1    48
10   15
11   15
12   15
13   15
14   3    37
15        0
16        50
17        6
18        24
19   15
20   15
21        59
22   2    50
23        24
24   15
25   15
26        50
27   15
28        4
29        8
30   15


17  gelöste Aufgaben
218,73 Minuten = 2012,54 BT-ELO,  das  ist laut  Liste aus CSS 6/91 S.33 Platz 19 direkt vor MMV  16Mhz  und
noch
vor Porto 32 und damit gutes Mittelfeld.

Was wollten wir mehr?


Im weiteren sei erwähnt das der Champion durch seine   B-Strategie
ein sehr guter Blitzspieler ist, will sagen, daß er  sich auf meinem 486er bei Rechenzeiten zwischen
15"-30" sehr gut  selbst gegen
die stärksten Geräte zeigte.
Woran das liegt ist auch klar. In dieser  kurzen   Zeit kommt der
Champ
sehr tief (im Vergleich zur A/B-Mischkonkurrenz) und hat schon denselben Schachverstand wie bei 3' Rechenzeit, aber die Konkurrenz nicht.
Die Leistungskurve vom Champ ist nicht so steil wie bei den
A/B-Programmen,  sie ist mehr flach,  dafür aber linear.
Sie kennt vor allem nicht so sehr den Effekt, mit zunehmender Rechentiefe immer flacher zu werden.

Während die A/B Programme wegen der wenigen Brute-Force- Rechentiefe noch keine  klaren Erkenntnisse gewonnen   haben, scheint der Champ da ganz gut zu sein.
Hier 1 Blitzbeispiel gegen den von IGM John Nunn wegen seines Blitzspiels so hochgelobten The King 1.0:

Ich erspare mir Kommentare, die Partie ist eindeutig:

1.Blitzpartie, 15" pro Zug bei beiden

Champion 2175     RISC The King 1.0
   1. d2-d4            d7-d5
   2. c2-c4            Sb8-c6
   3. Sb1-c3           d5xc4
   4. Sg1-f3           Sg8-f6
   5. d4-d5            Sc6-b8
   6. e2-e4            e7-e6
   7. Lf1xc4           e6xd5
   8. e4xd5            Lc8-f5
   9. O-O              Sb8-d7
  10. Lc1-f4           Lf8-e7
  11. Sc3-b5           Ta8-c8
  12. Sb5xa7           Tc8-b8
  13. Sa7-b5           Tb8-c8
  14. Ta1-c1           Sf6-e4
Hier konnte man bereits Wetten abschließem ob The King jemals
die Rochade schaffen würde.
  15. d5-d6            Se4xd6
  16. Lf4xd6           c7xd6
  17. Sb5xd6+          Le7xd6
  18. Dd1xd6           Tc8-c6
  19. Dd6-b4           Dd8-b6
  20. Lc4-b5           Ke8-d8
  21. Sf3-g5           Lf5-g6
  22. Db4-a4           Tc6xc1
  23. Tf1xc1           Sd7-b8
  24. Da4-c4           Sb8-c6
  25. Dc4-d5+          Kd8-c7
  26. Sg5xf7           Lg6xf7
  27. Dd5xf7+          Kc7-b8
  28. Df7xg7  und Silke, deren The King es war, hatte
               keine Lust mehr.
1:0

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Interview:


Wie schafft der Champion 2175 überhaupt so gut zu spielen wenn er
keinen Brute-Force-Sockel hat?
Wie vermeidet er häufiges "Übersehen" von gegnerischen Drohungen?
Das  sind  Fragen  die uns am häufigsten  beim  Zuschauen  seiner
Partien in den Sinn kamen:

Chris Whittington meinte darauf nur lapidar:

Mein Programm weiß einfach eine Menge über Schach. Früher hat es, ohne    dieses    implantierte    Wissen    immer    gegen    die
Konkurrenzprogramme  verloren.  Da das Programm interessante  von uninteressanten   Zügen  selektiert,   war  einzusehen  daß   die
Kriterien für "Interessante Züge" wohl noch nicht umfassend genug
waren.  Daher bemühte ich mich noch mehr Wissen  einzubauen.  Und plötzlich spielte es sehr viel besser.

SCW:  Das erinnert sehr an die plötzlichen Erfolge Richard Langs.
Verwenden     Sie     eventuell    auch     eine     Asymmetrische
Suchbaumselektierung wie Lang ?

Whittington:  Nein,  mein Programm selektiert beide  Rechentiefen
gleich stark.

SCW: Wieviel Äste werden abgeschnitten ?

Whittington:  Soviel wie möglich. Nein im Ernst, das ist generell
natürlich sehr schwer zu sagen,  man kann aber sagen,  im  Mittel
schneide ich mit meinen Vorwärts-Abschneidungen genausoviele  Äste ab,  wie die Konkurrenz mit ihren Standard-Apha-Beta  Algorithmen rückwärts abschneidet.

SCW:  Nur mit dem Unterschied das sie überhaupt nicht garantieren
können,  daß innerhalb Ihrer Berechnungen einer bestimmten  Halb-
zug-Tiefe     auch     alle    relevanten    Züge     mit     dem
Unterscheidungskriterium "Interessant" verfolgt worden sind.
Was machen Sie eigentlich wenn ihr Programm wegen eines typischen B-Strategie-Abschneidungsfehlers  einen  plumpen   Horizontfehler begeht  und eine Figur einstellt oder eine gut  gespielte  Partie wieder abgibt ?

Whittington:  Mehr  Wissen über diese kritische Stellung  einpro-
grammieren!

SCW:  Warum spielt ihr Programm so menschlich und warum plant  es richtige  Manöver,  räumt Figuren aus dem Weg und iast so gut  im Lavieren ?

Whittington:
Die Stärke meines Programms ist zum großen Teil darin  begründet,
das  es an jeder Stelle des Suchbaums mit seinem gesamten  Wissen aufwarten   kann.   Dabei  erkennt  es  die  meisten   kniffligen Situationen   und   Wendepunkte,   die   andere   typische   A/B-
Mischprogramme erst errechnen müssen,  gleich statisch über seine
Bewertungsfunktion,  d.h.  ohne die Gewinnzüge erst ausführen  zu
müssen und dann durch hohe Bewertung der Endstellung zum Ergebnis zu kommen: aha - die vorhergehende Variante war gut!

Daher sieht mein Programm Angriffsmarken und Drohungen der Gegner viel eher und kann seine Figuren so lavieren,  daß die Motive der Gegner ins Leere laufen bevor diese das selbst in ihrem  Horizont verstanden haben.

Mein Programm spielt daher meistens so,  als ob es außerhalb  des
Horizontes der Gegner laviert.  Selbst wenn es da nicht immer die
besten  Züge findet,  gelingt es den Gegnern deswegen nie  meinem
Programm wirklich ernsthaft gefährlich zu werden.

SCW:  Das stimmt.  Oft hatte man den Eindruck,  nicht der Gegner,
sondern  der Champion selber besiegelt  sein  Schicksal,  einfach
indem er einen Sachverhalt wegselektiert oder nicht.

Soweit  mir  bekannt ist,  hat man an  den  Universitäten  längst
aufgegeben  Schachprogramme nach Ihrer Methode zu programmieren.
Damals , in den
70ern erkannte man, daß es viel zu schwierig sei,
hochkomplizierte     Sachverhalte    aus    dem     Schach     in
Bewertungsalgorithmen  zu  fassen.  Deswegen haben  dann  in  den
Mitte-80ern auch alle Schachcomputer aufgehört so zu rechnen  und
in   den 
  90ern   haben   wir   eigentlich   einen   Chor    von
gleichfunktionierenden Programmen.
Glauben Sie trotzdem mit Ihrer Methode   sich  für  die  Zukunft  weitere  Chancen  gegen   eine Gegnerschaft  wie The  King,  Gideon,  Vancouver,  Spracklan  und Kittinger,   Morsch   und  Marty  Hirsch  bewahren   zu   können,
schließlich  haben  diese Programme nie  das  Problem,  innerhalb
ihres   Brute-Force-Sockels   ernsthafte  taktische   und   grobe
positionelle Fehler zu begehen?

Whittington:    Vielleicht   haben  die  Programmierer   an   den
Universitäten 
zu  wenig Schachverstand gehabt um  effizient  und
korrekt Schachwissen in ihre Programmer einzubauen.
Und  vielleicht  werden meine  Programmiererkollegen  immer  mehr
Schwierigkeiten  haben gegen die
Exponentialfunktion der  Variantenexplosion in ihrem Brute-Force-Sockel anzukommen.
Es  scheint  mir  auch so,  daß  deren  Selektive  Komponente  im
wesentlichen   zum Aufspüren taktischer Kombinationen und  Motive
zu taugen scheint,  als für strategische Momente und langfristige
Pläne. Wir werden sehen wer zuerst am Ende ist.

SCW:  Zuerst  am Drücker war ja ihre Konkurrenz.  Sie haben  lange
gebraucht um ihr Programm auf dieses Niveau zu bringen.

Whittington:  Sicherlich,  aber  es ist eben immer  schwerer  und
langfristiger  etwas  elegant und intelligent zu  lösen  als  mit
roher  Gewalt  und Blindheit geschlagen  sehr  kurzfristig.  Aber
meine Methode ist auf Dauer eben erfolgreicher, vor allem wenn es
mir bald gelingt große strategische Begriffe in Schachalgorithmen
dingfest  zu  machen.  Das ebnet den Aufstieg in eine  ganz  neue
Klasse Schachprogramme.
Dieses Nachfolge-Programm wird ganz neues Schach  außerhalb der Grenzen jedes normalen A/B-Schachs  spielen und  vielleicht so manchen Taktikkiller an der  Nase  herumführen und im aufzeigen das er nie Schach sondern nur "Jägerzaunschach", d.h.   Schach  innerhalb  kurzer  Denktiefen,   und  damit   sehr oberflächliches Schach spielte.

SCW:  Das  wäre  sehr schön und sicherlich würden sie  damit  den
Beifall  Michail  Botwinniks ernten,  der ja  mit  ähnlichen  KI-
Aufgaben  seit  Jahrzehnten an seinem  PIONIER  herumbastelt  und
stets  von 
denen  ausgelacht wurde die er  mit  seinem  Programm
eigentlich beschämen wollte, den Brute-Force-Geräten.

Whittington:  Botwinnik  scheint  doch noch extremere  Methoden  zu benutzen als ich.  Jedoch wer weiß - wenn er einmal fertig ist  -
vielleicht wird sein Programm dann sogar meines schlagen.

SCW: Wissen Sie eigentlich wieviel Sprengstoff sie in die bereits
fade   zu   werdende  Diskussion  um  grundlegende   Fragen   der
Suchalgorithmen werfen?

Whittington:  Nein ! Ich dachte immer alle Programme rechneten so
wie meines (und lacht!). Habe ich da was übersehen ?

SCW: Wie haben Sie es geschafft in der schwedischen ELO-Liste bei 1600 ELO Ihr Dasein zu fristen und bei der Lyon-WM eine  Prügelei untergeschoben bekommen zu haben, von vielen nicht ernst genommen zu werden und trotzdem nicht aufzugeben und gar  ihre Stategie zu ändern. Arbeiten Sie überhaupt noch an Ihrem Programm ?

Whittington:   Ehrlich  gesagt  habe  ich  nie  an  meinen  Ideen
gezweifelt. 
Es  war mir klar daß ich Recht  behalten  würde.  Im
übrigen  arbeiten  wir 
zu  dritt  an  dem  Programm  !  Und  die
Unkenntnis  von  Leuten  die keine Ahnung  haben  und  sich  sehr
negativ über mein Programm äußern verstehe ich nicht,  und  wenn,
dann  messe ich dem keine große Bedeutung bei.  Wie kann man  von einem  Solar-Auto verlangen daß es wie ein Benzin-Auto  220  Km/h fährt  ?  Das wäre doch für solch ein Solar-Auto ein Bruch  gegen die Definition und die gesteckte Aufgabe. Wie kann man von meinem Programm  verlangen,  daß  es jede taktische Aufgabe  findet  die einige ihm eingeben?  Die Stärken meines Programms liegen klar  im
Turnierspiel.  Kein  Fisch sollte auf dem Trockenen  nach  seinen Überlebenschancen beurteilt werden, oder?

SCW: Wissen Sie eigentlich wie genial sie sind ? 

Whittington:  Bis  sie  es mir gesagt haben wußte ich  es  nicht.
Danke dafür.

SCW: Wir danken für das Gespräch!

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1. Fazit:  Der  Chess  Champion  braucht  sich  nicht  mehr  in  der schwedischen  Elo-Liste verstecken.  Auf einem  PC  > 286er  (sonst funktionieren die Hash-Tables nicht) schätze ich ihn mit ELO 1950 ein. Bei mehr Hardware oder Mhz umso mehr Leistung.
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(Gegen andere Computer tritt ein merkwürdiger Effekt auf, der auch für dieses Programm spezifisch ist:

Selbst auf einem
386-33 mit Hash sieht der Champ bei weitem nicht so gut aus wie auf einem 486er gleicher Konfiguration. Warum ?
Der Faktor 2 Rechenunterschied zwischen den Geräten bewirkt, daß ein 386-33 quasi nur so viel auf Turnierstufe rechnet, wie ein 486er in 1,5 Minuten !!
Da das Whittington B-Strategie Programm aber keine durch exponentielle Suchbaumbremse erfährt wie die anderen A/B-Mischprogramme,
passiert zwischen den 1,5 Minuten und 3' Rechenzeit noch ein Durchmarsch vom (manchmal) 7.Hz in den 9.Hz. (und in Spitzen noch tiefer!).
Das ist aber gerade
der Hz. in den die A/B Programme mit Ihrem Sockel nicht kommen. Die bewegen sich im Intervall  1,5 Minuten und 3' meistens gar nicht mehr aus dem jeweiligen Halbzug heraus, sondern rechnen nur darin herum, bis zum Ende.
Will sagen:
Zwischen A/B und B-Strategie-Programmen liegen im Intervall 1,5 Minuten und 3' unterschiedliche Rechenerfolge in der Tiefe! B-Strategie kommt in derselben Zeit tiefer. Das führt dazu das im Vergleich zu den A/B und B-Programmen der Champ von der Verdopplung 386er zu 486er mehr profitiert als seine Verwandten.

Leser haben mir einige böse Partien gegen andere Computerprogramme zugeschickt die im wesentlichen darin begründet sind, daß der Champ auf Turnierstufe meist
nur im 7.Hz rechnete, während mein Gerät im 9.Hz. probierte. Im 7.Hz. ist der Champ dann gegen deren taktische Verwicklungen besonders empfindlich und wirkt sehr kurzsichtig. Also besser 486er !!! )
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Auf der von mir verwendeten Maschine dürfte seine Leistung so  um
die
2100 ELO-Punkte liegen. Das ganze ist jedoch nicht so einfach
einzuteilen  wie  z.B.  die  Spielstärke des Mach  III  oder  des
Dallas.  Das liegt in der Suchstrategie des Programms  begründet.
So  groß  die Bandbreite von guten und  schlechten  Partien  beim
Champion ist,
so groß ist auch die Schwankung der Spielstärke.


Ich  glaube  es  ist  verständlich  das  ein  Schachprogramm   je
schwieriger in der Spielstärke einzuschätzen ist,  je  selektiver
es ist. Und dieses Programm ohne Brute-Force Ansatz ist natürlich
am allerschwersten zu beurteilen.
Die 
50 gespielten Turnierpartien sprechen jedoch eine  deutliche
Sprache.  Wer  will  kann alle Partien bei mir  auf  Diskette  im
Champion  2175  Partie-Format erhalten und sich  selbst  von  der
Eindeutigkeit überzeugen.

B E Z U G S Q U E L L E:

Auch das Programm ist in der von mir getesteten V.1.04 in der
SCHACHCOMPUTERWELT und bei Gambit-Soft zu beziehen.
Jeder 1.01 Besitzer kann gegen Unkostenbeitrag (ähnlich wie bei M-Chess) und Einsendung der Original-1.01 Disketten die neue Version erhalten.
Weitere Updates sind geplant und in  laufender Arbeit. Im BT-Test kommt die neueste Champion Version bald an M-Chess' 2100 BT-Punkte heran.

Ich  bin sicher die Schweden werden bald auch eine Champion  2175 PC-Version  in  Ihren Test aufnehmen,  und
wie ich  die  Schweden
kenne  haben  die wieder ganz andere Ergebnisse als ich  hier  in Lünen.  Naja  - die Erdstrahlen und Silkes gutes Essen sind  wohl dafür verantwortlich.


Ich  schätze  den Champion 2175 auf meiner  verwendeten  Maschine
stärker  als  Fritz  I und Zarkov 2.5  auf  gleichartigem  Gerät.
Vielleicht ist seine
2175-Zahl doch näher an seiner tatsächlichen
ELO-Zahl als manche wahrhaben wollten.
Dennoch  sei  gewarnt:  Der Champ kann auch gegen  viel  stärkere
Gegner  begeistern  und  gegen  viel  schwächere  Gegner   bitter
enttäuschen.  Das  liegt in der Natur der Suchstrategie und  auch
meine  guten  Wünsche  können  daran  nichts  ändern,   höchstens
vielleicht Chris Whittingtons
Wissens-Transfusion.

Geplant ist ,  für die weitere Zukunft,  ein Gegenüberstellen von
Champion 2175 gegen The King, M-Chess auf 486 und Gideon.

Was wohl dabei herauskommt ?


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Eine Sache sei noch erwähnt: Mein Nachbar hat nach den
50 Partien erst mal nichts gesagt, ging dann zu seinen 4 Suitcases und holte,
man  glaubt es kaum,  einen
Lyon 68030 mit 60Mhz und  8MByte
Hash-Tables heraus.


Das  hat  wohl  so an seinen Nerven gezerrt,  daß  er  es  wissen
wollte. Um die Sache für uns kompliziert und gemein zu machen, hat
er sich auch noch gerade eine
Blitzpartie,  Partie in 30'  ,  als
Austragungsmodus ausgedacht,  wo man doch weiß, daß der Vancouver, der große Bruder des Lyon 68030  gerade beim Mephisto-Grand-Prix in dieser  Ausführung 
die ganze Großmeister und IM-Gilde deklassierte.

Mit 
Wucht  stellte  er das  Holzgeschoß  auf  den  morgendlichen
Küchentisch und wetterte:
En garde !

Silke und ich interpretierten,  er wolle uns herausfordern.  Also
stellten  wir unseren Rechner flugs auf die  gewählte  Zeitspanne
ein und legten los. Es ist klar daß ich ihnen die Partie zwischen
DEM  Schachcomputer dessen Bruder Vancouver letztens so locker eine ELO-Leistung  von 2670 ELO mit 8,5 aus 10 Partien holte, nicht unterschlage:

 
1.Aktivschachpartie (30 Min Partie)
Champion 2175 V1.04 486-33 256Cache
gegen Lyon 68030 60Mhz 8MByte Hash-Tables

1.e4 d6 (Überraschend wählt der Lyon 030 die Pirc-Verteidigung.) 2.d4 Sf6 3.Sc3 c6 (dies haut den Champ natürlich aus der BIBI, dafür haut der nun, fairerweise den Lyon raus) 4.e5 dxe5 5.dxe5 Dxd1+ 6.Sxd1 (Ich hoffe Sie denken nicht so ohne weiteres das Schwarz im Vorteil ist.Der Abtausch und Springerrückzug ist nicht negativ für Weiß.) 6... Sd5 7.Se3 e6 (unser Champ steht fast besser.) 8.Sf3 Lc5 (eine Frage: ist der e-Doppelbauer eine Gefahr für Weiß? Diese Entscheidung ist hier schon wichtig.) 9.Ld2 0-0 10.0-0-0 Sd7 11.g3 (Huch, was ist das ? Was macht der Champ denn da? Weiß er nicht gegen wen er spielt? Hat er keinen Respekt?) 11... Sxe3 12.Lxe3 Lxe3+ 13.fxe3 (Ist dieser Doppelbauer schlecht? Ich denke noch immer steht der Champ besser) 13... a5?! 14.Td4 (!!! Was ist denn das? Was wagt dieses No-Name-Programm? Welche Ideen auf Blitzstufe!) 14... a4?! 15.Ld3 a3?! (Immerhin hat auch der Lyon einen Plan, oder ist das keiner! Wahnsinn! ) 16.b4 c5 (Mein Nachbar schwitzt: er traut seinen Augen nicht! Champ spielt vernichtend) 17.Th4 h6 18.c3 cxb4 19.cxb4 (Schwarz hat noch nichts gelöst! Wird Weiß seine Figuren zusammenhalten können) 19... Sb6 20.Kd2 Ld7 (Langsam kommt der Hardware mächtige Lyon aus der Tiefe.) 21.Le4 Sd5 22.Ld3 Ta4 (Eine kuriose Stellung ist entstanden! Aber das muß der Lyon doch gewinnen,oder ?) 23.Tb1 Lc6? ( dies war nicht das beste. Wie so häufig in Blitzpartien: das Blatt wendet sich.) 24.b5 Txh4 25.Sxh4 Ld7 26.Sf3 Ta8 27.Tb3 Ta4 28.Sd4 Sb4 29.Lb1 (Trotz der merkwürdigen Stellung, der Champ koordiniert alles genau.) 29... b6 30.g4 Kf8 31.h4 Sd5 (Vielleicht ein Remis ? Gegen den Lyon 68030 keine Schande.) 32.Lc2 g5 33.h5 Sb4 (Remis ???) 34.Lb1 Ke8 35.Ke2 Sd5 (Der Lyon 68030 bittet höflich um Remis. Aber sein Herrchen hört ihn nicht...) 36.Le4 Ke7 (Wenn der Lyon 030 jetzt nicht bald einen ordentlichen Plan ausgräbt...) 37.Kf3 Kf8 (Nein - der Lyon versucht jetzt sogar schon Zugwiederholung zu vermeiden) 38.Ld3 f6! (Na endlich eine Idee !!!) 39.Sc2 (Gut!) 39... f5!! (Und wieder wendet sich das Blatt) 40.gxf5 exf5 41.Kf2 (Aha, der erste Fehler. Txa3 hätte vielleicht noch abgelenkt.) 41... Th4 42.Txa3 Th2+ 43.Kg1 Td2 44.e6! (Der Champ hat vorhin einen schlechten Zug gespielt, dafür jetzt hier einen guten gefunden! Immerhin in 30" !!) 44... Le8 (Nähme Schwarz Lxe6 so käme Weiß aus seinem Sumpf heraus. Prüfen sie bitte selbst die Fortsetzungen.) 45.Lxf5 (Es ist schon wieder  geschehen. Der Champ hat das unmögliche geschafft: in einer Blitzpartie hat der Chess Champion den Weltmeister in seinen Händen) 45... Lxh5 46.Ta7 (Hier hatte mein Nachbar erst Ta8 verstanden, Ta7 ist aber viel bsser.) 46... Se7 47.Td7 (Nun schau sich das einer an. Der WM Lyon durch den Champ am Boden.) 47... Td1+ 48.Txd1 Lxd1 49.Sd4 (Mein Nachbar weiß nicht mehr was er noch machen soll. Ja wie stark ist Champion 2175 ?) 49... Kg7 50.Kf2 Kf6 51.e4 h5 (Keiner hat behauptet daß das Endspiel einfach ist. Denn nun ist wieder der Champ daran zu patzen) 52.Ke3?! (wohl besser Kg3) 52... La4 53.a3 h4 54.Lg4 Sg6 55.Sf3? (?? besser Lh3) 55... Lxb5 56.Lf5 (Der Läufer gehört nach h3) 56... Se5 57.Sxe5 Kxe5 (Zugegeben, die Stellung ist nicht mehr zu halten für Weiß) 58.Lg4 La4 59.Lf5 Kf6 60.Lg4 Lb3 61.e7 Kxe7 62.Kf2
(Das Spiel ist aus. Aber mein Nachbar hatte keine Lust mehr auf eine Revanche, wo er doch sonst immer nach jedem Sieg mir eine Revanche aufzwingen will um sich, ganz fair - wie er meint, am 2.Sieg nochmal zu ergötzen.)

Nochmaliges Fazit: Der Chess Champion 2175 ist ein hochinteressantes Programm, erst Recht für jene, die ein wenig von der Computerschachmaterie verstehen und auch um die einzelnen Strategien wissen.

Seine Spielstärke liegt bei
2100 auf meiner verwendeten Maschine, jedoch kann der Champ, wie fast alle hochselektiven, gegen Stümpergegner noch verlieren und gegen Meister brillieren (wie auch gezeigt). Dank seiner merkwürdigen Spielweise kann er nämlich fast gegen jeden siegen.


Was uns gefiel:

+ große und abwechslungsreiche Eröffnungsbibliothek
   selbst programmierbar und selbsterweiternd

+ gute Spielstärke auf 386er bzw 486er Rechnern

+ auch für schwache Gegner abstufbar

+ intelligentes Programm, sehr gut im Lavieren, spielt menschlich

+ Hash Table soviel ihr Speicher hergibt

Was uns nicht gefiel:

- keine Mattsuchstufe

- schlecht übersetztes deutsches Handbuch

- keine Partie-Export Funktion für ASCII-Ausgabe Notation.

- in der meist bei branchenfremden Firmen verkauften Version leider nicht die Schachregeln beherrschend (V.1.01 EP-Fehler)


Post Scriptum:

Mittlerweile haben Silke und ich schon einige Turnierpartien gegen die großen ELO-Riesen gestartet:
M-Chess scheint, auf gleicher Hardware, der
totale Angstgegner zu sein. Da steht es nach 5 Partien 5:0 für M-Chess. Dabei besiegte sich der Champ in 3 Partien selbst, d.h. er "übersah" einen Einschlag von M-Chess den er wohl einfach wegselektierte.

Bei Bedarf können Sie alle diese Partien auch bei mir bekommen, hier ein gutes Beispiel für Champs Selektivität:

2.Turnierpartie (40 in 120`)
CCH 2175 : M-Chess 1.70
Beide 486-33er Hardware, Champ mit 2MB Hash.


1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6
6.Le3 Lg7 7.f3 O-O 8.Dd2 Sc6 9.Lc4 Ld7 10.O-O-O Tc8
11.Sxc6 Txc6 12.Lb3 Da5 13.Sd5 Dxd2+ 14.Lxd2? Sxd5 15.exd5?
Sehr interessant. Champ hat keine Angst vor den 2 Läufern, wäre  15.Lxd5 nicht besser?!
... Tc7 16.Tde1 Lf6 17.c3 Tfc8 18.Lh6 b5 19.Kb1??
Champ sieht nicht das mögliche Lf5+ Ka1 Txc3! mit Mattmotiv.
Für ihn ist  Txc3 wohl ein "uninteressanter Zug" der einfach wegselektiert wurde!
...Lf5+ 20.Kc1 Nach 6-7 Minuten Nachdenkens auf Ka1 sieht er das Disaster mit Txc3. Wenige Brute-Force bzw. A/B-Mischprogramme hätten so reagiert. Auf 386-33 hätte Champ wahrscheinlich sogar Ka1 gezogen.
"Unnormal" with  Human touch!
Und die Partie endete ... b4 21.Ld2 bxc3 22.bxc3 und 0:1!



Etwas grandioses passierte jedoch im Wettstreit gegen The King:

Nach 3 Turnierpartien steht es z.Zt.
3:0 für den Champ, und zwar glasklar.


SCW: Mr. Whittington, wie kommt es daß der Champ gegen The King keine taktischen Probleme hat, gegen M-Chess aber doch ?

Whittington: M-Chess spielt sogenanntes spekulativ attackierendes  Schach. Die Angriffe sind vielfach gar nicht aussichtsreich sondern nur geblufft, während The King meistens etwas findet was ja auch wirklich vorhanden und möglich war, in einer Stellung. So gesehen schlägt M-Chess den Champ also "mit eigenen Waffen", d.h. mit dem Schmieden von Plänen, die nicht unbedingt exakt sind. Man sieht diese Fähigkeit von M-Chess auch gut im BT-Test:

Taktische Matts oder Material gewinnende Stellungen werden von M-Chess nicht schnell gelöst:
BT 1 ,14, 17, 19, 21, 23 zeigen dies!
D.h. M-Chess
findet die Matts und Angriffe gar nicht weil es diese im Suchbaum gesehen hat (wie man annehmen könnte und wie es die anderen Brute-Force-Programme tun ) sondern eher , weil es die dafür aussichtsreichen Stellungen mit einer Bonus-Bewertung als solche im Suchbaum mit der Bewertungsfunktion markiert/hervorhebt.
M-Chess plant also Matts statt diese echt zu finden. Es lenkt dahin ohne schon das genaue Ziel zu kennen, daher auch die großen Bewertungsbelohnungen des Programms im Vergleich zur Konkurrenz.

Das Entscheidungskriterium für gute Züge ist also bei M-Chess, fast wie bei mir , nicht der Vergleich mit anderen Zügen, sondern die
Bewertungsfunktion. Dennoch ist mein Programm hierin natürlich viel strikter. Doch dies scheint der Grund für die Ähnlichkeit und die daraus resultierenden Schwierigkeiten zu sein.

Der Bonus scheint übrigens nicht an eine Leichtfigur heranzukommen,
M-Chess scheut vor BT 1 und BT 10 zurück !

SCW: Danke Herr Whittington.

Und hier Silke und meine gespielten Turnierpartien:

1. cch 2175 : tk 1.0

1.e2-e4 d7-d6 2.d2-d4 Sg8-f6 3.Sb1-c3 g7-g6 4.Sg1-f3 Lf8-g7 5.Lf1-e2 0-0 6.0-0 c7-c6 7.h2-h3 Dd8-c7 8.a2-a4 Sb8-d7 9.Lc1-g5 e7-e5 10.d4xe5 Sd7xe5 11.Sf3xe5 d6xe5 12.Le2-c4 Dc7-e7 13.Dd1-e2 Lc8-e6 14.Tf1-d1 Tf8-d8 15.Lc4xe6 De7xe6 16.Lg5-e3 Sf6-d7 17.a4-a5 De6-e7 18.De2-c4 Td8-c8 19.Td1-d3 Sd7-f8 20.Le3-c5 De7-e6 21.Dc4-b4 Sf8-d7 22.Sc3-a4 Sd7xc5 23.Sa4xc5 Lg7-f8 24.Db4-c3 De6-e7 25.Sc5-d7 Lf8-g7 26.Ta1-d1 Tc8-c7 27.Sd7-c5 Lg7-f8 28.b2-b4 De7-e8 29.Dc3-c4 Ta8-c8 30.Td3-d2 Lf8-e7 31.Dc4-c3 Le7-g5 32.Td2-d6 Lg5-e7 33.Td6-d3 Le7-g5 34.Sc5-d7 c6-c5 35.b4xc5 De8-e7 36.Dc3-b2 f7-f6 37.Db2-b5 Kg8-h8 38.Td3-d6 a7-a6 39.Db5-b3 De7-g7 40.Sd7-b6 Tc8-g8 41.Td6-d7 Tc7xd7 42.Sb6xd7 f6-f5 43.Db3xb7 f5xe4 44.Db7xe4 Lg5-d8 45.Sd7xe5 Ld8-c7 
1:0

2. tk 1.0 : cch 2175

1.d2-d4 d7-d5 2.c2-c4 Sb8-c6 3.Sg1-f3 Lc8-g4 4.c4xd5 Lg4xf3 5.d5xc6 Lf3xc6 6.Sb1-c3 Sg8-f6 7.Lc1-g5 e7-e6 8.f2-f3 Lf8-e7 9.Lg5-c1 Sf6-d5 10.e2-e4 Sd5-b6 11.Lf1-e2 Le7-h4+ 12.g2-g3 Lh4-g5 13.Lc1xg5 Dd8xg5 14.f3-f4 Dg5-a5 15.Dd1-c2 Sb6-a4 16.0-0 0-0-0 17.Sc3xa4 Da5xa4 18.Dc2xa4 Lc6xa4 19.d4-d5 e6xd5 20.e4xd5 Td8xd5 21.b2-b3 La4-c6 22.Le2-f3 Td5-d6 23.Lf3xc6 Td6xc6 24.Ta1-e1 Kc8-d7 25.Te1-e5 Tc6-d6 26.Tf1-e1 Th8-f8 27.Te5-h5 h7-h6 28.Th5-a5 a7-a6 29.Ta5-e5 Td6-d2 30.a2-a4 Kd7-d6 31.Te5-e2 Td2xe2 32.Te1xe2 c7-c5 33.a4-a5 Tf8-c8 34.Kg1-f2 Kd6-c6 35.Kf2-f3 Tc8-c7 36.f4-f5 Kc6-b5 37.Te2-e4 Kb5xa5 38.Te4-a4+ Ka5-b5 39.Ta4-g4 f7-f6 40.h2-h4 Tc7-d7 41.Kf3-e2 h6-h5 42.Tg4-e4 b7-b6 43.Te4-a4 Td7-d4 44.Ta4-a1 Td4-d5 45.Ta1-f1 Kb5-b4 46.Tf1-f3 a6-a5 47.Ke2-e1 Kb4-a3 48.Ke1-e2 Ka3-b2 49.Ke2-f2 Td5-d2+ 50.Kf2-e1 Td2-c2 51.g3-g4 h5xg4 52.Tf3-g3 c5-c4 53.Tg3xg4 c4-c3 54.Tg4xg7 Tc2-h2 55.Tg7-c7 c3-c2 56.h4-h5 c2-c1D+ 57.Tc7xc1 Kb2xc1 58.h5-h6
0:1

3. cch 2175 : tk 1.0

1.d2-d4 e7-e6 2.c2-c4 Sg8-f6 3.Sg1-f3 d7-d5 4.g2-g3 d5xc4 5.Sb1-c3 c7-c5 6.e2-e3 c5xd4 7.Dd1xd4 Lf8-d6 8.Dd4xc4 a7-a6 9.Dc4-a4+ Sb8-c6 10.Lc1-d2 Lc8-d7 11.Sc3-e4 Sf6xe4 12.Da4xe4 f7-f5 13.De4-d3 Dd8-e7 14.Dd3-b3 b7-b5 15.0-0-0 0-0 16.Lf1-g2 b5-b4 17.Db3-d3 Tf8-d8 18.Kc1-b1 Ld6-c5 19.Td1-c1 Ld7-e8 20.Dd3-c4 Lc5-b6 21.Sf3-d4 Lb6xd4 22.e3xd4 Td8xd4 23.Dc4-e2 Ta8-d8 24.Ld2-e3 Td4-d6 25.Le3-c5 De7-f6 26.Lc5xd6 Td8xd6 27.De2xa6 Td6-d2 28.Tc1-c2 Td2xc2 29.Kb1xc2 b4-b3+ 30.Kc2xb3 Sc6-d4+ 31.Kb3-b4 Sd4-c2+ 32.Kb4-a5 Df6-e5+ 33.Ka5-b6 De5xb2+ 34.Kb6-c7 Sc2-d4 35.Kc7-d8 Db2xf2 36.Kd8xe8 Df2xg2 37.Da6-c8 Dg2-c2 38.Dc8xc2 Sd4xc2 39.Ke8-e7 Sc2-d4 40.Th1-d1 e6-e5 41.Td1-d3 g7-g6 42.Ke7-f6 Kg8-f8 43.Td3-c3 Kf8-e8 44.Kf6xe5 Sd4-e2 45.Tc3-c7 h7-h5 46.Ke5-f6 Se2-d4 47.Tc7-c3 Sd4-b5 48.Tc3-c5 Sb5-d6 49.Kf6-e6 Sd6-f7 50.Tc5-c8+ Sf7-d8+ 51.Ke6-d6 g6-g5
1:0

Und wie heißt es doch am Ende eines Star-Trek-Films:
"Und das Abenteuer geht weiter!"

Vielleicht macht dieser Artikel sichtbar, warum ich mit Whittington an diesem aussichtsreichen Programm feilte. Nach dieser Version wurde das
Complete Chess System kreiert, und danach gelang der Durchbruch mit Chess System Tal. Vieles von dem was CSTal ausmacht, klingt aber schon in diesem Artikel über den Champion mit an. So die Betonung auf die Zugselektion, auf die Bewertungs- funktion gegenüber der Suche.
Auch kündigt Chris schon im Interview zu diesem Champion Programm seine Ideen für Chess System Tal an, wenn man ein wenig
zwischen den Zeilen liest.
Sogar das
Bluffverhalten von Mchess scheint er HIER  schon bemerkt zu haben, um es dann selbst später im CSTal angewendet zu haben.
Schon Complete Chess System war eine große Verbesserung was die Bugs und die Oberfläche anging. Ich bemühte mich das Programm in seiner Funktionalität mit Ideen sinnvoll zu erweitern. Es wurde dann aber ersichtlich, daß die Bewertungsfunktion endlich einmal verfeinert werden mußte. Complete Chess System stellte keine Figuren mehr einzügig ein, aber spielte nicht fein genug. Wir spielten sehr viele Partien, analysierten sie, diskutierten die Gründe für das Versagen.  Chris und ich telefonierten
mehrmals täglich, faxten bis das Faxpapier alle war (Internet gab es damals noch nicht in Deutschland) und irgendwann waren erste Versionen von CSTal, das wir anfangs noch Complete Chess System 2 nennen wollten, fertig. Als in der Modul ein Artikel über Complete Chess System2 erschien, worin Chris am Ende die Namensgebung : Chess System Tal vornimmt (ein Namenszusammenhang der durch die Spielweise des Programms nach Einbau der Tal-Bewertungsfunktion nahelag) hatten wir keine Ahnung das Stephen Flinter und Mark T.Keane vom Trinity College Dublin eine Arbeit "On the automatic Generation of Case Libraries by Chunking Chess Games" schrieben. Chris' Tal Programm war schon längst getestet und Artikel in Zeitschriften erschienen als man bei Flinter und Keane den wirklich kuriosen Satz lesen konnte: "In this paper, we consider a chess playing system, called TAL, that uses CBR" (CBR=case base reasoning).

Jahre später haben wir von einem
Gerücht gehört, daß wer weiß wer lancierte, Chris habe bei Flinter und Keane abgeguckt oder deren Arbeit gestohlen. Ich weiß nicht ob die Herren jemals ein fertiges Programm hatten, oder ob es bei dem Papier blieb. Chess System Tal war jedenfalls längst fertig, als sie noch an ihrem System arbeiteten. Dennoch denke ich, ist es eine merkwürdige Synchronizität. Da arbeiten 2 Teams an einem Projekt Chess System Tal ohne voneinander zu erfahren.  Vielleicht ist an der These Rupert Sheldrakes und seiner morphogenetischen Felder ja mehr dran, als uns lieb ist. Wichtige Erfindungen liegen immer plötzlich in der Luft. Und werden zeitgleich und unabhängig an unterschiedlichen Orten der Erde entwickelt, im Tierreich und auch beim Tier: Mensch.

Thorsten Czub
17.08.2002